Stadtplatz Schlieren
Antwort «ungenügend»: GLP-Gemeinderat besteht auf Neugestaltung

Jemand müsse die Geschicke des Zentrums in die Hand nehmen, sagt der GLP-Gemeinderat Nikolaus Wyss. Die Antwort der Stadt auf sein Postulat zur Zwischennutzung des Kreisels ist ihm «zu wenig».

Florian Niedermann
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«Abgeschottet und nicht einladend»: Nikolaus Wyss kritisiert bestehende Zwischennutzungen auf dem Schlieremer Stadtplatz.

«Abgeschottet und nicht einladend»: Nikolaus Wyss kritisiert bestehende Zwischennutzungen auf dem Schlieremer Stadtplatz.

FN

«Ungenügend» ist das Prädikat, das der Schlieremer GLP-Gemeinderat Nikolaus Wyss den Plänen des Stadtrats für die Zwischennutzung des Stadtplatzes gibt. Der Grünliberale und acht Mitunterzeichnende hatten die Exekutive in einem Postulat aufgefordert, ein Konzept zu erarbeiten, mit dem das Zentrum in der Zeit bis zu seiner Umgestaltung attraktiver genutzt werden kann.

Vor kurzem erfolgte die Antwort; an der Sitzung vom 6. Juli soll das Parlament den Vorstoss abschreiben. Doch Wyss ist dagegen: «Ich würde mir wünschen, dass das Postulat auf der Pendenzenliste des Stadtrats bleibt. Diese Diskussion soll weitergehen und das Vorhaben nicht auf halbem Weg stehenbleiben.»

Der GLP-Gemeinderat lobt zwar, dass die Stadtregierung erkannt hat, dass das Schlieremer Zentrum bis zum Bau des neuen Kreisels sowie des Kulturplatzes ab 2017 belebt werden muss. Doch habe sie in ihrer Antwort kaum Ideen geliefert, um die «Einöde» im Herzen der Stadt nachhaltig aufzuwerten. «Die Antwort auf unser Postulat ist eigentlich bloss eine lobende Beschreibung des Status quo, verbunden mit der Bestätigung, dass der Platz belebt werden sollte. Das ist zu wenig», findet Wyss.

Aus finanziellen überlegungen: Comédy und Events setzt aus

Dieses Jahr wird im Herbst kein Zirkuszelt auf dem Stadtplatz stehen. Die Eventreihe «Comédy und Events» setzt für ein Jahr aus. Dies, obwohl die Organisatoren mit ihrer ersten Saison von vergangenem Winter sehr zufrieden waren (die Limmattaler Zeitung berichtete). Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) bestätigt nun aber auf Anfrage, dass die Eventreihe für ein Jahr aussetzen wird. Der Grund dafür liege in finanziellen Überlegungen. «Die Zeltinfrastruktur aufrechtzuerhalten, war sehr kostenintensiv», so Brühlmann. Stattdessen wird nun von Anfang November 2015 bis Ende Februar 2016 auf dem Stadtplatz ein Fondue-Chalet betrieben. Der Stadtrat sei überzeugt, dass auch dieses Angebot den Stadtplatz zu beleben vermöge, sagt der Stadtpräsident. Im Herbst 2016 werde «Comédy und Events» wieder durchgeführt. (fni)

Zwei Anlässe pro Monat

Der Stadtrat hält im Abschreibungsantrag zum Postulat zwar fest, dass mit einer «attraktiven Zwischennutzung» das zukünftige Zentrum «quasi vorwegzunehmen» sei. «Es ist wichtig, dass das Zentrum möglichst rasch an Ausstrahlungskraft und Attraktivität gewinnt und dieser Prozess nicht erst nach dem Bau von Kreisel und Limmattalbahn beginnt», heisst es darin weiter.

Im Detail ist der Antwort aber nicht viel Überraschendes zu entnehmen. Konkret soll von September bis Dezember auf dem Stadtplatz jeweils ein Zelt aufgestellt werden können, wie dies auch in den vergangenen Jahren der Fall war. Bespielt werden kann künftig aber die ganze Fläche innerhalb des Kreisels und auch die Bahnhofstrasse soll möglichst einbezogen werden. «Es ist ein Minimum von zwei Anlässen pro Monat anzustreben», schreibt der Stadtrat.

Betreffend Zielpublikum besteht die Vorgabe, dass Anlässe für einen Grossteil der Bevölkerung, insbesondere auch für die Jugend, konzipiert sein sollen. Zudem müssen die Anlagen «mindestens eine befriedigende Gestaltung» aufweisen und «einladend wirken». Nicht erwünscht ist hingegen «ein abgeschotteter Zeltkomplex», der als «abweisender Fremdkörper» im Zentrum steht. Um offene Fragen zu klären und die Zwischennutzung voranzutreiben wurde laut Stadtrat eine Arbeitsgruppe, bestehend aus dem Stadtpräsidenten, der Stadtschreiberin, dem Standortförderer und dem Präsidenten des Vereins Event Schlieren, gebildet.

«Ideen gibt es unzählige»

Doch damit will sich Wyss nicht zufriedengeben. Bestehende Angebote wie die Sommerbeiz oder das Zirkuszelt im Herbst, die der Stadtrat in seiner Antwort als Teil eines «pragmatischen und zweckmässigen» Konzepts für den Stadtplatz bezeichnet, erachtet der GLP-Gemeinderat als nicht zielführend. «Diese Zelte sind gegen aussen abgeschottet und haben den Eingang auf der falschen Seite. So wirken sie auf Passanten wenig einladend», ist er sich sicher. Und genau diese Wirkung wolle die Exekutive gemäss ihrer Antwort auf seinen Vorstoss doch verhindern. Generell brauche es für einen Platz von der Grösse des Kreisels mehr Energieaufwand als bloss ein Konzept einer Arbeitsgruppe, sagt Wyss: «Zwei Anlässe pro Monat sind nicht genug. Man soll jeden Tag mindestens fünf verschiedene Gründe haben, auf den Stadtplatz zu gehen.» Sei es, um jemanden zu treffen, mit dem Hund spazieren zu gehen, oder auch um etwa einem Bildhauer der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer im ausgelagerten Atelier bei der Arbeit zuzuschauen. Ideen gebe es unzählige, so Wyss. «Jemand muss die Geschicke des Zentrums aber endlich in die Hand nehmen.»

Denn, davon ist der Gemeinderat überzeugt, ist der Stadtplatz erst einmal attraktiv, würden Anlässe vermehrt über Sponsorings finanziert werden können. Damit würden die Steuerzahler weniger belastet. Und schliesslich würde die Stadt volkswirtschaftlich gar profitieren, sagt Wyss: «Ein wirklich belebtes, attraktives Zentrum bringt auch den umliegenden Gewerbetreibenden steigende Umsätze und damit auch höhere Steuereinnahmen.»