Der Schlieremer Gemeinderat stimmte gestern der neuen Verordnung zum Friedhofs- und Bestattungswesen zu. Der Stadtrat will damit die heute geltende Verordnung vereinfachen. Sie solle «dynamischer, aktueller und allgemein verständlicher» werden, sagte Gesundheitsvorsteher Pierre Dalcher (SVP). Nicht mehr darin enthalten ist die Schaffung der muslimischen Grabfelder, gegen welche sich im Rat 2013 Widerstand formiert hatte. Bereits damals legte die Schlieremer Exekutive dem Gemeindeparlament eine neue, aktualisierte Vorlage zur Genehmigung vor, worin die muslimischen Grabfelder und Baumgrabfelder vorgesehen waren. Das Stadtparlament wies jedoch die revidierte Vorlage damals mit 22 zu 10 Stimmen an den Stadtrat zurück.

Rixhil Agusi-Aljili (SP) betonte an der gestrigen Sitzung, dass die Angehörigen anderer Religionen mit dieser Verordnung dazu gezwungen würden, teure Leichentransporte in ihr Heimatland zu organisieren: «So sieht Integration nicht aus», sagte sie. Der Stadt Schlieren würde durch muslimische Gräber keine zusätzlichen Kosten verursacht. Hingegen würden diese zu einem besseren Zusammenleben führen. Für sie stehe nun fest, dass die Stadt nicht bereit sei, einen Schritt in die Zukunft zu tun. Unter Vermerk, dass auch nach dem Tod die Religionsfreiheit gelte, stellte Leila Drobi (SP) einen Änderungsantrag, in welchem sie verlangte, dass muslimische Grabfelder in Schlieren trotzdem angeboten werden sollen. Der Rat schickte diesen jedoch wiederum mit 22 zu 10 Stimmen bachab.

Glaubt man den Ausführungen des Stadtrats, sind muslimische Grabfelder nicht zwingend nötig: Zwar würden Kosovaren und Serben, die meist muslimischen Glaubens sind, zu den fünf bevölkerungsreichsten Ausländernationalitäten in Schlieren zählen, so Dalcher. «Der Anteil Ausländer, die in unserer Stadt sterben, ist jedoch sehr gering.» Dass viele ausländische Staatsangehörige im Alter in ihre Heimatländer zurückkehrten, zeige sich auch in der Altersstrategie.

Vereinfachung der Verordnung

Baumbestattungen, die bereits mit der Revision im 2013 hätten eingeführt werden sollen, sind in der neuen Verordnung enthalten. Die Asche wird dabei in das Wurzelwerk des Baumes eingebracht. Die Bäume werden nicht als Ruhestätte beschriftet, für das Aufstellen von Kränzen könne jedoch Platz vorgesehen werden, so Dalcher. Mit der neuen Verordnung sollen möglichst wenige Vorschriften erlassen werden, wie er weiter sagte. So entfalle im Gegensatz zu heute die Nennung verschiedener Rituale, die nicht mehr gebräuchlich seien. Auch seien neue Materialien und Methoden für die Gestaltung der Grabstätten berücksichtigt und einzelne Regelungen liberaler ausgestaltet worden.

Bevor der Gemeinderat die neue Verordnung schliesslich mit 23 zu 9 Stimmen absegnete, wurden während zweier Stunden diverse Änderungsanträge aus verschiedenen Fraktionen diskutiert. Diese beinhalteten etwa geschlechterneutrale Formulierungen, die detailliere Auflistung der städtischen Leistungen, die Beschriftung des Baumgrabes sowie die Ruhezeiten von Gräbern.