Birmensdorf, Urdorf und nun auch Dietikon. Bald steht im Limmattal der dritte Standort des Foodwaste-Projekts der Birmensdorferin Hélène Vuille. Ab dem 18. August können Bedürftige jeweils am Dienstagabend im Gemeindehaus der reformierten Kirche gratis Tagesfrischprodukte abholen, die zwar noch problemlos geniessbar sind, aber in der Migros nach Ladenschluss im Müll landen würden.

Zu Abgabestellen in anderen Gemeinden und Institutionen in der Stadt Zürich, die von Vuille und ihren freiwilligen Helfern beliefert werden, besteht jedoch ein Unterschied: In Dietikon sollen unter dem Titel «Teller statt Kübel» neben anderen Menschen in armen Verhältnissen auch Asylsuchende in den Genuss der kostenlosen Canapés, Patisserie-Produkte und Sandwiches kommen. Sie sollen dafür im Gegenzug bei der Abgabe dieser Esswaren mithelfen. «Wir erhoffen uns davon einen integrativen und einen erzieherischen Effekt», sagt der Dietiker Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP). Die Flüchtlinge müssten so nämlich schon während des Asylverfahrens für ihre Nahrung einen Gegenwert leisten. Die ORS AG, die in Dietikon für die Betreuung der Asylsuchenden zuständig ist, hat der Stadt diesbezüglich ihre Unterstützung zugesichert.

Sozialabteilung hatte zu viel zu tun

Sie sei «sehr froh» darüber, dass die Dietiker Abgabestelle nun endlich Tatsache wird, sagt Hélène Vuille, die Initiantin und Limmattalerin des Jahres 2013. Vor bald einem Jahr habe sie erstmals mit der Dietiker Sozialabteilung telefoniert, um das Foodwaste-Projekt zu lancieren: «Man sagte mir, dass der Stadtrat meine Pläne unterstütze. Aber dann hörte ich lange nichts mehr», so Vuille. Bachmann verteidigt seine Abteilung: Es hätten intern viele Baustellen bestanden. «Deshalb hatte die Abgabestelle bei den Mitarbeitenden wohl nicht oberste Priorität. Ich stupfte sie mehrmals an, bis sich etwas tat», sagt der Sozialvorstand.

Man sagte mir, dass der Stadtrat meine Pläne unterstütze. Aber dann hörte ich lange nichts mehr. Hélène Vuille, Foodwaste-Aktivistin und Limmattalerin des Jahres 2013.

Man sagte mir, dass der Stadtrat meine Pläne unterstütze. Aber dann hörte ich lange nichts mehr. Hélène Vuille, Foodwaste-Aktivistin und Limmattalerin des Jahres 2013.

Das Thema gab auch an der parlamentarischen Fragestunde von Anfang Mai zu reden. Die grüne Gemeinderätin Catalina Wolf-Miranda wollte von Bachmann wissen, wo das Projekt stehe. Er erklärte ihr, dass auf den 22. Mai ein Treffen mit Vuille, den Verantwortlichen der städtischen Sozialberatung, der Intake-Stelle sowie Vertretern der reformierten und katholischen Kirchgemeinden festgesetzt worden sei. «Es war wichtig, dass Leute mit Entscheidungskompetenzen an einen Tisch sassen. Bis ein Termin zustande kam, dauerte es daher seine Zeit», sagt Bachmann.

An der Sitzung nahm auch Jean-Marc Sujata teil, der Präsident der Dietiker Ortssektion der GLP. Bezirksparteipräsidentin Sonja Gehrig hatte bereits 2014 einen Abgabe-Standort in Urdorf aufgebaut (die Limmattaler Zeitung berichtete). «Als ich sah, dass das Projekt in Urdorf steht, war für mich klar, dass auch ich mithelfen will», sagt Sujata. Er übernimmt für Vuille nun die Koordination der freiwilligen Helfer und der Abgabestelle in Dietikon.

Was sich an der Sitzung vom Mai als Knackpunkt herausstellte, war die Suche nach einem geeigneten Raum. Er habe von Anfang an auf ein Kirchgemeindezentrum gehofft, sagt Sujata: «Herr Bachmann bot uns zwar auch Alternativen in städtischen Liegenschaften an. Doch diese waren kleiner als die Gemeindehäuser.» Ausserdem sei bei der nun gefundenen Lösung die Lage und die Anlieferungsmöglichkeit ein grosser Vorteil.

Die katholische Kirche signalisierte früh, dass sie keinen Platz für die Abgabestelle zur Verfügung stellen könne, sprach aber einen Unterstützungsbeitrag von 1000 Franken. Auch die reformierte Kirchenpflege reagierte erst zögerlich, wie Vuille sagt: «Sie stellte sich die Rolle der Kirche viel komplizierter vor, als sie es tatsächlich ist. Als wir an einem weiteren Gespräch aber aufzeigen konnten, wie unbürokratisch unser Lieferbetrieb funktioniert, sagte sie doch zu.»

Die Produkte beziehen Sujata und seine Helfer von der Dietiker Bäckerei Kleiner und der Migros im Shoppi Tivoli Spreitenbach – seit September 2014 darf Vuille Tagesfrischprodukte nicht mehr nur in Migros-Filialen im Kanton Zürich, sondern auch im Aargau, dem Kanton Bern und in Solothurn nach Ladenschluss gratis abholen. Damit das Projekt langfristig funktioniert, muss Sujata nun möglichst rasch Fahrer für die Lieferungen finden. Bisher liessen sich erst zwei Personen verpflichten, am Dienstag Fahrten zu übernehmen, wie er sagt: «Doch das reicht nicht.» Damit der Betrieb auch bei Ausfällen einzelner Fahrerinnen und Fahrer gewährleistet werden kann, brauche es mehr Freiwillige.

Interessierte, die sich gerne im Dietiker Foodwaste-Projekt engagieren möchten, wenden sich an Jean-Marc Sujata: sujata.jeanmarc@gmail.com, 079 321 84 54.