Zusammen mit rund 60 Männern und Frauen zwischen 40 und 88 wird die Sekretärin des Pfarramts Dietikon an der ökumenischen Fastenwoche vor Ostern teilnehmen, um bei Morgenmeditation und langen Spaziergängen wieder einmal zu sich selber zu finden.

Die Spiritualität hatte im Leben von Annarita Müller immer einen hohen Stellenwert.

«Man kann beten, wenn man in der Küche steht und kocht oder ein Brot bäckt», sagt sie und fügt an: «Schliesslich ist alles, was man mit dem Herzen tut, eine heilige Handlung.»

Zum Fasten als spiritueller Handlung kam sie vor langen Jahren, als sie, am Rande einer Erschöpfung durch Arbeit und Kinder, in einem Kloster eine Woche lang Erholung suchte.

«Da habe ich gemerkt, wie gut eine solche Auszeit tut. Es ist wie ein Neustart des Alltags und seiner selbst.»

Wichtig ist Unterstützung

Während der kommenden Fastenwoche wird die Dietikerin das Basenfasten befolgen, also nur Gemüse- und Fruchtsäfte zu sich nehmen.

Früher habe sie auch schon eine Woche lang nur Tee getrunken, ein sogenanntes Nullfasten eingehalten. «Wenn man voll arbeitet, ist das aber zu streng», sagt sie.

Sie erzählt davon, wie es einem ergehen kann beim Fasten. Kopfschmerzen seien zu Beginn häufig, vor allem, wenn man zu spät mit Kaffeetrinken aufgehört habe.

«Das ist dann wie ein Drogenentzug», sagt sie und lacht. Auch könne man schon mal in ein psychisches Loch fallen. Da sei es wichtig, sich in der Fastengruppe getragen zu fühlen. Man bekomme Tipps, wie man da wieder rausfinde.

Ein Mann habe einmal begonnen, mit den Farbstiften seines Sohns zu zeichnen. Das half ihm, das Fasten durchzuhalten.

Wenn Annarita Müller der Hunger überkommt, presst sie sich einen frischen Organgensaft oder geht mit ihrem Hund spazieren.

«Man muss sich für solche Situationen im Voraus eine Strategie zurechtlegen.» Aber eigentlich sei das nur zu Beginn des Fastens ein Problem.

Sie erlebt es als befreiend, sich eine Woche lang nicht ums Essen kümmern zu müssen. Ihre Familie, erklärt sie, wird nicht verhungern.

Ihr Mann und ihr Sohn haben Koch gelernt. Trotzdem: Auch Annarita Müller hat ihr Fasten schon mal abgebrochen: «Als die Kinder noch klein waren und beide eine Magen-Darm-Erkrankung hatten, wars dann fertig mit dem Rückzug in die Stille – da hatte anderes Priorität», erinnert sie sich lachend.

Beliebt ist während der Fastenwoche das Fastenwandern, bei dem täglich kürzere und längere Wanderungen unternommen werden, denn Wandern, so steht es im Programm, ist ein Ausgleich für Leib und Seele und entspanne den ganzen Körper.

Auch die Yogagruppe ist sehr beliebt. Annarita Müller, die im Organisationsteam der Fastenwoche ist, wird selber an den Morgenmeditationen teilnehmen. Dass sie dafür sehr früh aus den Federn muss, stört sie nicht.

«Gemeinsam Texte lesen, meditieren, singen, einen Fastentee zusammen trinken, das tut gut. Danach gehe ich mental gestärkt an die Arbeit. Wenn der Körper nicht mit Nahrung überlastet ist, findet man den Zugang zu den wesentlichen Fragen des Lebens.»

Annarita Müller ist die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln ein grosses Anliegen. Das Fasten sensibilisiert sie zusätzlich für qualitativ hochwertige Produkte.

«Die Sinne werden geschärft und ich habe festgestellt, wie anders und besser Nahrungsmittel schmecken, die gut produziert wurden.» Selten werde so viel über die Bedeutung der Nahrung für Körper und Geist nachgedacht wie beim Fasten.

Gefastet werde in allen Religionen, erzählt sie. Es sei auch bei den Griechen, den Römern und den Kelten üblich gewesen.

«Es ist eine uralte Tradition zur Reinigung von Körper und Geist.» Auch in Dietikon hat die ökumenische Fastenwoche eine lange Tradition. Mitmachen darf jeder: «Wir fragen niemanden, woher er kommt, wir pflegen, was uns verbindet, nicht was uns trennt.»

Erst Apfel, dann Gemüsesuppe

Beendet wird die Woche mit dem Fastenbrechen. Zuerst mit einem Apfel und dann mit einer wunderbaren Gemüsesuppe, erzählt Annarita Müller. Eigentlich sei das Fastenbrechen schwieriger als das Fasten selber.

«Bald ist ja Ostern mit all den Festen und Anlässen, und schon ist man fast wieder im alten Trott.» Etwas bleibe aber immer hängen, sei es ein Text aus einer Meditation, ein Erlebnis, eine Begegnung.

«Ganz in die gleichen alten Muster fällt man nicht zurück.» Und wenn sie wieder einmal einen Rückzug braucht, dann signalisiert sie ihrem Umfeld auch mal nur für zwei oder drei Tage: «Ich bin gerade nicht verfügbar.»

«Worauf sollten Sie eine Zeit lang verzichten?»

«Auf Arbeit sollte ich gut eine Weile verzichten, mehr als mittels der üblichen Ferienzeit. Danach hätte ich hoffentlich wieder die nötige Energie und Motivation, um ans Werk zu gehen.»

Marcel Pflug, 36, Zürich

«Auf Arbeit sollte ich gut eine Weile verzichten, mehr als mittels der üblichen Ferienzeit. Danach hätte ich hoffentlich wieder die nötige Energie und Motivation, um ans Werk zu gehen.»

«Klare Sache: Ich würde auf mein Smartphone verzichten. Jederzeit für jeden erreichbar zu sein, vor allem aber fürs Berufliche, ist extrem belastend. Es gelingt einem gar nicht mehr, abzuschalten. In der Nacht schalte ich das Smartphone schon jetzt ganz aus.»

Claude Thoutberger, 39, Spreitenbach

«Klare Sache: Ich würde auf mein Smartphone verzichten. Jederzeit für jeden erreichbar zu sein, vor allem aber fürs Berufliche, ist extrem belastend. Es gelingt einem gar nicht mehr, abzuschalten. In der Nacht schalte ich das Smartphone schon jetzt ganz aus.»

«Ich sollte mal für eine Woche oder länger auf Schokolade verzichten. Bei anderen Sachen laufe ich eigentlich nicht Gefahr, mich ins Übermässige zu steigern. Aber in Sachen Süssigkeiten würde mir eine Fastenzeit guttun.»

Hansruedi Haller, 56, Dietikon

«Ich sollte mal für eine Woche oder länger auf Schokolade verzichten. Bei anderen Sachen laufe ich eigentlich nicht Gefahr, mich ins Übermässige zu steigern. Aber in Sachen Süssigkeiten würde mir eine Fastenzeit guttun.»

«Heute muss man immer und überall erreichbar sein mit dem ganzen Social-Media-Zirkus und Smartphones. Eine Auszeit für diesen Stress würde ich mich gerne gönnen, auch wenn ich anfangs gewisse Entzugserscheinungen zeigen würde.»

Gerald Clerc, 60, Gränichen

«Heute muss man immer und überall erreichbar sein mit dem ganzen Social-Media-Zirkus und Smartphones. Eine Auszeit für diesen Stress würde ich mich gerne gönnen, auch wenn ich anfangs gewisse Entzugserscheinungen zeigen würde.»