Anna Känzig gilt als leuchtender Stern der Schweizer Musik-Szene. Mit Songs wie «Drive all Night» oder «Lion’s Heart» bewies sie, dass eingängiger und dennoch anspruchsvoller Pop auch hierzulande produziert wird. Ihre musikalischen Wurzeln sind aber auch vom Jazz geprägt. Nun widmet sich die Sängerin erneut dieser Musikrichtung und wird im Jazzclub Allmend auftreten. Das Konzert ist zugleich eine Premiere: Das erste Mal wird die 32-Jährige zusammen mit ihrem Onkel, dem Jazz-Bassisten Heiri Känzig, auftreten.

Obwohl beide sich in derselben Branche behaupten, hatten sie bis anhin musikalisch nie miteinander zu tun. Trotzdem spielte Heiri Känzig für die Karriere von Anna Känzig eine wichtige Schlüsselrolle. «Durch meinen Onkel wusste ich früh, dass Musik auch ein Beruf sein kann.» Der gebürtige New Yorker startete bereits mit 21 Jahren seine Karriere und ist bis heute ein international gefragter Künstler; die Liste mit Namen von bekannten Musikern, mit denen er zusammenarbeitete, ist lang. Seit 2002 unterrichtet Heiri Känzig zudem als Professor an der Hochschule für Musik in Luzern.

Der Jazzclub Allmend Oberengstringen wartet mit einem Doppelkonzert unter dem Titel «Familienbande» auf: Im ersten Teil sind Milena und Thomas Dürst zu erleben. Der Vater gilt als gefragter Jazz-Pianist, der an diesen Abend seine Tochter begleitet, die sich mit Berner-Chansons einen Namen gemacht hat. Anna und Heiri Känzig bestreiten den zweiten Teil. Das Duo präsentiert Songs aus allen drei Alben der Sängerin in einer neuen, akustischen Jazz-Version. Freitag, 19. Mai, 20 Uhr, Jazzclub Allmend Oberengstringen

Familienbande

Der Jazzclub Allmend Oberengstringen wartet mit einem Doppelkonzert unter dem Titel «Familienbande» auf: Im ersten Teil sind Milena und Thomas Dürst zu erleben. Der Vater gilt als gefragter Jazz-Pianist, der an diesen Abend seine Tochter begleitet, die sich mit Berner-Chansons einen Namen gemacht hat. Anna und Heiri Känzig bestreiten den zweiten Teil. Das Duo präsentiert Songs aus allen drei Alben der Sängerin in einer neuen, akustischen Jazz-Version. Freitag, 19. Mai, 20 Uhr, Jazzclub Allmend Oberengstringen

Die Idee zum gemeinsamen Konzert kam von ihm – Anna Känzig sagte ohne zu zögern zu. Derzeit sind beide für diesen Abend, der unter dem Motto Familienbande steht, am Proben. «Wir finden gerade heraus, dass wir etwa gleich chaotisch ans Werk gehen», sagt sie lächelnd. Das liege wohl in der Natur eines Künstlers.

Die Eurotrash-Rebellion

Die Eltern von Anna Känzig hatten beruflich nichts mit dem Musikgeschäft am Hut, trotzdem spielte die Tonkunst eine grosse Rolle. «Für meinen Vater bedeutete das Musizieren immer einen Ausgleich zu seiner Arbeit als Fotograf.» Er richtete sich eigens ein Musikzimmer mit vielen Instrumenten ein. Das führte dazu, dass Känzig bereits mit fünf Jahren Gitarre spielen konnte. «Meine Eltern legten Wert darauf, dass ihre Kinder den Zugang zur Musik finden.» Grosse Singer-Songwriter wie Joni Mitchell oder John Hiatt übten besonderen Einfluss auf Anna Känzig aus.

Nichtsdestotrotz folgte in ihren Teenagerjahren eine kleine Rebellion: «Es waren die 1990er Jahre und der Eurotrash von Ace of Base bis Whigfield hat es mir schwer angetan.» Ebenso war sie den damals aufkommenden Boygroups verfallen: «Ich war aber nie ein kreischender Fan», betont sie. Das musikalische Erbe der Familie gewann nach dieser Phase wieder Oberhand und Känzig machte den Bachelor in der Abteilung Jazz der Zürcher Hochschule der Künste, bei der sie anschliessend ebenfalls den Master absolvierte. Und sie begann, ihre eigenen Songs zu schreiben.

Man kann es quasi als Verneigung verstehen, dass sich Heiri Känzig für das gemeinsame Konzert nun den Liedern seiner Nichte annimmt. Ihr Debüt mit dem Titel «Four Acres and No Horse» erschien 2011, widmete sich dem Jazz und ging aus einem Projekt während ihrer Ausbildung hervor. Der Nachfolger «Slideshow Seasons» orientierte sich am traditionellen Folk-Pop, während ihr endgültiger Durchbruch, das Album «Sound and Fury», mit lupenreinem Pop überzeugte. «Ich lote gerne meine Grenzen aus und will vieles ausprobieren», sagt Anna Känzig über ihre Stilwechsel.

Mittlerweile bestimmt die Musik ihr Leben. Als Gesangslehrerin an der Musikschule Konservatorium Zürich motiviert sie ihre Schüler auch mit Tipps aus dem Leben einer Berufsmusikerin. Als solche sei ihr bewusst, dass sie auf einer Erfolgswelle reite. Deswegen ist bereits Album Nummer vier in Planung, auch wenn sich ihre Vorgehensweise über die Jahre stark verändert hat. «Beim ersten Album ging ich sehr befreit an die Aufnahmen und diese Unbefangenheit fehlt heute etwas.»

Im Einsatz als ESC-Jurorin

Als prominente Künstlerin erhält sie auch spannende Jobs: So wird sie heute Samstag als Teil der Schweizer Jury neben Michael von der Heide und Daniela Simmons die Finalisten des Eurovision Song Contest bewerten. Das sei kein Widerspruch zu ihrer Arbeit: «Bei uns zu Hause war Fernsehen verpönt, aber für den Eurovision Song Contest machten wir immer eine Ausnahme.» Würde sie selber für die Schweiz antreten? «Noch vor einem halben Jahr hätte ich Nein gesagt, mittlerweile ist eine Teilnahme ein gar nicht mehr so abwegiger Gedanke.»

Vorerst aber steht ihr Konzert in Oberengstringen im Fokus. Zum Limmattal hat sie eine familiäre Bindung: «Meine Grosseltern lebten in Weiningen und ich habe sie oft besucht.» Es ist also fast ein Heimspiel, das nächsten Samstag im Jazzclub über die Bühne geht – und ohne Zweifel ein Highlight in der Familie Känzig, an welchem das Publikum teilhaben kann.