Schlieren
Anliegen «Grabfeld» der Schlieremer Muslime findet Gehör

Schlieremer Muslime wollen ein eigenes Grabfeld auf dem Firedhof erhalten. Was bis heute bloss eine Forderung war, entwickelt sich durch die Friedhofsverordnung zu einem handfesten, politischen Thema.

Florian Niedermann
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Im Gegensatz zu Dietikon hat es auf dem Friedhof Eichbühl in Schlieren ausreichend Platz für ein muslimisches Grabfeld. (fni)

Im Gegensatz zu Dietikon hat es auf dem Friedhof Eichbühl in Schlieren ausreichend Platz für ein muslimisches Grabfeld. (fni)

Die Chancen der Schlieremer Muslime, ein eigenes Grabfeld auf dem Friedhof zu erhalten, verbessern sich zunehmend. Markus Bärtschiger (SP), Stadtrat und Ressortvorstand Sicherheit und Gesundheit, erklärte auf Anfrage, dass im Frühling 2012 eine neue Friedhofsverordnung durch den Stadtrat verabschiedet werde.

Gemeindeparlament gefordert

«In der Folge wird sich dann das Gemeindeparlament mit dem Thema befassen müssen. Wir werden im Zusammenhang mit der neuen Verordnung auch die Frage diskutieren, ob und wie besondere Grabstellen für Muslime erstellt werden können», sagt Bärtschiger.

Nachdem sich Stadtpräsident Toni Brühlmann (SP) bereits vor einem Jahr dahingehend äusserte, dass er es als seine persönliche Pflicht ansehe, eine Lösung für das Begehren der muslimischen Einwohner zu finden (die az Limmattaler Zeitung berichtete), ist die Stadt in dieser Sache nun also einen grossen Schritt weiter.

Für Auswärtige keinen Platz

Dass die Frage des Muslimengrabfelds nicht schon früher behandelt werden konnte, liegt daran, dass die Abteilung Sicherheit und Gesundheit mit Ressourcenproblemen zu kämpfen hatte, wie Bärtschiger erklärt. Die Arbeitskräfte habe man deshalb anderweitig prioritär einsetzen müssen.

Die Anzahl der Gräber, die im Fall einer Zustimmung durch das Stadtparlament errichtet würden, kann Bärtschiger noch nicht angeben. Sicher scheint aber bereits jetzt, dass der Friedhof Eichbühl nur Schlieremer Muslimen offen stehen würde: «Da der verfügbare Platz für spezielle Grabstellen sicherlich beschränkt sein wird, können Muslime, die in anderen Gemeinden wohnhaft sind, nicht vom Schlieremer Angebot profitieren», erklärt Bärtschiger.

Zusätzliche Integrationsmotivation

Naci Eren, Vorstandsmitglied der Islamischen Gemeinschaft Dietikon und wohnhaft in Schlieren, wertet die Entwicklungen in Schlieren positiv, auch wenn er über den Ausgang der Verhandlungen im Stadtparlament keine Prognosen stellen will: «Was im Frühling beschlossen wird, ist schwierig abzuschätzen. Aber jeder Schritt in Richtung einer Lösung ist gut.»

Für Eren hätte die Einrichtung eines Grabfeldes denn nicht nur einen religiösen, sondern auch einen integrativen Wert: «Es ist schön, wenn man in seinem Zuhause auch im Tode willkommen ist. Ich denke, dass die Aussicht auf ein würdiges Begräbnis auch die Motivation von Muslimen zusätzlich steigert, sich für die hiesige Gesellschaft einzusetzen.» Seinen Vater habe er noch in die Türkei zurückführen müssen, er selbst könne zumindest in Zürich beerdigt werden, erklärt Eren. Es sei aber klar, dass er es vorziehen würde, in seiner Heimat Schlieren begraben zu werden.

Dass in Dietikon muslimische Grabstellen bis auf weiteres kein Thema sind (siehe Box), bedauert Eren. Man bemühe sich aber auch darum, dass das Anliegen wieder auf den Tisch komme. «Wenn wir die Lösung des Problems nicht mehr erleben, dann sollen das wenigstens unsere Kinder tun können», erklärt Eren.

Was lange währt ...

Wenn das Stadtparlament sich im Frühling über die Grabstellen für die Muslime berät, wird damit ein mehrjähriges Ringen um eine Lösung erstmals auf die politische Bühne gebracht.

Bereits 2008 hatte eine Gruppe von Schlieremer Muslimen eine Anfrage an die Stadt gerichtet, in der sie um eigene Grabstellen ersuchten. Auch die Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) führte Gespräche mit den Behörden, um eine Lösung herbeizuführen – jedoch ohne Erfolg. In Witikon und Winterthur konnten muslimische Grabfelder indes bereits realisiert werden.