Bezirksgericht
Anleger um drei Millionen Franken geprellt

Der Prozess gegen einen Kaufmann aus Oberengstringen ist eröffnet worden.

Attila Szenogrady
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Anleger wurden um drei Millionen Franken gebracht.

Anleger wurden um drei Millionen Franken gebracht.

Keystone

Laut Anklage haben ein Kaufmann aus Oberengstringen und ein Ex-CS-Banker diverse Anleger um rund drei Millionen Franken gebracht. Seit Mittwoch muss sich das Duo vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Es schob die Verantwortung für das finanzielle Debakel auf ein früher honoriges Zürcher Anwaltsbüro.

Es war im März 2010, als die Zürcher Finanzfirma «You-Invest AG» (YI) in den Konkurs fiel. Einer der beiden Inhaber hatte bereits wenige Monate zuvor Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. «Ich hatte es nicht mehr ausgehalten», erklärte der heute 68-jährige Angeschuldigte am letzten Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich. Zurück blieb ein finanzieller Scherbenhaufen. Für den auch der zweite Inhaber verantwortlich sein soll. Es handelte sich um einen heute 62-jährigen Kaufmann aus Oberengstringen. Der einschlägig vorbestrafte Limmattaler war bei der YI für die Anwerbung und Betreuung von Kunden verantwortlich. Ihnen stellte man Renditen von bis zu über zehn Prozent pro Jahr in Aussicht.

Drei Millionen Franken weg

Fest steht, dass mit dem Zusammenbruch der YI diverse gutgläubige Anleger um über drei Millionen Franken geprellt wurden. Seit Mittwoch müssen sich die beiden früheren Inhaber der inzwischen gelöschten Finanzfirma wegen mehrfacher Veruntreuung, Urkundenfälschungen sowie Misswirtschaft vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der ältere Beschuldigte legte ein umfassendes Geständnis ab. Vor der Firmengründung hatte der Stadtzürcher 26 Jahre lang bei der Credit Suisse gearbeitet. Da er dort vor allem für repräsentative Aufgaben zuständig war, verstand er fatalerweise nur wenig bis nichts von Vermögensverwaltung. Was er auch vor Gericht bestätigte.

Verantwortung abgeschoben

Anders als der geständige EX-CS-Banker wies der Kaufmann aus Oberengstringen die Vorwürfe von sich. Er verkaufte sich vor Gericht als erfolgreicher Geschäftsmann. So erwarte er in den nächster Zeit eine Auszahlung von sechs Millionen Franken, behauptete er. So habe er für eine deutsche Firma für Kehricht-Verbrennungsanlagen einen wichtigen Auftrag in Algerien vermittelt, führte er aus. Den finanziellen Zusammenbruch der YI schob er auf andere Personen ab. Er meinte damit ein früher honoriges Zürcher Anwaltsbüro und verwies auf Sigi Feigel und Jacques Schlegel. Die beiden inzwischen verstorbenen Rechtsanwälte sollen mit den beiden Beschuldigten geschäftliche Kontakte gepflegt haben. Vor allem Schlegel, der auch laut Anklage von den beiden Beschuldigten Gelder in Millionenhöhe übernommen und in die Firma namens MSO International Group eingelegt habe. «Wir haben Schlegel absolut vertraut», erklärte der Limmattaler Beschuldigte vor Gericht. Besonders da Sigi Feigel als langjähriger Präsident der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich als integre Persönlichkeit gegolten habe.

Der ehemalige Banker führte aus, dass er von Schlegel über Jahre hinweg vertröstet worden sei. Gelder habe er aber nicht mehr gesehen. Mit der Folge, dass die Beschuldigten im Hinblick auf die Anleger begannen, die Bilanzen der YI mittels fiktiven Ergebnissen zu beschönigen.

Die Staatsanwaltschaft verlangte für beide Beschuldigten Freiheitsstrafen. 24 Monate auf Bewährung für den Ex-Banker, 27 Monate unbedingt für den Limmattaler, der bereits am Obergericht wegen eines anderen Wirtschaftsfalles 16 Monate bedingt kassiert hatte.

Die Verteidiger setzten sich für wesentlich mildere Strafen ein. So für 360 Tagessätze Geldstrafe oder im schlimmsten Fall für 18 Monate bedingt.

Das Gericht zog sich nach den Parteivorträgen zur geheimen Urteilsberatung zurück. Es wird den Entscheid Ende Oktober eröffnen.