Es wäre eine spannende Gemeindeversammlung geworden am 25. September. Die Oetwiler hätten über die Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) und die damit verbundene umstrittene Einzonung des Gebiets Bonächer abgestimmt. Doch nun hat sie der Gemeinderat in letzter Sekunde abgesagt. «Wir spüren, dass die geplante Einzonung bei Teilen der Bevölkerung auf deutlichen Widerstand stösst. Es herrschen viele Ängste, Unsicherheiten und Spekulationen», sagt Gemeindepräsidentin Rahel von Planta (FDP). Und auch politisch gibt es Opposition.

Die SVP Oetwil fasste die Nein-Parole zur Einzonung und ein überparteiliches Nein-Komitee entstand. Als dann auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) das Geschäft Einzonung ablehnte, obwohl sie zwar die BZO-Revision befürwortet, habe der Gemeinderat gemerkt, dass er die Reissleine ziehen müsse, sagt von Planta.

Die Gemeindepräsidentin ist überzeugt: «Wenn das Geschäft am 25. September zur Abstimmung kommen würde, würde es bachab geschickt.» Mit dem Verzicht der Durchführung der ausserordentlichen Gemeindeversammlung will der Gemeinderat das verhindern. Ihm liegt viel an der Einzonung des 3,5 Hektaren grossen Landes. Schliesslich stellt das Gebiet, das sich am westlichen Rand der Gemeinde befindet und von der Limmat, der Mutschellen- und der Limmatstrasse begrenzt wird, ein strategisch wichtiger Punkt für die Siedlungsentwicklung der Gemeinde dar. Oetwil mangelt es an Baulandreserven.

Gemäss kantonalem Richtplan gehöre es zum Auftrag der Gemeinde Oetwil, einen Beitrag zum Bevölkerungswachstum zu leisten. Ohne Einzonung des Bonächers sei dies nicht möglich, sagt von Planta. «Wenn die Vorlage abgelehnt wird, ist das Thema für die nächsten 10 bis 15 Jahre vom Tisch.»

Ein Strategiewechsel

Der Rückzug der Vorlage ist aber auch als Strategiewechsel des Gemeinderats zu verstehen. Bislang habe man keine konkreten Informationen herausgegeben. Einzig die Grundeigentümer des Bonächers hätten mit Plakaten gezeigt, was auf dem Areal entstehen könnte. «Die Oetwiler sind noch nicht bereit, eine Entscheidung zu treffen», ist sich von Planta sicher. Es fehlten genaue Fakten und erste Projektpläne, damit sich die Leute etwas darunter vorstellen könnten. Der Gemeinderat will mit den Grundeigentümern zusammensitzen und die nächsten Schritte besprechen.

«Ob es einen Architekturwettbewerb, eine Studie oder eine Testplanung geben wird, können wir noch nicht sagen», so von Planta. Klar sei aber, dass die Gemeinde verbindliche Grundlagen schaffen wolle. «Wir wollen der Bevölkerung zeigen, wie die Überbauung und die Umgebung aussehen könnten, wie viele Wohnungen und neue Einwohner es geben könnte und ob allfällige infrastrukturelle Massnahmen nötig würden.»

Für diese Abklärungen müssen vonseiten Gemeinde und Grundeigentümern planerische und finanzielle Vorleistungen erbracht werden. Dies beansprucht Zeit. Die Gemeindepräsidentin nimmt an, dass die Vorlage möglicherweise erst in zwei bis drei Jahren vors Stimmvolk kommen wird. Dass der Verzicht auf die Gemeindeversammlung im Dorf nicht von allen goutiert wird, dem ist sich von Planta bewusst. «Es wird wohl böses Blut geben und man wird das als Schlappe des Gemeinderats ansehen.» Sie könne die Enttäuschung der Befürworter und Gegner aber nachvollziehen. «Sie haben viel Aufwand betrieben und ich verstehe, wenn der Entscheid bei ihnen nicht gut ankommt.»

Enttäuscht über die Absage ist Helena Portenier, eine der vier Grundeigentümer im Bonächer, nicht. Alle gemeinsam initiierten die Plakat-Aktion im Maisfeld, die vor ein paar Wochen bei den Gegnern der Einzonung für Wirbel sorgte (die Limmattaler Zeitung berichtete). «Angesichts der Stimmungslage hat der Gemeinderat einen weisen Beschluss gefasst. Eine Ablehnung der Einzonung hätte eine Entwicklung im Bonächer für viele Jahre verunmöglicht.»

In diesen zwei bis drei Jahren hätten sie, die Grundeigentümer, und die Gemeinde viel aufzuarbeiten, um den Einwohnern zu erklären, welch grossartige Chance der Bonächer der Gemeinde biete.

Schwaches Zeichen

Ganz anders klingt es bei den Gegnern. Philipp Frei (SVP), der im Mai das überparteiliche Komitee gegen die Einzonung des Bonächers gründete, spricht von «einem schwachen Gemeinderat». Die Ablehnung des Geschäfts an der Gemeindeversammlung sei zu erwarten gewesen. «Der Verzicht zeigt einmal mehr, dass der Gemeinderat keine Niederlage erdulden kann und den demokratischen Weg bewusst umgeht», sagt Frei.

Sehr schade sei es um die eigentliche Revision der BZO, die unbestritten ist. «Doch wenn der Gemeinderat die Geschäfte Einzonung und BZO-Revision trotz mehrfacher Anregung der RPK nicht trennt und auf Biegen und Brechen daran festhält, passiert eben das.» Er werde sich auch noch in 2, 10 oder 20 Jahren gegen die Einzonung wehren. «Ich hoffe, dass sich die Bevölkerung dann noch daran erinnern kann, zu welchen undemokratischen Mitteln der Gemeinderat gegriffen hat.»