Dispodrom

Angestellte wollen um ihre Arbeitsplätze bei Dispodrom kämpfen

Die Schweizerische Post hat die Dispodrom in Schlieren 2009 gekauft. Jetzt soll sie geschlossen werden.

Die Schweizerische Post hat die Dispodrom in Schlieren 2009 gekauft. Jetzt soll sie geschlossen werden.

Die Gewerkschaft Syndicom wehrt sich mit den Mitarbeitern gegen die Schliessung der Post-Tochter Dispodrom. Heute finden die Gespräche zwischen der Gewerkschaft und der Post statt.

Die Belegschaft des Logistikunternehmens Dispodrom in Schlieren glaubt weiterhin an die Zukunft ihrer Firma. Sie will deshalb für ihre Arbeitsplätze kämpfen und hat die Gewerkschaft Syndicom mandatiert, das Konsultationsverfahren für sie durchzuführen. Das gaben Vertreter der Belegschaft und der Syndicom gestern bekannt.

Anfang März hatte die Post bekannt gegeben, dass ihre Tochtergesellschaft Dispodrom geschlossen und alle 30 Mitarbeitenden entlassen werden. Bereits Ende 2013 oder Anfang 2014 soll der Betrieb stillgelegt werden. Für den Entscheid wurden wirtschaftliche Gründe angegeben.

Gespräch mit Post findet statt

Gegen den Schliessungsentscheid wehren sich nun die Angestellten. «Wir haben zwei Betriebsversammlungen mit den betroffenen Mitarbeitern durchgeführt und wurden damit beauftragt, in ihrem Namen das Konsultationsverfahren durchzuführen», sagt Willy Gabriel, Regionalleiter bei der Syndicom. Ziel sei es, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Erst wenn sich nach Ablauf dieses Verfahrens grundsätzlich nichts an der Situation ändert und keine Lösung vorhanden ist, ist die Schliessung des Betriebs definitiv. «Wir wollen deshalb von der Post wissen, ob sie alle Möglichkeiten zum Erhalt der Firma Dispodrom und den Arbeitsplätzen ausgeschöpft hat. Insbesondere interessiert uns, ob ein Sanierungskonzept erarbeitet wurde und warum es nicht zum Erfolg geführt hat», so Gabriel.

Zudem wolle man wissen, ob die Möglichkeit eines Management-Buy-outs geprüft worden sei. An einem auf heute terminierten Gespräch mit der Post erwarte man Antworten auf diese Fragen.

«Sollte plausibel geltend gemacht werden können, dass die Schliessung unumgänglich ist, fordern wir einen echten Sozialplan für die Belegschaft», hält Gabriel fest. Die Betroffenen liessen sich nicht mit einem Butterbrot abspeisen. So komme beispielsweise ein Monatslohn als Abgangsentschädigung nicht infrage. «Wir reden zum Beispiel von einer Frist von bis zu 20 Monaten, um sich nach einer neuen Stelle umzusehen», sagt der Gewerkschafter. Die Mitarbeiter seien bereit, für ihr Recht einzustehen und nötigenfalls dafür zu kämpfen.

Bei den Angestellten der Dispodrom ist man enttäuscht über die Post. «Kurz nach der Übernahme der Dispodrom durch die Post wurde das Kader der Post Logistics ausgewechselt. Danach waren wir immer ein ungeliebtes Kind», sagt Marcel Spring, Betriebsleiter der Dispodrom. Er habe auch den Eindruck, dass die Post nie ein klares Konzept für das Unternehmen hatte. Zudem sei sie nicht bereit gewesen, die nötigen finanziellen Mittel für einen Turnaround zur Verfügung zu stellen.

Post dementiert Konzeptlosigkeit

Andere Angestellte haben einfach nur Angst um ihre Zukunft. «Ich bin eine alleinerziehende Mutter. Ich habe Angst, dass ich keine Stelle mehr finde», sagt Lageristin Claudia Havuctu. Ähnlich geht es ihrer Kollegin Sonja Ljocic. Auch sie sei als Mutter von zwei Kindern auf eine Stelle angewiesen. Beatrice Haug, die seit 19 Jahren für die Dispodrom arbeitet, hofft, dass sich «doch noch eine Tür öffnet».

Bei der Post lässt man die Vorwürfe der Konzeptlosigkeit nicht gelten. «Die Post hat die Dispodrom übernommen, mit dem Ziel, ihr logistisches Angebot und Know-how in der Leistungserstellung von Fulfillment-Dienstleistungen von Kleinwaren zu erweitern. Dabei sollte das Geschäftsmodell auf weitere Branchen ausgeweitet werden» heisst es auf Anfrage.

Dies sei jedoch trotz intensiver Akquisitionsbemühungen nicht gelungen. Die Forderung, die im Rahmen des Konsultationsverfahrens eingereicht worden sei, nehme man zur Kenntnis. «Am Treffen mit den Gewerkschaftsvertretern wird die Post den eingereichten Vorschlag diskutieren.»

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