Winter
Anfang Jahr muss Nachschub kommen

Die Werkhöfe der Gemeinden betreiben den Winderdienst sehr gezielt – gezwungenermassen. Denn der Salzmangel zwinge alle dazu zu rationieren.

Matthias Kessler
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Gesalzt wird im Limmattal nur noch an neuralgischen Stellen: auf ÖV-Routen, an Hanglagen. wal

Gesalzt wird im Limmattal nur noch an neuralgischen Stellen: auf ÖV-Routen, an Hanglagen. wal

Limmattaler Zeitung

Nein, nein, sagt der Dietiker Werkhofleiter Lorenz Fränzl und lacht, «vom Winter habe ich noch lange nicht die Nase voll». Natürlich, sie hätten in den letzten Tagen und Wochen viele Winterdiensteinsätze gehabt, seien oft draussen in der Kälte unterwegs gewesen, aber das gehöre zum Job. «Und mir gefällt es, wenn es auch in tieferen Lagen so richtig schneit, wenn Temperaturen einige Grad unter null herrschen und der Schnee liegen bleibt», so Fränzl.

Als mühsam, «als Sisyphusarbeit» gar, empfinde er das Schneeräumen nur dann, wenn es am Morgen in der Stosszeit schneie, man aber genau wisse, dass im Laufe des Nachmittags das Thermometer auf fünf, sechs Grad über null klettere, der Schnee schnell und eigentlich ganz von alleine verschwinde. «Aber eben, unser Job ist es, die Strassen dann zu räumen, wenn sie gebraucht werden.»

Noch 30Tonnen in Dietikon

Der in den letzten Tagen oft thematisierte Salzmangel spüre man natürlich auch in Dietikon, sagt Fränzl. Im 70-Tonnen-Silo seien momentan noch 30Tonnen vorrätig, pro reduzierten Einsatz würden zwei bis drei Tonnen gebraucht – «und mit der nächsten Lieferung müssen wir uns noch gedulden». Deshalb seien die Mitarbeitenden angewiesen, das Salz nur noch ganz gezielt einzusetzen: entlang der öffentlichen Verkehrsrouten einerseits, an steilen Passagen, vor allem solchen, wo man anfahren müsse, an einzelnen Stellen an der Gyrhalden- oder Rüternstrasse, andererseits.

Der Salzmangel, so Fränzl, zwinge alle Werkhöfe dazu, das Gleiche zu tun: zu rationieren, zu kontingentieren. Es gebe derzeit keine Gemeinde, die überall schwarz räume, alle müssten sich einschränken. Was logischerweise zu einem sehr gezielten und fokussierten Einsatz des Salzes führe.

«Man ist aufgrund des Salzmangels gezwungen, den bisherigen Salzeinsatz zu überdenken», sagt Pietro Paladino, Leiter der Abteilung Bau und Werke Geroldswil, seinerseits. Seit einigen Tagen werde in Geroldswil nur noch an neuralgischen Punkten, insbesondere an Hanglagen, gesalzt, «eine Filigranarbeit, die viel Wissen und Geschick erfordert», so Paladino. Für diese Arbeit müsse er den Mitarbeitenden «ein Kränzli winden», man spare an den richtigen Orten. Denn: Aus der Bevölkerung habe er bislang keine Reklamationen gehört, dass zu wenig gemacht werde. Für viele Tage reiche das Salz in Geroldswil allerdings nicht mehr. «Wir erwarten aber für den 5.Januar eine Lieferung», hält er fest.

Hoffen auf das Wetter

Ein grosses Thema sind die zu Ende gehenden Salzreserven auch in Uitikon, mit einer Höhe von 600Metern über Meer oft früher und stärker von Schnee betroffen als andere Gemeinden in der Region. Er habe bereits bei der ersten Bestellung Anfang Winter keine Auftragsbestätigung mehr von den Rheinsalinen in Rheinfelden, wo das Streusalz produziert wird, erhalten, sagt Martin Landis vom Uitiker Werkhof. «Wir haben noch Salz für fünf, sechs Tage. Danach müssen wir auf Split umstellen», fügt er an.

Da weder der Einsatz von Salz noch – viel weniger – von Split ökologisch Sinn machten, hoffe er darauf, dass ihnen das Wetter entgegenkomme, meint Landis. Dafür müssten sich die Temperaturen in den kommenden Tagen und Wochen entweder bei klar unter null oder bei einigen Grad über null einpendeln. Denn: Salz brauche man vor allem dann, wenn Schnee oder Schneematsch im Laufe eines Tages zu schmelzen beginne, auf die Nacht hin dann aber wieder gefriere.