Herr Geistlich, Sie sind bislang nicht als Befürworter der Limmattalbahn aufgefallen, nun sind Sie sogar Mitglied der Allianz Pro Limmattalbahn, welche die Limmattalbahn promoten will. Was ist passiert?

Andreas Geistlich: Es mag sein, dass man mich nicht als Befürworter der Limmattalbahn wahrgenommen hat. Ich war jedoch nicht gegen das Projekt und übrigens auch nicht gegen die Schlieremer Zentrumsentwicklung.

Sie legten den Fokus auf die flankierenden Massnahmen.

Genau. Für mich ist die Limmattalbahn nicht einfach ein Bahnprojekt, sondern Bestandteil eines neuen Verkehrskonzepts. Es ging mir deshalb stets um die Herangehensweise.

Diesbezüglich hat die Regierung Anfang Oktober Kompromissbereitschaft kommuniziert.

Ja, die Sichtweise der Regierung hat sich geändert. Die flankierenden Massnahmen können nun doch zusammen mit der Limmattalbahn projektiert werden. Dafür habe ich mich eingesetzt, zusammen mit anderen Kantonsräten der Region.

Dann dürfen Sie die Limmattalbahn als Allianzmitglied nun also loben: Was sagen Sie?

Wie gesagt, die Limmattalbahn ist mehr als eine Bahn, die den Wohn- und Wirtschaftsraum Limmattal verbindet. Sie ist Teil eines Verkehrskonzepts, das den Durchgangsverkehr aus den Stadtzentren auf Umfahrungsstrassen umlagern will. Die Stadtzentren von Schlieren und Dietikon sollen durch die Bahn erschlossen werden und dennoch Platz haben für den motorisierten Individualverkehr. Letzteres ist mir als Vertreter der Wirtschaft wichtig.

Was sagt die Allianz, warum es die Bahn braucht?

Sie ist Teil eines Verkehrskonzepts, das die zunehmende Nachfrage nach Mobilität befriedigt. Nach der Annahme der Kulturlandinitiative der Grünen wird der Siedlungsdruck auf das Limmattal noch mehr steigen. Die Lösung heisst Verdichtung, das bedeutet jedoch, dass wir die Bahn brauchen, um den Verkehr auf engem Raum überhaupt flüssig halten zu können.

Die Allianz bezeichnet sich als unabhängig. Dass sie von den Gemeinden mit 60000 Franken mitfinanziert werden soll, trug ihr in den letzten Wochen deshalb Kritik ein. Heisst es nicht, wer zahlt, befiehlt?

Es ist im Interesse aller in der Region, dass es mit der Limmattalbahn vorwärts geht. 2007 unterschrieben alle Limmattaler Gemeinden einen «Letter of Intent», in dem sie sich zum Bahnprojekt bekannt hatten. Die Allianz unterstützt die Kommunikationsstrategie, die damals festgelegt wurde. Es ist deshalb legitim, dass sich die Gemeinden finanziell beteiligen.

Was bezweckt die Allianz?

Ich will Bindeglied sein zwischen der Limmattalbahn AG und der Bevölkerung. Die Allianz macht keinen Abstimmungskampf.

Sie soll mit ihrer Informationspolitik aber den Weg für einen positiven Abstimmungsausgang ebnen. Das lässt sich nicht wegdiskutieren.

Das ist unbestritten, ja.

Zuletzt wurde die Zürcher alt Regierungsrätin Rita Fuhrer – die der Allianz zusammen mit dem Aargauer alt Regierungsrat Thomas Pfisterer vorsteht – in Leserbriefen kritisiert. Ihr wurde vorgeworfen, sie habe sich bislang nicht gerade für das Limmattal starkgemacht. Ist Fuhrer die richtige, um das Projekt in der Region voranzubringen?

Da wird auf die Frau gespielt, das lasse ich unkommentiert. Es wird schwierig genug, das Projekt Limmattalbahn, das Hunderte von Millionen Franken kosten wird, im übrigen Kanton beliebt zu machen. Für eine breite Abstützung ist es deshalb richtig, mit Rita Fuhrer auf eine Prominente zu setzen. Dass sie der SVP angehört, die im Bezirk Dietikon lange gegen das Projekt war, ist ebenfalls ein Vorteil.

Andreas Geistlich ist Präsident der Wirtschaftskammer Schlieren sowie FDP Kantons- und Gemeinderat. Er wohnt in Schlieren.