Oetwil
Anderer Lärmschutz – Anwohner sind empört

Bei der Sanierung der Limmattalstrasse will der Kanton einen lärmarmen Belag statt einer Lärmschutzwand bauen. Einige Anwohner fühlen sich hintergangen.

David Hunziker
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Anderer Lärmschutz – Anwohner sind empört. (Symbolbild)

Anderer Lärmschutz – Anwohner sind empört. (Symbolbild)

Walter Christen

«Wir hatten einen Deal, doch der Kanton will seinen Teil der Abmachung nicht einhalten.» So lautet der Vorwurf von Eugen Christen. Vonseiten der Anwohner fühle man sich hintergangen. Er spreche damit für die grosse Mehrheit der Stockwerkeigentümer an der Haldenstrasse 31 bis 37 in Oetwil, wo Christen selbst seit 1975 wohnt.

Die angebliche Abmachung steht im Zusammenhang mit der geplanten kantonalen Sanierung der Limmattalstrasse, an die der besagte Häuserzug angrenzt. Die Bauarbeiten für die Bushaltestelle Schweizäcker sollen im Herbst 2017 beginnen. Der Baubeginn für die Ortsdurchfahrt ist für 2018 geplant.

Wie er im Oktober gegenüber den Anwohnern kommuniziert hat, will der Kanton entgegen seinem ursprünglichen Plan statt einer Lärmschutzwand einen lärmarmen Belag einsetzen. Seit diesem Jahr kommen diese Beläge vermehrt zum Einsatz.

In einem Informationsschreiben begründet Urs Nieffer, Projektverantwortlicher des kantonalen Tiefbauamts, den Entscheid wie folgt: Der lärmarme Belag weise ein besseres Verhältnisse zwischen Kosten und Nutzen auf und beeinträchtige das Ortsbild nicht. Ausserdem verringere der Belag die Lärmbelastung für eine grössere Anzahl Anwohner.

Die Kehrtwende des Kantons wurde laut Christen von den Anwohnern mit Missfallen aufgenommen. Wenn sich der Kanton nicht zum Bau einer Lärmschutzwand verpflichtet hätte, sagt Christen, hätten sich die Anwohner auch nicht dazu bereit erklärt, die für die Sanierung benötigten 96 Quadratmeter Land abzutreten. «Land gegen Lärmschutzwand, das war der Deal», so der Oetwiler.

«Eine solche Abmachung gab es nie», erwidert Thomas Maag, stellvertretender Leiter Kommunikation der kantonalen Baudirektion. Die Landabtretung sei immer im Zusammenhang mit dem Strassenprojekt gestanden und nicht mit dem Projekt der Lärmschutzwände.

«Eine Verfügung berechtigt den Kanton zum Bau der Lärmschutzwände, verpflichtet ihn aber nicht dazu, wenn eine bessere Massnahme zur Verfügung steht», so Maag. Beim lärmarmen Belag sei dies der Fall. Die Lärmschutzverordnung ist eher darauf ausgelegt, die Lärmproduktion zu reduzieren, als seine Ausbreitung einzudämmen.

Wenn die Projektierung der Ortsdurchfahrt im Herbst 2016 öffentlich auflegt, können die Anwohner auf dem Rechtsweg gegen die Sanierung vorgehen. Die Anwohner würden derzeit prüfen, was rechtlich möglich sei, so Christen. Die Chancen auf Erfolg auf dem Rechtsweg schätzt Maag als gering ein. In der Regel werde in solchen Fällen das öffentliche Interesse höher gewichtet.

Im Kanton kein Einzelfall

Der Einsatz des lärmarmen Belags ist im Kanton Zürich kein Einzelfall. Der Kanton Zürich plant neben Oetwil auch noch an neun anderen Orten Teststrecken für lärmarme Beläge. Laut Maag ist der Protest der Oetwiler eher die Ausnahme: «In den anderen ähnlich gelagerten Fällen im Kanton Zürich ist der angekündigte Einbau eines lärmarmen Belags anstelle einer Lärmschutzwand bisher mehrheitlich begrüsst worden.»

Die neuartigen lärmarmen Beläge befinden sich noch in einer Testphase. Laut Maag könnten die Lärmschutzwände wieder zum Thema werden, sollte der lärmarme Belag «wider Erwarten» nicht die gewünschte Wirkung erzielen.