Bezirksgericht

Andere Täter möglich: Mutter vom Vorwurf der Kindesmisshandlung freigesprochen

Bezirksgericht Dietikon. (Archiv)

Bezirksgericht Dietikon. (Archiv)

Laut Anklage hat eine Limmattaler Mutter ihrer noch nicht einjährigen Tochter Schädel, Arm sowie ein Schienbein gebrochen. Da auch eine andere Täterschaft infrage kommt, wurde die Frau freigesprochen.

Zum Schluss flossen bei der entlasteten Mutter Tränen der Erleichterung. Kein Wunder, so hatte die zuständige Staatsanwältin Bettina Groth für die beschuldigte Limmattalerin eine hohe Freiheitsstrafe von sechs Jahren gefordert. Die Frau soll im Sommer 2014 ihre noch nicht einmal einjährige Tochter wiederholt massiv misshandelt haben. Laut Anklage hat sie zuerst dem Baby mit einem wohl harten Gegenstand den Schädel gebrochen. Was die Staatsanwaltschaft als versuchte schwere Körperverletzung würdigte. Wenige Wochen später soll sie auch den rechten Vorderarm und kurz darauf auch das rechte Schienbein ihres Kindes gebrochen haben.

Im Kispi aufgeflogen

Es war im August 2014, als die Mutter ihr Kind wegen des Beinbruchs ins Kinderspital brachte. Dort stellte ein Arzt die weiteren erheblichen Verletzungen fest und erstattete zunächst Anzeige gegen unbekannt. Der Mediziner vertrat die Auffassung, dass ein Unfall als Ursache ausgeschlossen sei. Es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass das Kleinkind keine lebensgefährlichen Verletzungen erlitten habe, schrieb er. Schon bald richtete sich der Verdacht gegen die alleinerziehende Mutter, die kurz darauf für insgesamt 26 Tage in der Untersuchungshaft verschwand. Die Staatsanwaltschaft leitete umfassende Ermittlungen gegen die verdächtige Mutter ein. Ihr Kind wurde fremdplatziert.

Unschuld beteuert

Der Schönheitsfehler der Untersuchungen war allerdings, dass die Mutter von Anfang an vehement ihre Unschuld beteuerte. Sie machte geltend, dass ihre Tochter während ihrer Arbeitszeiten von diversen Personen aus der Verwandtschaft, wie von der Grossmutter, betreut worden sei. Zudem habe sie im Sommer 2014 ihr Kind regelmässig auch in eine Kinderkrippe gebracht. Auch vor dem Bezirksgericht Dietikon wies sie die Vorwürfe der Staatsanwältin zurück.

Diese forderte dagegen umfassende Schuldsprüche und führte aus, dass für sie nur die Beschuldigte als Täterin infrage komme. Vor allem da die ältere Schädelverletzung bereits vor der Zeit in der Krippe passiert sein müsse.

Im Zweifel für die Angeklagte

Das Gericht folgte zum Schluss den Anträgen der Verteidigung und sprach die Mutter von den Hauptvorwürfen der Kindsmisshandlungen nach dem Grundsatz im Zweifel für die Angeklagte frei. Das Gericht verwies darauf, dass gerade die Kopfverletzung aufgrund der ärztlichen Berichte zeitlich nicht genau einzugrenzen sei. Damit habe auch diese Misshandlung in der Krippe stattfinden können. Der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher stellte klar, dass eine unfallbedingte Verletzung des Kindes, wie ein Sturz vom Wickeltisch, ausgeschlossen sei.

Allerdings sei auch eine andere Täterschaft nicht auszuschliessen, sagte Aeschbacher. Nicht zuletzt verwies er auch auf den Ex-Partner der Beschuldigten. Dieser habe seine Ex-Partnerin entlastet, indem er nie zu Protokoll gegeben habe, dass sie sich gegenüber ihrem Kind grob verhalten habe.

8000 Franken Schmerzensgeld

Das Gericht sprach der entlasteten Mutter ein Schmerzensgeld von 8000 Franken zu. Vor allem im Hinblick auf die bis heute anhaltende Trennung der Frau von ihrer Tochter. So darf sie ihr Kind pro Woche nur etwa zehn Stunden lang sehen. Wann dieser Zustand aufhören wird, ist unklar. Besonders, da die Staatsanwaltschaft noch Berufung gegen die Freisprüche einlegen kann. In zwei Nebenpunkten wurde die Frau allerdings wegen Betrugs sowie Urkundenfälschung zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 40 Franken verurteilt. So hatte sie eine Krankenkasse hinters Licht geführt, indem sie sich als ihre Schwester ausgegeben hatte.

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