Spital Limmattal

«Andere Anbieter hätten kaum eine Chance»: Losinger Marazzini soll auch Erweiterungsbau bauen

In die Jahre gekommen: Das 1987 erbaute Pflegezentrum des Spitals Limmattal muss dringend erneuert werden.

In die Jahre gekommen: Das 1987 erbaute Pflegezentrum des Spitals Limmattal muss dringend erneuert werden.

Der Auftrag für den Erweiterungsbau für das Pflegezentrum ist freihändig vergeben worden.

Das Spital Limmattal kommt noch lange nicht zur Ruhe – zumindest nicht, was die Bautätigkeit anbelangt. Seit drei Jahren wird am Neubau des Schlieremer Spitals gearbeitet – nach zehn Jahren Planung und nachdem bereits seit Ende der 1990er-Jahre über eine Erneuerung nachgedacht worden war. Doch bereits beim Spatenstich im Herbst 2014 wusste man: Auch das Pflegezentrum des Spitals muss in den nächsten Jahren saniert oder erneuert werden. Eine Gebäudesubstanzanalyse zeigt, dass der 1987 eröffnete Bau nicht mehr länger als bis 2022 genutzt werden sollte.

Seit Januar dieses Jahres ist klar, was mit dem Pflegezentrum geschehen soll: Damals entschieden sich die Delegierten des Spitalverbands, den zurzeit entstehenden Neubau erweitern zu lassen, um darin das Pflegezentrum unterzubringen. Sie folgten damit dem Vorschlag des Verwaltungsrats. Damit waren die anderen beiden Möglichkeiten eines freistehenden Neubaus oder einer teuren Totalsanierung vom Tisch.

Zuschlag an Losinger Marazzi

Die Option, den Neubau dereinst zu erweitern, ist im Projekt «LimmiViva» schon vorgesehen: Es ist so angelegt, dass es in zwei Schritten ausgebaut werden kann. Bloss ging man bei der Planung damals nicht davon aus, dass der erste Ausbauschritt so schnell schon umgesetzt werden könnte. Kosten dürfte das neue Pflegezentrum, wenn es im Erweiterungsbau untergebracht wird, gemäss ersten Schätzungen rund 53 Millionen Franken.

Nun ist man wieder einen Schritt weiter. Was als Option schon länger in Betracht gezogen wurde, ist nun beschlossen worden, wie Spitaldirektor Thomas Brack sagt: Der Auftrag für den Erweiterungsbau wird nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern direkt vergeben. Und zwar an den gleichen Totalunternehmer, der schon für den Spitalneubau verantwortlich ist: Losinger Marazzi. Der Auftrag wurde bereits erteilt, der Zuschlag ist im Amtsblatt des Kantons Zürich vom vergangenen Freitag publiziert. Innert zehn Tagen kann dagegen beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich Beschwerde eingereicht werden.

Die Frage, ob der Auftrag ausgeschrieben oder freihändig vergeben werden soll, habe man detailliert analysiert, sagt Brack: «Wir wollten ganz sicher sein, dass eine Direktvergabe rechtlich zulässig ist.» Man sei jedoch zum Schluss gekommen, dass sie das sei – und zwar gemäss Artikel 10 in der kantonalen Submissionsverordnung. Dieser besagt unter anderem, dass ein Auftrag unabhängig vom Auftragswert direkt vergeben werden kann, wenn «aufgrund der technischen oder künstlerischen Besonderheiten des Auftrages» nur ein Anbieter infrage kommt. Eine weitere Passage legitimiert die freihändige Vergabe, wenn die Erweiterung einer bereits erbrachten Leistung dem ursprünglichen Anbieter vergeben wird, «weil einzig dadurch die Austauschbarkeit mit schon vorhandenem Material» gewährleistet sei.

Für Brack sind diese Punkte zentral: Da die Erweiterung thematisch und physisch so viele Verbindungen mit dem Neubau aufweise, verfüge nur die Firma Losinger Marazzi über das ganze Wissen, um einen reibungslosen Ablauf zu einem vertretbaren Preis zu gewährleisten. «Andere Anbieter hätten kaum eine Chance», sagt Brack.

Volumen: 40 Millionen Franken

Im kantonalen Amtsblatt publiziert ist der erteilte Auftrag mit einem Volumen von 40 Millionen Franken. Diese Zahl basiert auf einer Machbarkeitsstudie und umfasst die vom Totalunternehmer erbrachten Leistungen, die Teil der Gesamtkosten von 53 Millionen sind. Weil Losinger Marazzi nun nicht in einem Wettbewerb zu anderen Anbietern stehe, werde man das Angebot von einer unabhängigen dritten Stelle prüfen lassen, sagt Brack. Das könne ein Planungsbüro oder ein anderer, in diesem Bereich erfahrener Totalunternehmer sein. Noch nicht beschlossen ist die Art der Finanzierung. Klar ist aber, dass eine Fremdfinanzierung nötig wird.

Bauen kann Losinger Marazzi das neue Pflegezentrum aber nur, wenn auch das Stimmvolk Ja zum Projekt sagt. Gemäss einem ersten groben Zeitplan sollte das Vorprojekt bis Mai 2018 stehen, die Volksabstimmung ist für die erste Hälfte 2019 vorgesehen. Baubeginn könnte 2020 sein, Bezug 2023.

Angeboten werden sollen im neuen Pflegezentrum 153 Plätze – das sind fast 20 mehr als heute. Die Demenzabteilung wird von 22 auf 45 Plätze erweitert. Schon länger klar ist, dass das Pflegezentrum zu einem Kompetenzzentrum für komplexe Langzeiterkrankungen werden soll.

Autorin

Bettina Hamilton-Irvine

Bettina Hamilton-Irvine

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