Das Geschenk lag im Elternzimmer auf dem Schrank, war verpackt und eigentlich ausserhalb der Reichweite der Kinder. Doch wurde die Gotthard-Lokomotive allzu sehnsüchtig erwartet. Der kleine Otto und seine Geschwister verschafften sich Zugang und entfernten das Geschenkpapier. Immerhin verpackten sie die Lokomotive danach wieder und gaben sich am Weihnachtstag dennoch freudig überrascht.

Dietikons Stadtpräsident Otto Müller erinnert sich gern an diese Weihnachtsepisode. Die Geschichte ist eine unter vielen, die an der Seniorenweihnacht in der Stadthalle Dietikon erzählt wurde. Müller erinnert sich auch daran, wie die Glastüre zur Stube, in welcher der geschmückte Baum stand, abgeklebt wurde. Sogar das Schlüsselloch wurde mit Watte verstopft, damit kein Kind vorzeitig die Weihnachtspracht erblicken konnte.

Festbesucher Hans Baumgartner erinnert sich daran, dass die Weihnachtsbäume im Wald des Vaters geholt wurden. Nicht immer fand man da die schönsten Exemplare, und so kam es vor, dass hier noch etwas abgesägt, da noch ein zusätzlicher Ast angesteckt werden musste. Die Weihnachtswünsche platzierte Hans jeweils in einem Kuvert hinter dem Vorfenster, einer zusätzlichen Glasscheibe, die für den Winter eingehängt wurde. Die Wünsche waren, verglichen mit heute, ausnehmend bescheiden: Ein neuer Ball etwa, ein Holzbaukasten oder ein Biberli - Mandarinli seien damals hingegen Luxusware gewesen, erzählt Baumgartner.

Kleider für die Puppe

Auch Georg Richli betont, dass in seiner Kindheit nur wenige Geschenke unter dem Weihnachtsbaum lagen, nicht Dutzende Pakete, wie das heute bisweilen der Fall sei. Der Fokus habe vielmehr auf dem familiären Zusammensein gelegen, nur an Weihnachten seien alle Geschwister vereint gewesen.

Bei Julia Thomi wurde an Weihnachten noch an die Mitternachtsmesse gegangen, die auch tatsächlich um Mitternacht stattfand. So musste ihre Familie dann jeweils in tiefster Dunkelheit von Urdorf nach Schlieren marschieren. Einzig der Vater behielt sich vor, zu Hause zu bleiben.
Als Kriegskind musste Hildy Wöll bisweilen mit Lebensmittelkarten einkaufen gehen. Desto mehr freute sie sich über die Geschenke an Weihnachten.

Ihre Mutter war Schneiderin, und so bekam sie oft ein Kleid für sich oder ihre Puppe. Man habe sich an Weihnachten bei den Grosseltern eingefunden, zusammen gekocht und «Leise rieselt der Schnee» gesungen. Vor Mitternacht gab es dann traditionell ein Wienerli mit Brot.