Urdorf
An der Schulstrasse in Urdorf kann gebaut werden

An der Schulstrasse kann ein baufälliges Haus abgerissen und können an seiner Stelle, auf gleichem Grundstück, 847 Quadratmeter gross, zwei neue Einfamilienhäuser gebaut werden.

Flavio Fuoli
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Dieses Haus an der Schulstrasse kann nun abgerissen werden. Es entstehen zwei neue Häuser. flavio fuoli

Dieses Haus an der Schulstrasse kann nun abgerissen werden. Es entstehen zwei neue Häuser. flavio fuoli

Limmattaler Zeitung

So hat am 3.November 2010 das Verwaltungsgericht entschieden, nachdem vier Anwohner Beschwerde gegen den Entscheid der Baurekurskommission eingereicht hatten.

Am 27.Dezember 2011 zogen die vier Beschwerdeführer das Urteil ans Bundesgericht in Lausanne weiter. Dieses fällte kürzlich den Entscheid und stützte das Urteil des Verwaltungsgerichts vollumfänglich. Die vom Gemeinderat, respektive der lokalen Baukommission gesprochene Baubewilligung ist rechtens. Die beiden Häuser, die nach Ansicht der Quartierbewohner nicht ins beschauliche, homogene Moos-Quartier passen, können gebaut werden. Damit ist ein längerer Rechtsstreit zu Ende, der im März 2009 publik wurde, als 21 Anwohner zu Handen des Gemeinderats Urdorf eine Petition gegen die beiden Bauten eingereicht hatten.

«Auf kaltem Fuss erwischt»

Der Rechtsanwalt der vier Anwohner, die bis vor Bundesgericht gingen, Peter Hübner, erklärte an einer Presseorientierung, man sei «auf kaltem Fuss erwischt worden. Die Restriktionen, die auf dem Vorhaben gewirkt hätten, seien auf privatrechtlicher Ebene ausgehebelt worden. Will heissen, beim einen Grundstück – das ursprüngliche wurde zweigeteilt – habe sich die maximal zulässige Bebauungsziffer, beim anderen die maximale Ausnützungsziffer als überschritten erwiesen. Es habe deshalb eine wechselseitige Nutzungsübertragung stattgefunden. Dies führe im Vergleich zu bestehenden Überbauungen zu überdimensionierten Bauvolumen. «Das Bundesgericht hat dies erlaubt», so Hübner.

Als Stimmbürger fühle er sich übers Ohr gehauen, klagt Hans Brian, einer der Rekurrenten. An der Gemeindeversammlung von 2007 habe er mit Überzeugung der Bauordnung und damit der Abzonung des Quartiers auf 30 Prozent Überbauungsziffer zugestimmt. Und Robert Eigenmann, ebenfalls Beschwerdeführer, ergänzt: «Es ging uns ja um die Körnung, die Struktur und die Erhaltung des Quartiers. Auf diese Frage bekamen wir nie eine Antwort. Die machen was sie wollen da oben.» Damit sei ein Präjudiz für die Zukunft geschaffen worden, ergänzt Hübner.

Und Emanuel Agustoni, der nicht Beschwerde führte, aber die Gruppe ideell vertritt, erklärt, man habe sich damals fürs Quartier eingesetzt, um Missstände zu beseitigen, nun würden jedoch Missstände gefördert.

«Haben es richtig gemacht»

Ganz anderer Meinung und sehr froh über den Ausgang des Bundesgerichtsentscheids ist Urdorfs Bauvorstand Christian Brandenberger. Auf Anfrage erklärte er: «Ich bin erleichtert, dass wir alles richtig gemacht haben. Wir begrüssen es, wenn ältere Bausubstanz erneuert wird.

Wird das Moos-Quartier, das bereits 60 Jahre alt und auch ein Zeitzeuge einer früheren Bebauungs- und Wohnart ist, nun zerstört? «Von der Gemeinde aus sehen wir das in diesem Fall gar nicht so. Sonst hätten wir keine Baubewilligung erteilt. Die Rekurrenten haben eine extreme Angst diesbezüglich. Realistischerweise hat Urdorf aber viele Bauten aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren, bei denen
sich viele Veränderungen ergeben. Grundsätzlich begrüsst der Gemeinderat die Aufwertungsmassnahmen», ist der Bauvorstand der Ansicht.

In älteren Häusern sei modernes Wohnen nicht mehr möglich. Die Häuser im Moos-Quartier seien die meisten schon verändert worden. Es sei zu begrüssen, wenn mehr Leute auf dem knapp werdenden Bauland in Urdorf zu wohnen kommen.

Robert Eigenmann denkt, es gehe um den Entscheid an der Gemeindeversammlung von 2007. Man habe von Behördenseite aus nie eine Antwort erhalten. Man habe sich immer darum gedrückt. Er könne aber mit dem Entscheid leben. Agustoni denkt, in diesem Fall hätten die Behörden einsichtig sein können. «Es ist ein extremer Fall. Die Lebensqualität ist wichtig.» Und die Quartierbewohner stünden hinter seit den 80er-Jahren immer zu 90 Prozent hinter den Bemühungen, das Quartier zu erhalten. Rudolf Schlatter, ebenfalls Beschwerdeführer beim Bundesgericht, ist sich sicher, die Gemeinde habe den Ermessensspielraum einseitig eingesetzt, ohne den Quartierwillen zu berücksichtigen.

Leerwohnungsbestand gegen Null

Bauvorstand Brandenberger entgegnet, Urdorf besitze von allen Gemeinden im Kanton am wenigsten Baulandreserven und verfüge über einen Leerwohnungsbestand gegen Null hin. Abzonungen, wie 2007 vorgenommen, seien daher nicht optimal. Urdorf brauche neue Steuerzahler, schliesslich habe man ein Investitionsvolumen von 70 Millionen Franken in der Pipeline. «Aber wir stagnieren.»