Dietikon

An der Niklausschwinget mit den Schwingern auf Augenhöhe

Grosse Namen wie Orlik, Räbmatter oder Kuster standen sich im Sägmehl gegenüber – so nahe wie beim Niklausschwinget in der Stadthalle kommt man den Stars sonst kaum.

Verkehrskadetten lotsen eine Autokolonne in eine Seitenstrasse, die Parkplätze neben dem Hallenbad sind alle belegt. Ein Schwinger steht einsam draussen und entledigt sich seiner Schwingerhose und des Sägemehls, das sich auf seinem Sennenhemd angesammelt hat. Spätestens jetzt weiss man, dass an diesem Samstagnachmittag die Niklausschwinget in der Dietiker Stadthalle stattfindet.

Drinnen schlägt einem der Geruch von Sägemehl und Raclettekäse entgegen. Die Halle ist gut gefüllt, obwohl das Schwingfest erst begonnen hat. Auf der Tribüne sind nur noch wenige Plätze frei. Und auch unten an den Tischen mit den Ehrengästen sitzen Dutzende Zuschauer, unter anderem Dietikons Gemeinderatspräsident Jörg Dätwyler und Kantonsratspräsident Rolf Steiner.

Die Tische stehen relativ nahe an den drei mit Sägemehl gefüllten Ringen. Ein Knabe, der neben einem der Plätze gedankenverloren spielt, sieht plötzlich unfreiwillig einem Schwinger direkt in die Augen, der wenige Zentimeter von ihm entfernt ins Sägemehl gedrückt wird.

Gute Qualität an Schwingern

Plötzlich versammelt sich eine Handvoll Fotografen vor dem Ring ganz links. Patrick Räbmatter, der den Niklausschwinget Dietikon im vergangenen Jahr gewonnen hat, tritt an. Er gewinnt seinen Kampf souverän.

Kurz darauf gesellen sich zu den bereits hingeknieten Fotografen noch ein paar dazu. Denn jetzt kommt Armon Orlik, der am Eidgenössischen Schwingfest erst im Schlussgang bezwungen und zum Schwinger des Jahres gewählt wurde. Auch Orlik gewinnt seinen Kampf. Es wird laut in der Halle, die Zuschauer spenden dem Star des diesjährigen Niklausschwingets Applaus – wie bei all seinen Kämpfen an diesem Samstag.

Dass der Bündner überhaupt in Dietikon antritt, ist für die Veranstalter ein Glücksfall. «Wir haben dieses Jahr mit 900 Zuschauern mehr Publikum als noch 2015», sagt OK-Präsident Hanspeter Haug. «Und Orlik ist sicher ein Grund dafür – neben anderen Eidgenossen wie Räbmatter, Marcel Kuster, Nick Alpiger und Martin Hersche im Teilnehmerfeld. Man erwartet, dass wir eine gute Qualität an Schwingern haben, und das ist uns in diesem Jahr gelungen.»

Doch wie konnten die Organisatoren Orlik davon überzeugen, teilzunehmen? «Ein Schwinger vom Schwingclub Glatt- und Limmattal kennt ihn», verrät Haug. «So kam der Kontakt zustande.»

Spezielle Konditionen habe es für Orlik keine gegeben, sagt Haug. Der Büdner scheint es zu geniessen. Als sich Orlik vor dem Ring mental auf einen bevorstehenden Gang vorbereitet, wird er von einem Besucher angesprochen. Der Bündner lässt sich in ein kurzes Gespräch verwickeln – die Konzentrationsübung muss warten.

Kameradschaften pflegen

Dass die Atmosphäre beim Niklausschwinget beinahe schon familiär ist, zeigt auch eine Anekdote von Haug, die er an diesem Nachmittag erlebt hat. «Mich hat auf der Tribüne jemand angesprochen, der vor 45 Jahren die Rekrutenschule mit mir absolviert hat», erzählt er. «Man trifft hier wirklich Leute, die man seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Und diese Pflege von Kameradschaften ist ganz wichtig.»

Doch zurück ins Sägemehl. Orlik wird seiner Favoritenrolle gerecht und qualifiziert sich für den Schlussgang. Dort bezwingt er den Thurgauer Mario Schneider nach 1:22 Minuten mit Fussstich. Mit insgesamt sechs Siegen ist Orlik damit der unangefochtene Gewinner des Niklausschwinget 2016. Bester Teilnehmer des organisierenden Schwingklubs Glatt- und Limmattal wird Daniel Wettstein mit vier Siegen, einem Unentschieden und nur einer Niederlage.

Nächstes Jahr findet der Niklausschwinget Dietikon dann zum 80. Mal statt – wieder an einem Samstag. «Zum Jubiläum werden wir uns dann etwas Tolles einfallen lassen», verspricht Haug.

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