Dietikon

An der Linienführung scheiden sich die Geister

Stadthaus Dietikon

Stadthaus Dietikon

Die Stadtratskandidierenden sind sich nicht einig, ob die Limmattalbahn den Bahnhof direkt anfahren soll oder nicht. Die Stadtratskandidierenden, die sich am 9. Februar 2014 zur Wahl stellen, erklären, welche Variante sie bevorzugen.

Es braucht die Limmattalbahn. Darüber sind sich die Dietiker Stadtratskandidierenden einig. Doch eine andere Frage scheidet die Geister: Soll die Bahn direkt am Bahnhof halten oder auf der Zürcherstrasse bleiben? Das Projekt, das zurzeit öffentlich aufliegt, sieht eine Anbindung an den Bahnhof Dietikon vor. Der Stadtrat hat sich jedoch kürzlich für eine Linienführung entlang der Zürcherstrasse ausgesprochen und will nun Einsprache erheben. Die Stadtratskandidierenden, die sich am 9. Februar 2014 zur Wahl stellen, erklären, welche Variante sie bevorzugen.

«Die engen Platzverhältnisse am Bahnhof werden zum Risikofaktor und behindern das Bringen und Holen von Zugpassagieren. Das Durchschneiden des Kirchplatzes von zwei unterschiedlichen Bahnen widerspricht den Bemühungen, den Kirchplatz belebt und beliebt zu halten. Die Durchbindung Zürcher-/Badenerstrasse mit einem gedeckten Gehweg zum Bahnhof ist mehr als prüfenswert. Dieser Gehweg ist im Vergleich zu anderen Bahnhöfen zumutbar. Wir müssen Dietikon für unsere Einwohner gestalten.»

Jean-Pierre Balbiani (SVP), bisher

«Die engen Platzverhältnisse am Bahnhof werden zum Risikofaktor und behindern das Bringen und Holen von Zugpassagieren. Das Durchschneiden des Kirchplatzes von zwei unterschiedlichen Bahnen widerspricht den Bemühungen, den Kirchplatz belebt und beliebt zu halten. Die Durchbindung Zürcher-/Badenerstrasse mit einem gedeckten Gehweg zum Bahnhof ist mehr als prüfenswert. Dieser Gehweg ist im Vergleich zu anderen Bahnhöfen zumutbar. Wir müssen Dietikon für unsere Einwohner gestalten.»

«Die Stadt Dietikon kämpft seit Jahren um ein attraktiveres Zentrum und deshalb sollen die Verkehrsströme besser geleitet werden. Was nützt es, wenn wir ein Zentrum haben aber niemand findet den Weg dorthin? Wir müssen die Interessen unserer Stadt unterstützen und einfordern und nicht die der Limmattalbahn. Deshalb unterstütze ich die Zentrumslösung des Stadtrates mit der Linienführung über die Zürcher-/ Badenerstrasse.»

Roger Brunner (SVP), bisher

«Die Stadt Dietikon kämpft seit Jahren um ein attraktiveres Zentrum und deshalb sollen die Verkehrsströme besser geleitet werden. Was nützt es, wenn wir ein Zentrum haben aber niemand findet den Weg dorthin? Wir müssen die Interessen unserer Stadt unterstützen und einfordern und nicht die der Limmattalbahn. Deshalb unterstütze ich die Zentrumslösung des Stadtrates mit der Linienführung über die Zürcher-/ Badenerstrasse.»

«Als Mitarbeiter im öffentlichen Verkehr weiss ich, dass eine Anbindung der Limmattalbahn an den Bahnhof wichtig ist. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Platzverhältnisse in Dietikon in der vorliegenden Variante nicht tragbar sind. Darum bin ich für die Variante Zürcherstrasse ohne Bahnhofsanbindung. Dieser Entscheid ist weise und klug, die Limmattalbahn-Gleise sind nach dem Bau über 30 Jahre in Dietikon einbetoniert. Darum soll die vorliegende Variante nochmals seriös geprüft werden.»

Heinz Illi (EVP), bisher

«Als Mitarbeiter im öffentlichen Verkehr weiss ich, dass eine Anbindung der Limmattalbahn an den Bahnhof wichtig ist. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Platzverhältnisse in Dietikon in der vorliegenden Variante nicht tragbar sind. Darum bin ich für die Variante Zürcherstrasse ohne Bahnhofsanbindung. Dieser Entscheid ist weise und klug, die Limmattalbahn-Gleise sind nach dem Bau über 30 Jahre in Dietikon einbetoniert. Darum soll die vorliegende Variante nochmals seriös geprüft werden.»

«Die Limmattalbahn muss auch der Stadtentwicklung, der Zentrumsbelebung, den Detaillisten sowie der Kundschaft im Stadtzentrum dienen. Darum bin ich klar für eine Lösung ohne direkten Bahnhofanschluss. Die Distanz, zum Beispiel von der Station Sommerau zum Bahnhof, ist vertretbar. Beim gegenwärtigen Projekt sind die Platzverhältnisse am Bahnhof viel zu eng und der Kirchplatz wird zerschnitten und verliert als wichtiger Begegnungsort für die Bevölkerung deutlich an Aufenthaltsqualität.»

Otto Müller (FDP), bisher

«Die Limmattalbahn muss auch der Stadtentwicklung, der Zentrumsbelebung, den Detaillisten sowie der Kundschaft im Stadtzentrum dienen. Darum bin ich klar für eine Lösung ohne direkten Bahnhofanschluss. Die Distanz, zum Beispiel von der Station Sommerau zum Bahnhof, ist vertretbar. Beim gegenwärtigen Projekt sind die Platzverhältnisse am Bahnhof viel zu eng und der Kirchplatz wird zerschnitten und verliert als wichtiger Begegnungsort für die Bevölkerung deutlich an Aufenthaltsqualität.»

«Ich befürworte die Linienführung entlang der Zürcherstrasse mit einer Haltestelle im Bereich Sommerau bis Bärlocher an der Zürcherstrasse, ganz entsprechend dem Antrag des Stadtrates. Diese Lösung ist kürzer, direkter und günstiger. Unnötige Engpasssituationen rund um den Bahnhof werden vermieden. Für den Verkehrsfluss des motorisierten Individualverkehrs durchs Zentrum sind Lösungen möglich.»

Rolf Schaeren (CVP), bisher

«Ich befürworte die Linienführung entlang der Zürcherstrasse mit einer Haltestelle im Bereich Sommerau bis Bärlocher an der Zürcherstrasse, ganz entsprechend dem Antrag des Stadtrates. Diese Lösung ist kürzer, direkter und günstiger. Unnötige Engpasssituationen rund um den Bahnhof werden vermieden. Für den Verkehrsfluss des motorisierten Individualverkehrs durchs Zentrum sind Lösungen möglich.»

«Die Linienführung der Limmattalbahn wird die Entwicklung des Zentrums nachhaltig beeinflussen: Wollen wir eine für Dietikon verträgliche Lösung oder einen Hub am Bahnhof? Wird der Kirchplatz von Limmattalbahn und BD-Bahn durchschnitten, blockiert dies das Leben im Zentrum. Am Bahnhof sind die Platzverhältnisse sehr eng. Die Velofahrer kommen wortwörtlich unter die Räder oder zwischen die Schienen. Deshalb gebe ich der ‹Durchmesser-Linie› den Vorzug - zumindest muss sie ernsthaft geprüft werden.

Esther Tonini (SP), bisher

«Die Linienführung der Limmattalbahn wird die Entwicklung des Zentrums nachhaltig beeinflussen: Wollen wir eine für Dietikon verträgliche Lösung oder einen Hub am Bahnhof? Wird der Kirchplatz von Limmattalbahn und BD-Bahn durchschnitten, blockiert dies das Leben im Zentrum. Am Bahnhof sind die Platzverhältnisse sehr eng. Die Velofahrer kommen wortwörtlich unter die Räder oder zwischen die Schienen. Deshalb gebe ich der ‹Durchmesser-Linie› den Vorzug - zumindest muss sie ernsthaft geprüft werden.

«Die von der Limmattalbahn AG favorisierte Lösung mit einer direkten Anbindung an den Bahnhof ist aufgrund der engen Platzverhältnisse am Bahnhof äusserst problematisch. Zudem würde eine Linienführung via Poststrasse und Bahnhofplatz den Kirchplatz noch mehr belasten und das Zentrum würde weiter an Attraktivität verlieren. Es ist deshalb richtig, dass sich Stadt- und Gemeinderat für eine Alternativroute einsetzen, die den Verbleib der Limmattalbahn auf der Zürcherstrasse vorsieht.»

Roger Bachmann (SVP), neu

«Die von der Limmattalbahn AG favorisierte Lösung mit einer direkten Anbindung an den Bahnhof ist aufgrund der engen Platzverhältnisse am Bahnhof äusserst problematisch. Zudem würde eine Linienführung via Poststrasse und Bahnhofplatz den Kirchplatz noch mehr belasten und das Zentrum würde weiter an Attraktivität verlieren. Es ist deshalb richtig, dass sich Stadt- und Gemeinderat für eine Alternativroute einsetzen, die den Verbleib der Limmattalbahn auf der Zürcherstrasse vorsieht.»

«Wichtig für uns ist, was wir aus der Limmattalbahn machen. Sie soll mithelfen, unsere Verkehrsprobleme zu lösen. Damit dies gelingt, muss sie zum Bahnhof geführt werden. Sonst werden die Leute das Auto nehmen und unsere Strassen verstopfen. Der Kanton wir bestimmt nur dann eine Limmattalbahn bauen, wenn sie auch einen Erfolg verspricht. Sonst wird er bestimmt nicht Hunderte von Millionen für das Projekt ausgeben. Daher ist eigentlich die Diskussion überflüssig.»

Ernst Joss (AL), neu

«Wichtig für uns ist, was wir aus der Limmattalbahn machen. Sie soll mithelfen, unsere Verkehrsprobleme zu lösen. Damit dies gelingt, muss sie zum Bahnhof geführt werden. Sonst werden die Leute das Auto nehmen und unsere Strassen verstopfen. Der Kanton wir bestimmt nur dann eine Limmattalbahn bauen, wenn sie auch einen Erfolg verspricht. Sonst wird er bestimmt nicht Hunderte von Millionen für das Projekt ausgeben. Daher ist eigentlich die Diskussion überflüssig.»

«Die Limmattalbahn muss zum Bahnhof fahren. Dietikon wird urbaner, es entstehen neue Quartiere, eine regionale «Limmatstadt» wächst zusammen. Mehr Leute bedeuten mehr Verkehr. Den Verkehrskollaps in Dietikon können allein benutzerfreundliche Bahn- und Busverbindungen verhindern. Benutzerfreundlich bedeutet kurze Umsteigezeiten und -wege. 300 Meter sind zu viel, Anschlüsse müssen für alle gewährt sein. Das Durchqueren des Kirchplatzes ist mehr Lärm, Gestank und Stau vorzuziehen.»

Sven Koller (SP), neu

«Die Limmattalbahn muss zum Bahnhof fahren. Dietikon wird urbaner, es entstehen neue Quartiere, eine regionale «Limmatstadt» wächst zusammen. Mehr Leute bedeuten mehr Verkehr. Den Verkehrskollaps in Dietikon können allein benutzerfreundliche Bahn- und Busverbindungen verhindern. Benutzerfreundlich bedeutet kurze Umsteigezeiten und -wege. 300 Meter sind zu viel, Anschlüsse müssen für alle gewährt sein. Das Durchqueren des Kirchplatzes ist mehr Lärm, Gestank und Stau vorzuziehen.»

«Als Stadtrat wären mir die Bedürfnisse von Einwohnern, Detaillisten und Kirchplatzbenutzern mindestens ebenso wichtig, wie jene von öffentlichem Verkehr und Pendlern. Die Querung des Kirchplatzes mit einer weiteren Bahn ist eine Schnapsidee. Darum verlange ich von der Limmattalbahn AG ebenso detaillierte Pläne einer Bahnhofsanbindung über die Bahnhofstrasse, wie sie nun für die Situation beim BD-Bahnhof vorliegen. Diese Version hat den Vorteil kurzer Fusswege, ohne den Kirchplatz stark abzuwerten.»

Martin Müller (DP), neu

«Als Stadtrat wären mir die Bedürfnisse von Einwohnern, Detaillisten und Kirchplatzbenutzern mindestens ebenso wichtig, wie jene von öffentlichem Verkehr und Pendlern. Die Querung des Kirchplatzes mit einer weiteren Bahn ist eine Schnapsidee. Darum verlange ich von der Limmattalbahn AG ebenso detaillierte Pläne einer Bahnhofsanbindung über die Bahnhofstrasse, wie sie nun für die Situation beim BD-Bahnhof vorliegen. Diese Version hat den Vorteil kurzer Fusswege, ohne den Kirchplatz stark abzuwerten.»

«Die Diskussion kommt spät und wird wenig seriös geführt. Das fundiert und vermeintlich einvernehmlich erarbeitete Projekt wird unsystematisch mit einer unausgereiften Idee verglichen. Ich bin als funktional denkender Architekt für die Bahnhofanbindung. Damit werden BD-Bahn, Limmattalbahn, SBB und Regionalbusse schlüssig verbunden. Fehlende Behindertengängigkeit, fehlender Hochwasserschutz, Verdrängung der Autos ins Quartier und Abbrüche von Liegenschaften zeichnen die Idee des Stadtrates aus.»

Lucas Neff (Grüne), neu

«Die Diskussion kommt spät und wird wenig seriös geführt. Das fundiert und vermeintlich einvernehmlich erarbeitete Projekt wird unsystematisch mit einer unausgereiften Idee verglichen. Ich bin als funktional denkender Architekt für die Bahnhofanbindung. Damit werden BD-Bahn, Limmattalbahn, SBB und Regionalbusse schlüssig verbunden. Fehlende Behindertengängigkeit, fehlender Hochwasserschutz, Verdrängung der Autos ins Quartier und Abbrüche von Liegenschaften zeichnen die Idee des Stadtrates aus.»

«Die Limmattalbahn trägt zur Stadtentwicklung positiv bei. Aber auch Gutes muss in Dietikon bewahrt werden. Der Kirchplatz mit Markthalle, Festplatz und Begegnungsort darf nicht von einem weiteren Tram «zerschnitten» werden. Eine direkte Linienführung mit attraktiver, zentraler Haltestelle und 150 Meter Umsteigedistanz zum SBB-Umsteigepunkt ist für Dietikon zielführend. Diese Distanz ist zu bewältigen und belebt zugleich das Zentrum. Auch in Schlieren fährt die Limmattalbahn nicht unmittelbar zum Bahnhof.»

Reto Siegrist (CVP), neu

«Die Limmattalbahn trägt zur Stadtentwicklung positiv bei. Aber auch Gutes muss in Dietikon bewahrt werden. Der Kirchplatz mit Markthalle, Festplatz und Begegnungsort darf nicht von einem weiteren Tram «zerschnitten» werden. Eine direkte Linienführung mit attraktiver, zentraler Haltestelle und 150 Meter Umsteigedistanz zum SBB-Umsteigepunkt ist für Dietikon zielführend. Diese Distanz ist zu bewältigen und belebt zugleich das Zentrum. Auch in Schlieren fährt die Limmattalbahn nicht unmittelbar zum Bahnhof.»

«Tram und Bus sind Feinverteiler. Sie fahren mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 km/h und bringen Fahrgäste auf die Stadt-Bahn. Die Stadtbahn fährt zum Bahnhof. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 30 km/h. Das Stadtbahn-Bahn-Prinzip lautet: von Bahnhof zu Bahnhof zu Bahnhof. Die S-Bahn fährt mit durchschnittlich 40 km/h. Deshalb ist man in 15 Minuten von Dietikon in Zürich. Und deshalb muss die Limmattalbahn über den Kirch- und den Bahnhofplatz und über die Poststrasse fahren.»

Peter Wettler (SP), neu

«Tram und Bus sind Feinverteiler. Sie fahren mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 km/h und bringen Fahrgäste auf die Stadt-Bahn. Die Stadtbahn fährt zum Bahnhof. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 30 km/h. Das Stadtbahn-Bahn-Prinzip lautet: von Bahnhof zu Bahnhof zu Bahnhof. Die S-Bahn fährt mit durchschnittlich 40 km/h. Deshalb ist man in 15 Minuten von Dietikon in Zürich. Und deshalb muss die Limmattalbahn über den Kirch- und den Bahnhofplatz und über die Poststrasse fahren.»

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