In Unterengstringen gehören die Platzprobleme auf der Gemeindeverwaltung bald der Vergangenheit an. Mit 605 zu 508 Stimmen haben die Stimmberechtigten einem Kredit über 8,8 Millionen Franken für einen Gemeindehausneubau an der Dorfstrasse zugestimmt. Das entspricht einem Ja-Stimmen-Anteil von 54,4 Prozent. Läuft alles nach Plan, wird das Gebäude bereits im Spätherbst 2016 bezugsbereit sein.

Verständlicherweise gross war gestern die Freude über das Ergebnis bei Unterengstringens Gemeindepräsident Peter Trombik. «Wir sind sehr glücklich. Rund 54 Prozent Ja-Stimmen sind für ein solches Sachgeschäft ein gutes Ergebnis», sagte er. Nun habe man Planungssicherheit. Zudem sei eine über zehnjährige Leidensgeschichte beendet. Trombik sprach damit den langen, mitunter steinigen Weg bis zum gestrigen Entscheid an.

Unstimmigkeiten im Vorfeld

Zwölf Jahre ist es her, dass die Stimmbürger einem Gemeinde-Dienstleistungszentrum für die politische Gemeinde, die Primarschule, die reformierte Kirchgemeinde und die Kantonspolizei bei der Freizeitanlage Büel eine Absage erteilten. Seither wurden verschiedenste Planungsarbeiten und Projekte erarbeitet, zurückgestellt oder sistiert, bis schliesslich das gestern genehmigte Vorhaben von Architektin Tilla Theus auf dem Tisch lag.

Doch auch dieses Projekt war alles andere als unumstritten. Von der Rechnungsprüfungskommission (RPK) wurde es abgelehnt. Zwischen ihr und dem Gemeinderat herrschte Uneinigkeit darüber, welche Auswirkungen der Bau eines neuen Gemeindehauses auf den Gesamtsteuerfuss von heute 94 Prozent haben wird. Das führte zu teilweise heftigen Diskussion im Vorfeld der Abstimmung.

Gemäss Finanzplanung des Gemeinderats wird er bis 2018 auf 99 Prozent ansteigen. Von anderen Zahlen geht die RPK aus. Angesichts weiterer bedeutender Investitionen neben dem Gemeindehaus sowie allgemeinen Kostensteigerungen rechnet sie mit einem Gesamtsteuerfuss von rund 105 Prozent bis im Jahr 2018.

«Ich bin über den Entscheid nicht enttäuscht. Die Stimmberechtigten haben entschieden. Als RPK kann man weder verlieren noch gewinnen», sagte RPK-Präsident Ricardo Zimmermann. Wichtig sei nun, wie es mit der langfristigen Finanzplanung und dem Schuldenabbau der Gemeinde weiter gehe. Das Ja werte er nicht als Zustimmung zum Projekt selber, sondern mehr als Wunsch, die Diskussionen um das Gemeindehaus endlich zu beenden. «Ich hoffe nun auf ruhigere Zeiten in den Behörden», so Zimmermann.

Während das Projekt von der RPK abgelehnt wurde, stellten sich sämtliche Ortsparteien hinter das Vorhaben des Gemeinderates. Sowohl die SVP als auch die FDP und SP waren für ein Ja zum Neubaukredit. Sie alle halten die Platzverhältnisse auf der heutigen Gemeindeverwaltung für unzumutbar.

Mit dem Neubau wird sich dies bald ändern. Bevor aber mit dem Rückbau der Gemeindescheune begonnen wird, die dem neuen Gemeindehaus weichen muss, finden dort archäologische Grabungen statt. Denn der Kanton ist bei ersten Ausgrabungen auf Funde aus der späten Bronzezeit (ca. 1000 v. Chr.) gestossen. Die Kosten von rund 110 000 Franken für diese Arbeiten muss der Grundeigentümer, also die Gemeinde tragen. Was nach Bezug des neuen Gemeindehauses Ende 2016 mit dem alten Gebäude geschieht, ist noch völlig offen.