Dietikon
An der Cannatrade nippen selbst Grossmütter am Hanftee

Nicht nur Hanfliebhaber zieht es an die Cannatrade, auch viele Neugierige bevölkern die Stände, probieren aus, kaufen und informieren sich.

Anina Gepp
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Cannatrade
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Wer Zeit findet, spielt das Spiel Hemperium bei dem es darum geht möglichst viel Cannabis anzubauen
Mit zahlreichen Werbegeschenken locken die Standinhaber die Gäste an und erklären ihnen ihre Produkte
Für den Jointwettbewerb wird lediglich herkömmlicher Tabak verwendet
Die Aussteller erklären Interessierter ihre Produkte
An einem Tisch drehen junge Männer ihre Joints
Besonders beliebt sind kleine Zelte, in denen Cannabis angebaut werden kann
Besucher bestaunen Cannabis Zerkleinerungsmaschinen für 15 000 Franken aus Kanada

Cannatrade

Anina Gepp

Stolze 15 000 Franken kostet die Cannabis-Zerkleinerungsmaschine, die an Peter Stäublis Stand an der Cannatrade in der Dietiker Stadthalle vor sich hin rattert. Um den Fachhändler für Pflanzenaufzucht hat sich schnell eine Schar Besucher gebildet. Ein solches Hightech-Gerät haben sogar passionierte Cannabiskonsumenten noch nicht gesehen. «Oben ganze Pflanzen eingeworfen, kommen unten die Blätter schön gehackt raus», erklärt Stäubli seinen Zuhörern. Acht Jahre lang hätten Kanadier geforscht, um das Gerät zu optimieren. Trotz des hohen Preises habe er schon Dutzende davon verkaufen können, sagt er. Melvin Huber, der sich selbst als leidenschaftlicher Kiffer bezeichnet, ist entzückt. «Ich träume von nun an wohl jede Nacht davon, ein solches Teil zu besitzen», sagt er.

Ebenfalls beliebt sind bei den Besuchern der Hanfmesse kleine Zelte für die Marihuanaaufzucht. «Solange man darin nur für den Eigenbedarf anbaut, stört das nicht einmal die Behörden», sagt Stäubli. Sogar auf Youtube gebe es Anleitungen, wie die Pflanze darin am besten gedeihe. Bei aller Liebe zur Cannabispflanze ist Stäubli dennoch für eine Altersbeschränkung der Droge. «Man weiss, dass unser Hirn erst mit 20 Jahren vollkommen ausgereift ist. Vorher macht daher auch Cannabiskonsum keinen Sinn.»
Bereits seit 13 Jahren im Geschäft ist Theo Tekstra. Er ist aus Holland angereist, um den Schweizern seine Produkte in Dietikon schmackhaft zu machen. «Die Schweizer sind zwar zurückhaltend, dafür aber freundlich und korrekt», sagt er. Er wolle seine Kunden davon überzeugen, lieber in gute und dafür etwas teurere Produkte zu investieren. Das sei aber gar nicht so einfach: «Da es in der Schweiz noch immer illegal ist, Cannabis zu konsumieren und anzubauen, ist es vielen Leuten zu riskant, teure Geräte anzuschaffen», so Tekstra.

Die Nachfrage bei Gästen der Cannatrade zeigt: Interessiert an den Produkten sind sie zwar alle, kaufen wollen aber nur die wenigsten etwas. Edwin Soler besucht die Messe mit seiner Grossmutter Nelly Britt, die gerade das erste Mal an einem Hanfeistee nippt. «Wir kennen uns mit Cannabis nicht aus und sind aus reiner Neugierde hier», so Soler. Die Messe sei mehr etwas für Kenner, von vielen Produkten habe er keine Ahnung, wofür sie gut seien. Dennoch nimmt der Zürcher etwas von der Cannatrade mit: «Ich kann jetzt künftig mitreden, wenn es um die Legalisierung von Cannabis geht. Eine solche Messe ist der ideale Ort, um Ängste abzubauen.»

Die grösste Tüte gewinnt

Bis auf ein paar Cannabisrauchende auf der Wiese vor der Stadthalle kommt man an der Messe in Dietikon nie in direkten Kontakt mit der Pflanze. Wer dennoch einmal probieren möchte, wie Cannabis schmeckt, verköstigt sich an einem Imbissstand. Dort gibt es Käse, Würste, Schorle und Likör mit Hanf zu kaufen.
Neben den rund 70 Verkaufsständen werben zudem diverse Schweizer und deutsche Verbände für die Legalisierung von Cannabis. Auch Kleidung, Kunst und Zeitschriften werden angeboten. Zur Unterhaltung ist zudem ein Spieltisch eingerichtet worden, an dem das Gesellschaftsspiel Hemperium gespielt wird. Ziel dabei ist es, als Hanfzüchter seine Plantage immer mehr zu vergrössern. Einen Tisch weiter rollen junge Männer ihre Joints. Obwohl dafür einmal nur Tabak anstatt Marihuana verwendet wird, haben die Wettbewerbsteilnehmer ihren Spass an der Sache. Zum Sieger erkoren wird derjenige, der die schönste und grösste Tüte fertigt.