Es mag am grenzenlosen Vertrauen des jungen Lernenden liegen, oder an der Nachfrage nach auszubildenden Fachkräften in seiner Branche. Auf jeden Fall gibt der angehende Gebäudetechniker nach ein paar Minuten des Erklärens den Schlieremer Sekundarschülern Mehmet und Dario seinen Schweissapparat in die Hand. Die beiden 15-Jährigen bekommen eine Schweisserbrille aufgesetzt und verschmelzen unter sprühenden Funken und der Anleitung ihres jungen Mentors die ersten Metallteile ihres Lebens.


Eigentlich hatte nur Mehmet vor, an der Zürcher Berufsmesse das Metier der Gebäudetechnik näher zu betrachten. Ihm schwebt eine Lehre als Fachmann Betriebsunterhalt oder Detailhandelsfachmann für nächsten Herbst vor. Dario interessiert sich für den Logistikerberuf. Doch die Faszination des Funken speienden Geräts und die Begeisterung der Sanitär-, Wärmesystemfachmann- und Spenglerlehrlinge lässt auch ihn die anderen Stände vergessen.

Einen Beruf kennenzulernen, mit dem sie sich bisher noch nicht beschäftgt haben, war eine der Aufgaben, die das Lehrerinnenteam Natalie Thomma und Anna Stämpfli den Kalktarren-Schülerinnen und Schülern für ihren Gang durch die Berufsmesse stellte. In den letzten Jahren hätten sich die Interessen der Drittsek-Schüler auf weniger Berufsfelder reduziert als früher, sagt Stämpfli. Es sei deshalb wichtig, dass sie die Berufsmesse nutzten, um sich ein breites Bild zu machen, was es ausser ihren Favoriten da draussen sonst noch für Berufe gibt.

Die Schlieremer Sekundarschüler zeigen an der Zürcher Berufsmesse grosses Interesse am Stand der Gebäudetechnik.

Die Schlieremer Sekundarschüler zeigen an der Zürcher Berufsmesse grosses Interesse am Stand der Gebäudetechnik.


An der jährlichen Berufsmesse, die noch bis Samstag in der Messe Zürich in Oerlikon stattfindet, präsentieren 130 Berufsverbände, Firmen und Schulen 540 berufliche Grundbildungs- und Weiterbildungsangebote. «Ich hoffe, die Schüler können an den Messeständen Kontakte zu Branchenvertretern knüpfen. Auf diese Art können sie die Kontaktperson direkt anschreiben bei der Bewerbung», sagt Anna Stämpfli. Die Schüler hätten im Unterricht Gelegenheit gehabt, Firmen ihres Wunschberufs auf der Webseite der Berufsmesse zu suchen, damit sie diese an der Messe gezielt ansteuern können.


Das Anliegen der Lehrerinnen hat sich Eduart hinter die Ohren geschrieben. «Ich suche eine Lehre in der Gebäudetechnik, etwa als Heizungsinstallateur.» Er möchte vom Lehrling alles über Ausbildungsgänge, Arbeitszeiten und Schulfächer erfahren. «Im ersten Lehrjahr ist die Schule noch einfach, aber ab dem zweiten wird es schwieriger», prophezeit ihm der Befragte.


Der Polizeiberuf fasziniert


Um ein in der Messehalle ausgestelltes Auto der Stadtpolizei Zürich hat sich eine ganze Traube von Schülern und Schülerinnen gebildet. «An den Beruf der Polizistin haben wir bisher noch gar nicht gedacht. Nachdem wir den Stand entdeckt haben, interessieren Agnesa und ich uns beide dafür», sagt Samantha. Die Bewerber müssten aber schon eine abgeschlossene Lehre vorweisen können, deshalb sei der Polizeiberuf wohl eher etwas für später.

Auch beim Stand der Bäcker, der Chemielaboranten, der KV-Lehre und der Pflegeberufe schauen die Freundinnen vorbei. «Können Sie gute schulische Leistungen vorweisen?» Fragt die Dame am KV-Stand. Als Agnesa bejaht, ermutigt sie die Kauffrau, sich für die KV-Richtung «Information-Kommunikation-Administration» zu bewerben.

Aber auch der Optiker-Stand interessiert Agnesa. Bald hat sie ein Vorstellungsgespräch als Optikerlernende. Samantha hingegen könnte sich eine Lehre als Fachperson Betreuung vorstellen. Danach könnte die Stadtpolizei Zürich eine Bewerbung von ihr erhalten.