Die Staatsanwaltschaft hatte den 40-jährigen Kosovo-Albaner wegen Vergehens gegen das Ausländergesetz mittels Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 8000 Franken sowie 1600 Franken Busse verurteilt. Das liess er nicht auf sich sitzen. Er nahm sich einen Anwalt und so kam es zu einer Verhandlung vor Einzelrichter Bruno Amacker. Der Beschuldigte – ein stattlicher Mann mit Stiernacken – hat das nur noch kläglich spriessende Haupthaar zur Vollglatze rasiert. Umso üppiger wuchern dafür Haare auf Wange, Kinn und Hals.

Der Mann, geschieden und Vater zweier Kinder, in verschiedenen Branchen tätig, bezeichnet sich als «Allrounder». Unter anderem betreibt er einen Dart-Club. Im selbigen hatte sich im Oktober vergangenen Jahres eine Albanerin aufgehalten. Nachdem ein Clubmitglied, das mitunter auch als Aushilfe für den Chef einspringt, die Frau eines Tages verdächtig nahe an der Clubkasse gesichtet hatte, warf er sie aus dem Lokal. Die Frau war zur Polizei gelaufen und hatte den Mann angezeigt, sie geschlagen zu haben. Bedeutend interessanter als dies erschienen den Beamten die Aussagen der Frau, sie habe im Club als Service- und Putzkraft gearbeitet. Der Clubbetreiber habe sie hierfür aus Albanien in die Schweiz kommen lassen, ihr die Reise, eine Hotelunterkunft und 200 Franken Lohn bezahlt. Damit hatte die Frau nicht nur den Chef in die Bredouille gebracht, sondern auch sich selber, waren doch weit und breit weder eine Arbeitsbewilligung noch ein Visum der Frau in Sicht. Entsprechend wurde sie verurteilt und unverzüglich zurück in ihr Heimatland spediert.

Die falschen Zeugen?

Und ihrem Chef war besagter Strafbefehl ins Haus geflattert. Im Hinblick auf die Verhandlung am Bezirksgericht Dietikon hatte sein Anwalt die Einvernahme von zwölf Entlastungszeugen beantragt. Gerichtspräsident Bruno Amacker hatte – nicht zuletzt weil die Zeit knapp war – nur drei aufgeboten. Dies sehr zum Unmut des Anwalts, besonders weil die in seinen Augen entscheidenden Zeugen nicht darunter waren. Das aufgebotene Trio, ein 33-jähriger Lagerist, ein 32-jähriger Metallbauer und ein 38-jähriger Maler, bezeugten einstimmig, die Albanerin zwar im Club gesehen zu haben, doch nie arbeitenderweise. Sie habe an der Bar etwas getrunken, manchmal Darts gespielt und diskutiert. «Der Chef hatte wohl ‹es Gschleik› mit ihr», mutmasste einer. Der Chef, also der Beschuldigte, bezeichnete die Frau vor dem Richter als «Freundin und Touristin auf Besuch».

Zudem habe er ihr mehrfach gesagt, dass sie einen Schweizer heiraten müsse, wenn sie hierbleiben wolle. Ursprünglich habe er gegenseitige Zuneigung nicht ausgeschlossen gehabt, «aber sie war nur aufs Geld aus und hat andere Männer aufs Hotelzimmer, das ich bezahlt hatte, genommen».

Zu wenige Beweise

Der Verteidiger hielt abschliessend fest, sein Mandant sei sich sehr wohl bewusst gewesen, dass die Frau hier nicht arbeiten durfte. Überdies sei die Konfrontations-Einvernahme seines Mandanten mit der Frau juristisch nicht korrekt abgelaufen.

Seinem Antrag auf Freispruch folgte der Gerichtspräsident Bruno Amacker. So konnte nicht bewiesen werden, dass die Dame tatsächlich im Club gearbeitet haben soll.