Mit ganzer Kraft dreht Melina den Handbohrer in den abgesägten Baumstamm. «Ist das anstrengend», keucht sie. Doch als Jahrringforscher Daniel Nievergelt ihr anbietet, die Entnahme der Baumprobe zu Ende zu führen, lehnt sie ab: «Das schaffe ich schon noch.» Die elfjährige Melina und ihre Freundin Dominique, die den abgesägten Stamm von der Gegenseite anbohrt, sind zwei der Mädchen, die sich gestern in der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) als Wissenschaftlerinnen üben konnten.


Im Rahmen des nationalen Zukunftstages fanden sich 38 Schülerinnen und Schüler in der Forschungsanstalt in Birmensdorf ein. «Am Zukunftstag können unsere Angestellten ihre Kinder mitbringen, damit sie Einblick in unsere überwiegend naturwissenschaftlichen Berufe erhalten», sagt Reinhard Lässig, Medienverantwortlicher der WSL.

Dazu seien jährlich 15 Plätze für Mädchen reserviert, die sich über das nationale Programm «Mädchen-Technik-los» anmelden. Auf derselben Internetseite können sich Knaben zum Schnuppertag als Pfleger und Mädchen als Informatikerinnen anmelden. Schülerinnen und Schüler sollen am Zukunftstag Einblick in Berufe erhalten, die von ihren Geschlechtsgenossen traditionell weniger häufig ergriffen werden.

Melina und Dominique entnehmen eine Baumprobe, um die Jahrringe zu zählen.

Melina und Dominique entnehmen eine Baumprobe, um die Jahrringe zu zählen.

Zukunftstag am Forschungsinstitut für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf.

Mädchen unter sich


Melina und Dominique haben der Fichte ihre Proben entnommen und zählen mithilfe des Mikroskops die Jahrringe des Baums. Neben ihnen späht die 12-jährige Jana durchs Mikroskop. «Ich möchte eines Tages wie mein Vater hier an der Forschungsanstalt arbeiten», sagt sie.

«In einer reinen Mädchengruppe leben Mädchen ihre Interessen spontan und uneingeschränkter aus», sagt Beate Kittl, die seitens der WSL den Tag organisiert hat. Mädchen repräsentieren gemäss Kittl eine noch nicht erschlossene Gruppe von zukünftigen Fach- und Führungspersonen in Berufen der Naturwissenschaften und Technik.

In der zweiten Hälfte des Vormittags kommt Leben unter das Mikroskop der Schülerinnen. Marco Walser und Doris Schneider aus den Einheiten Bodenschutz und Walddynamik lassen die Mädchen Bodenproben nach Käfern, Maden und Spinnen durchsuchen, die sie anschliessend in vielfacher Vergrösserung betrachten. Penibel untersuchen sie jeden Krümel Erde, kein Tierchen soll sich vor dem Mikroskop drücken können. Auch der Tausendfüssler nicht, der hofft, sich unbemerkt aus dem Glasschälchen stehlen zu können.