Birmensdorf
Am Wüeriplatz kämpfen die Grossisten auf engstem Raum um die Kunden

Zwei Grossisten bedienen in Birmensdorf rund 6000 Einwohner in unmittelbarer Nachbarschaft am Wüeriplatz. Da stellt sich die Frage, ob die Rechnung für beide Konkurrenten aufgehen kann.

Florian Niedermann
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Die Kommunikationsabteilungen der beiden Grossisten halten sich bedeckt: Zu den Umsatzzahlen gebe man keine Auskünfte, heisst es auf Anfrage. Seine Filiale liege «in einem Top-Quartier», führt Coop immerhin aus. Und von der Genossenschaft Migros Zürich erfährt man, dass sich die Filiale seit ihrer Eröffnung 2010 «gut etabliert» habe.

Eine Umfrage bei Kunden vor Ort zeigt, dass die Bevölkerung die Nähe der beiden Anbieter schätzt. «Ich nutze beide Läden. Deshalb bin ich froh, dass dazwischen kein langer Fussweg besteht», sagt die in Birmensdorf wohnhafte Bushra Waraich. Das Nebeneinander von Coop und Migros sei gut, weil man bei den gleichen Produkten das günstigere Angebot auswählen könne.

Auswärtige schätzen Nähe

Einige Kunden gehen zu Coop, um dort Markenprodukte zu kaufen. So etwa auch Colette Eberli. Die Wettswilerin erklärt, dass es gerade für Auswärtige angenehm sei, dass die beiden Grossisten in Birmensdorf auf so engem Raum vorfinde. Renzo Albisetti, der in unmittelbarer Nähe zum Wüeriplatz wohnt, ist froh, dass er nur kurz über die Strasse gehen muss, und dort seine Lieblingsprodukte beider Anbieter findet.

Als er aus der Migros kommt, trägt er ein Nussbrot in der Hand: «Dafür gehe ich immer in die Migros», sagt Albisetti. Im Coop decke er vor allem seinen Bedarf an Fleisch. Dazu sei es praktisch, dass man dort auch alkoholische Getränke erhalte: «Wenn wir grillieren, kaufe ich oft im Coop noch ein paar Flaschen Bier.» Die landläufige Annahme, dass sich die Schweizer Bevölkerung in zwei Gruppen - die der Coop- und die der Migroskunden - aufteilt, bestätigte sich in Birmensdorf also nicht.

«Coop macht wohl mehr Umsatz»

Zur Konkurrenzsituation der beiden Grossisten am Wüeriplatz hat sich der in Birmensdorf lebende Betriebsökonom Ernst Welti Gedanken gemacht. «Coop macht hier mehr Umsatz», vermutet er. Dass die Migros ebenfalls eine Filiale führe, liege wohl an der generellen Konkurrenzsituation der beiden Anbieter in der Schweiz. «Sie mussten nachziehen, auch wegen des Service-Gedankens», sagt der 57-Jährige.

Welti sähe ein grosses Potenzial für den Genossenschaftsdetaillisten, wenn er die Bevölkerung mit Verkaufswagen wie zu Duttweilers Zeiten beliefern würde. «Die Dorfbevölkerung ist überaltert. Viele wären froh, wenn sie den Weg ins Zentrum nicht auf sich nehmen müssten», so Welti.

Vom Angebot beider Grossisten profitieren derzeit im Limmattal auch die Gemeinden Dietikon, Geroldswil, Oberengstringen und Schlieren. In Urdorf besteht derzeit nur eine Migrosfiliale, mit der Erweiterung des Zentrums Spitzacker kommt aber auch Coop in die Gemeinde. Die Gemeinden Weiningen, Oetwil, Uitikon und Aesch teilen sich Spar und Volg untereinander auf. In Unterengstringen und Bergdietikon würde für die Grossisten Expansionspotenzial bestehen - dort fehlt dieses Angebot gänzlich. Ob Migros oder Coop dort weitere Filialen planen, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden: Man gebe über die Geschäftspolitik keine Auskunft, hiess es auf Anfrage.