«Einige meiner Kunden wissen nicht, dass ich male. Sie kennen mich nur als Coiffeur», sagt Beat Banz. Genau wie seine Bilder erfasse man auch ihn, den Künstler, nicht auf Anhieb. Aus dieser zweiten Identität macht er aber keinen Hehl. Eines seiner Bilder nonchalant unter den Arm geklemmt, taucht der Coiffeur mit den blondierten Haarspitzen und dem beherzten Händedruck in der Stadtbibliothek Dietikon auf. Hier wird er ab Samstag zwei Monate lang eine Auswahl seiner surrealen Bilder ausstellen.

«In Dietikon könnte es besser nicht sein», sagt Banz. Hier ist der 59-Jährige aufgewachsen, hier hat er die Lehre gemacht und hier wohnt er noch heute. Eigentlich wollte er ja Schriftenmaler lernen, fand wegen der Rezession im Jahr 1976 aber keine Lehrstelle. Sein Plan B: eine Coiffeurlehre. Der Plan ging auf – und Banz in seinem Beruf. «Ich habe noch das klassische Handwerk gelernt», erzählt er. «Anders als die heutigen Billig-Coiffeure, die nur rasieren können.»

Mit Gölä auf Tournee

Seit 18 Jahren arbeitet Banz im Friseursalon am Kronenplatz. Davor packte er ein Jahr lang als Bühnenbauer mit an, ging mit Gölä auf Tournee, bis der Rücken nicht mehr mitmachte.
Nun arbeitet Banz vor allem mit seinen Händen. Haare schneiden mit der rechten, Rasieren mit der linken. Auch Malen tut Beat Banz mit links. Geradezu mühelos wirkt der Duktus, wenn man sein Bild «Wasserfall» näher betrachtet. Es ist eines von 20 Bildern, die Banz für die kommende Ausstellung anfertigte. «Ich habe eine ruhige Hand», sagt er und fährt den gemalten Linien entlang, ohne sie zu berühren. Er sei ein eher zurückhaltender Typ, sagt Banz von sich selber. Einer, der gut zuhören könne.

Er malt jeden Abend

Zuhören, das gehört zu Banz’ Beruf dazu. Aus dem ganzen Limmattal nehmen Menschen vor ihm auf dem Sessel Platz, lassen ihn Farbe und Form in ihre Haare bringen – und füllen den Salon dabei mit Geschichten. «Mit der Kunst verarbeite ich das, was ich den Tag lang zu sehen und zu hören kriege», sagt Banz. Er male jeden Abend, meist an mehreren Bildern gleichzeitig. «Mal lege ich ein Bild beiseite, nehme ein anderes hervor und arbeite an diesem weiter», fasst er seine Arbeitsweise zusammen. Leinwand und Acrylfarben stünden immer bereit. Auch mit Öl hat Banz schon experimentiert. Doch die Technik erwies sich als unvereinbar mit seiner Devise, Bilder so lange zu übermalen, bis er zufrieden ist. «Ölfarben trocknen zu langsam», sagt Banz. Da erinnert er sich an eine Episode und muss schmunzeln: «Mein Besuch wunderte sich einmal, wo ein bestimmtes Bild geblieben sei. Dabei hing es noch an derselben Wand – ich hatte es inzwischen übermalt.»

Die Parallele zum Haareschneiden

Banz’ Stil orientiert sich an jenem Salvador Dalís, der wohl bekannteste Surrealist des 20. Jahrhunderts. «Es ging lange, bis ich den Surrealismus drauf hatte», so Banz. Wenn ihm jemand den Auftrag gäbe, ein Bauernhaus zu malen, dann könnte er das zwar auch. «Aber das ist nicht mein Ding. Ein solches Bild ist kein Banz.» Die Betrachter seiner Bilder sollen reflektieren, was sie sehen. Er selbst erkenne auch erst am Schluss, was er gemalt habe. Dafür trete er jeweils ein paar Schritte zurück und besehe sich sein Werk. «Dasselbe wie nach dem Haareschneiden», sagt Banz und lacht.

Der Dietiker Künstler und Coiffeur Beat Banz wird in Dietikons Stadtbibliothek am 1.9. seine Vernissage mit dem Titel "Surrealismus in Acryl" eröffnen. Die LiZ traf ihn vorab zum Portrait-Gespräch. 13.08.18

Detailaufnahme des Bildes «Wasserfall» (Acryl auf Leinwand) des Dietiker Künstlers und Coiffeurs Beat Banz.

Der Dietiker Künstler und Coiffeur Beat Banz wird in Dietikons Stadtbibliothek am 1.9. seine Vernissage mit dem Titel "Surrealismus in Acryl" eröffnen. Die LiZ traf ihn vorab zum Portrait-Gespräch. 13.08.18

Den Sinn für die Kunst, den hat man oder eben nicht, so Banz. «Kunst muss in einem drin sein.» Er habe sich als Kind etwa nie für Bauklötze interessiert, immer nur für Stifte. Banz’ erste Malversuche erfolgten Mitte der 1990er-Jahre, nach der Trennung von seiner Ex-Partnerin, mit der er einen Sohn hat. «Die Bilder von damals sind düster. War auch eine schwierige Zeit.» Heute malt Banz hell, mit vielen Farben. «Meine Bilder spiegeln immer auch mich wieder», erklärt Banz. «Wer mich kennt, der erkennt auch meine Bilder, wenn er sie sieht.»

Herzstück seiner Ausstellung wird der «Engel» sein. Insbesondere an diesem 1,9 Meter hohen Bild zeigt sich, wie anhaltend Banz’ Passion für das Malen ist: Er hat ganze zehn Jahre lang daran gearbeitet.