Seifedin krabbelt aus dem hellblauen Renault Twizy. Der 10-Jährige hat eben eine Probefahrt mit diesem Elektroauto hinter sich, das aussieht wie ein Töff auf vier Rädern. Er ist begeistert: «Ein solches Auto möchte ich mal, wenn ich gross bin. Dafür muss ich aber noch viel sparen, hat meine Mutter gesagt.»

Ideal als Zweitwagen

Wer sich für ein Elektroauto interessiert, hatte in Schlieren am «Tag der Elektromobilität» Gelegenheit, anlässlich einer Probefahrt die neusten Modelle zu testen und zu vergleichen. Fachleute von EKZ und e’mobile, einer Fachgesellschaft des Verbands Electrosuisse, beantworteten Fragen zu Reichweite, Ladeinfrastruktur, Stromproduktion, Fahrleistung und Kosten.

Leise seien die Fahrzeuge, hört man immer wieder von den Testpiloten. Für Urs Schwegler, Vertreter von e’mobile und Organisator der Ausstellung, sind die Reaktionen des Publikums wenig überraschend. Er ist überzeugt, dass es solche Ausstellungen braucht, um der Akzeptanz der Elektromobilität Schub zu verleihen.

«Wenn man die Kunden von den Vorteilen der Elektro- oder Hybridtechnologie überzeugen kann, ist der Kaufentscheid nicht mehr nur eine Frage des Preises», sagt er und ergänzt: «Das Elektroauto ist ideal als Zweitwagen oder für Firmen, die über eine Fahrzeugflotte verfügen.»

Solarstrom vom Dach für die Autobatterie

Solarstrom vom Dach für die Autobatterie

«Man hört nichts als den Wind»

Auch der Schlieremer Stadtrat Stefano Kunz könnte sich gut vorstellen, beim nächsten Autokauf auf ein Elektroauto umzusteigen: «Man hört nichts als den Wind. Das ist verblüffend.» Die Ruhe beeinflusse auch das Fahrverhalten, sagt Kunz, der es in Sachen Autos gerne etwas sportlich hat. In dieser Hinsicht habe er seine Vorbehalte gegenüber Elektroautos revidieren müssen.

Für die Stadt Schlieren sei Nachhaltigkeit ein wichtiger Faktor, sagt der Stadtrat. Es sei daher naheliegend, sich auch mit dem Thema Energie und Mobilität auseinanderzusetzen. «Die Gemeinden haben eine Vorbildfunktion. Tragfähige Lösungen können wir aber nur gemeinsam mit den Anbietern und den Nutzern finden.» Die Stadt Schlieren, die selber sowohl Elektro- als auch Gasfahrzeuge besitze, habe daher gerne Hand geboten für die Durchführung dieser Ausstellung, welche durch ein Branchentreffen aus Vertretern von Wirtschaft, Politik und Verwaltung ergänzt wurde.

Herausforderung für Feuerwehr

Einem anderen Aspekt der Elektromobilität widmet sich an diesem Tag die Feuerwehr der Stadt Schlieren. Sie lässt sich über die Besonderheiten informieren, die es bei der Bergung von Unfallfahrzeugen mit Elektromotor zu beachten gilt. «Geht man mit einer Trennscheibe dahinter, muss zuerst der Strom unterbrochen werden», erklärt Urs Schwegler. Und dafür, sagt er, müsse erkenntlich sein, ob es sich um ein Elektroauto handle. «Heute sehen diese Modelle oft aus wie ganz normale Autos».

Feuerwehrkommandant Beat Ernst schätzt die Gelegenheit, den Modellen auch mal unter die Motorhaube schauen zu können. «Das orange Stromkabel ist zwar genormt, aber der wichtige Trennungsschalter ist bei jedem Auto an einem anderen Ort. Wir nutzen die Chance, uns über die Typen und Modelle zu informieren.»

Die Schlieremer Feuerwehr informiert sich für den Notfall

Die Schlieremer Feuerwehr informiert sich für den Notfall

Dem Elektroauto gehöre die Zukunft

Immer wieder hört man von Besuchern die Frage nach der Reichweite der Batterie. Und genau da hat der Schlieremer Karl Pinkas seine Vorbehalte: «Für mich muss ein Auto mit einer Tankfüllung durch die ganze Schweiz und wieder zurück fahren können.» Auch frage sich niemand, woher den der Strom komme, meint er skeptisch. «Alle wollen Strom aber niemand ein AKW.»

Thomas Reckziegel ist da ganz anderer Meinung. Der Besucher glaubt an die alternative Stromerzeugung und ist überzeugt, dass die Zukunft dem Elektroauto gehört. «Es produziert keinen Feinstaub und trägt nicht zur Klimaerwärmung bei», sagt er. Auch Stadtpräsident Toni Brühlmann, meist mit dem Velo unterwegs, hat eine Probefahrt im Elektroauto absolviert: «Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man keine Schadstoffe produziert, wenn man sich fortbewegt.»