Dietikon
Am Stammtisch wird über die Identität eines Stadtteils verhandelt

Am Stammtisch des Quartiervereins Limmatfeld sucht man den Zusammenhalt. Ziel des Quartiervereins Limmatfeld ist es, künftig regelmässige Aktivitäten und Anlässe in der Nachbarschaft zu organisieren.

Franziska Schädel
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Andrea Planta (links) und Sasa Karalic im Gespräch in Anna’s Lounge.

Andrea Planta (links) und Sasa Karalic im Gespräch in Anna’s Lounge.

Franziska Schädel

Anna’s Lounge an der Grünaustrasse im Dietiker Limmatfeld ist weihnächtlich geschmückt. Kerzen leuchten, Christbaumkugeln glänzen. Wie immer am letzten Donnerstag im Monat ist hier Stamm des Quartiervereins Limmatfeld. Sasa Karalic freut sich über die mediale Aufmerksamkeit und sagt: «Schade, sind Sie nicht letzten Monat gekommen, da fanden am Tisch kaum alle Platz.»

Der Quartierpräsident weiss: Gut Ding will Weile haben. «Wir haben noch viel Aufbauarbeit zu leisten», sagt er. Bisher sei es vor allem um organisatorische Fragen gegangen, um Statuten, Mitgliederwerbung und den Aufbau einer Homepage. Ziel des Vereins sei es, künftig regelmässig Veranstaltungen im Quartier zu organisieren.

Sasa Karalic ärgert sich, wenn er in der Zeitung liest, der Rapidplatz sei unbelebt. «Es braucht Zeit, bis ein neuer Stadtteil eine Identität entwickelt. Wir wollen mit unserer Arbeit den Aufbau eines lebendigen, wohnlichen und zukunftsorientierten Quartiers fördern.»

Seit kurzem trägt der Rapidplatz in Dietikon glitzernde Weihnachtsmode.

Seit kurzem trägt der Rapidplatz in Dietikon glitzernde Weihnachtsmode.

Flurina Dünki

Auch Andrea Planta, der inzwischen dazugestossen ist, wünscht sich, dass der Rapidplatz ab und zu für einen Anlass genutzt wird, für ein Konzert etwa oder für einen Markt. «Warum spielt die Stadtmusik nicht einmal bei uns?», fragt er rhetorisch in die Runde. Vor einem Jahr ist er aus dem ländlichen Zürcher Unterland in den Limmat Tower gezogen. Aus luftiger Höhe hat er den Weihnachtsbaum auf dem Rapidplatz fotografiert und zeigt sein Handy in die Runde. «Nach meiner Pensionierung wollte ich urban leben. Hier habe ich alles in nächster Nähe, den Bahnhof, den Bus, den Arzt, die Lebensmittelgeschäfte.» Nur das kulinarische Angebot sei noch etwas dürftig, bedauert er. Viel Kontakt habe er noch nicht gefunden; das Leben im Tower sei recht anonym. Darum entschied er sich, dem Verein beizutreten.

Sasa Karalic ist in Dietikon aufgewachsen. «Für mich war immer klar, dass ich nicht stundenlang pendeln möchte. Dort, wo ich arbeite, will ich auch wohnen.» Als er nach dem Studium eine Stelle in der Silbern fand, sei der Entscheid, im Limmatfeld zu wohnen, naheliegend gewesen.

Glühwein schweisst zusammen

Das Gespräch am Stammtisch dreht sich um das missliche Parkregime im Quartier, um fehlende Abfallkübel und um die geplanten Vereinsaktivitäten. «Es kann doch nicht sein, dass Besucher nirgends ihr Auto für längere Zeit parkieren können», sagt Planta, und Karalic ergänzt: «Wenn wir als starker Verein auftreten, haben wir mehr Gewicht und die Chancen stehen besser, dass wir unsere Anliegen durchsetzen können.»

Am 14. Januar wird der Quartierverein auf dem Rapidplatz ein Zelt aufstellen und Glühwein und Fondue anbieten. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage habe gezeigt, dass sich die Quartierbewohner vermehrt solche Anlässe wünschen, sagt Karalic. «Das Quartier soll leben, es soll ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen.» Er ist sich bewusst, dass dies Zeit und Engagement braucht.

Die Wirtin bringt eine Runde Bier. «Anna’s Lounge wird meine Stammbeiz», schwärmt Andrea Planta. «Es gibt in Dietikon keine schönere Beiz und keinen schöneren Garten.»