Aus dem Keller des Ortsmuseums in Dietikon tönt ein gleichmässiges, metallisches Hämmern. Schmiedemeister Klaus Guhl dreht die glühende Eisenstange exakt um 90 Grad, versetzt ihr mit dem Hammer einen wuchtigen Schlag und dreht sie zurück, um dann einen weiteren Schlag auszuführen. Langsam aber stetig spitzt sich das Eisen zu.

Morgen Sonntag wird er die sogenannte Esse, das Schmiedefeuer, für die Museumsbesucher erneut entzünden. Guhl zeigt verschiedene Arbeitstechniken, Werkzeuge und was ein guter Schmied alles können muss. Das Handwerk ist nämlich nicht so einfach, wie es aussieht: «Ein Schmied muss wissen, wie heiss das Eisen ist, das erkennt man an der Glühfarbe. Das Schmieden braucht Kraft und Präzision», erklärt der Schmiedemeister, der nächstes Jahr seinen 80. Geburtstag feiert.

Maschinen sind über 100 Jahre alt

Bereits das Befeuern der Esse ist eine Kunst für sich. Mit einem Streichholz und ein paar Fetzen Karton entzündet Guhl eine Flamme und setzt den Ventilator in Gang, der den Steinkohlen Luft zuführt: «Die Kohlen würden sonst ausgehen.» Die Glut wird etwa 1400 Grad heiss.

«Je nachdem, wie massiv das Stück ist, das man bearbeitet, verwendet man unterschiedliche Hämmer», so der Schmied. «Ein Vorschlaghammer kann bis zu fünf Kilo schwer sein - um damit ein Eisen zu formen, braucht es einen kräftigen Burschen», sagt Guhl. Ebenfalls im Museum vorhanden ist ein Federhammer, mit dem massivere Stücke bearbeitet werden können.

Ein Elektromotor bringt einen elastischen Arm zum Schwingen, an dessen Ende der Hammerkopf befestigt ist, der auf das Eisen einschlägt. Auch eine Bohrmaschine kann in der Ausstellung bewundert werden. Die Geräte sind über 100 Jahre alt, aber noch funktionstüchtig.

Mit 14 Jahren bereits geschmiedet

Guhl kommt ursprünglich aus Norddeutschland. Mit 14 Jahren hat er die dreijährige Schmied-Lehre begonnen - zehn Jahre später hatte er dann genug Erfahrung, um die Meisterprüfung zu absolvieren. Seinen Beruf übte er bis 35 aus. Guhl hatte keine eigene Schmitte - so wird der Schmiederaum genannt.

Diejenige seines Vaters hatte sein Bruder übernommen. So wanderte er als Schmied-Geselle umher und landete schliesslich in der Schweiz.

Das Ortsmuseum Dietikon hat die Schmitte von einer 1985 aufgelösten Dietiker Werkstatt übernommen. «Sie hatten eine Schmitte, aber niemanden, der Schmieden konnte», erzählt Guhl. So fiel ihm die Aufgabe zu, an den antiken Geräten das Eisen in Form zu bringen. Das Handwerk führt er regelmässig den Museumsbesuchern vor.

Rennpferde brauchen Turnschuhe

Die Schmiede haben heute weniger Arbeit als früher. «Aber auch heute noch werden Hufeisen von Schmieden hergestellt und den Pferden ans Huf genagelt», sagt Guhl. Es habe schon Versuche mit Klebstoff gegeben, dies habe aber nicht funktioniert: «Der hintere Teil des Hufs spreizt sich, wenn das Pferd am Boden aufsetzt, deshalb löst sich das Hufeisen, wenn es angeleimt ist», erklärt der Schmied.

«Das Hufeisen wird nur am vorderen Teil des Hufs mit Nägeln befestigt, so kann es sich verformen.» Weiterentwicklungen hat es trotzdem gegeben. «Bei Rennpferden macht man die Hufeisen aus Aluminium, damit sie leichter sind - ähnlich wie ein Turnschuh bei einem Läufer», sagt Guhl.