Am Schlieremer Bahnhof herrscht ein massiver Mangel an Veloabstellplätzen: Den derzeit etwas über 100 «Bike and Ride»-Plätzen auf der Nord- und Südseite des Bahnhofs steht heute ein Bedarf nach rund 536 Plätzen gegenüber, wie die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) im kürzlich verabschiedeten Konzeptpapier «Bike and Ride in der Region» aufzeigt.

Gemäss Berechnungen der Gruppe dürfte der Bedarf bis 2030 nochmals um knapp 30 Plätze ansteigen. Das Fazit der ZPL: In Schlieren müssen rund 460 zusätzliche Abstellplätze bereitgestellt werden.

Das sind drei Viertel der gut 600 Veloplätze, die es laut der regionalen Planungsgruppe an sämtlichen Bahnhöfen im Limmattal braucht, um den heutigen und künftigen Bedarf abzudecken (siehe Tabelle). Auch am Bahnhof Dietikon ist die Nachfrage deutlich grösser als das Angebot: Hier fehlen mit den heutigen Anlagen bis 2030 gemäss Berechnungen der ZPL rund 110 Abstellplätze.

Die ZPL kommt deshalb zum Schluss, «dass die bestehenden Anlagen im Durchschnitt zwar nur knapp zur Hälfte ausgelastet, einzelne Anlage in Dietikon und Schlieren aber deutlich überbelegt sind», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Die ZPL empfiehlt den Gemeinden deshalb, «in Anbetracht des erwarteten Wachstums in der Region» zusätzliche Abstellplätze zu erstellen. Das Konzeptpapier sei den betroffenen Gemeinden abgegeben worden, heisst es weiter.

Drei Varianten für Schlieren

Neben der Bedarfsanalyse finden sich in dem Papier auch verschiedene Handlungsempfehlungen sowie konkrete Vorschläge für den Bau neuer Abstellplätze. Für Schlieren empfiehlt die ZPL drei Standorte für neue Plätze: Je einer bei der westlichen und der östlichen Unterführung sowie einer in der SBB-Überbauung, mit deren Bau diesen Frühling begonnen wird. Daneben schlägt die ZPL vor, die bestehenden Anlagen mit einer Diebstahlsicherung nachzurüsten sowie Infotafeln aufzustellen, «die auf alle Anlagen rund um den Bahnhof hinweisen».

Auch in Dietikon schweben der ZPL Info-Tafeln und die Aufrüstung bestehender Anlagen vor. Ausserdem sollen hier auf der Rückseite des Bahnhofs 80, auf der Vorderseite 30 zusätzliche Plätze entstehen. Verbindlich sind die Vorschläge der ZPL nicht. «Es handelt sich um Empfehlungen aufgrund des heutigen Zustands», sagt Otto Müller, Präsident der ZPL und Dietiker Stadtpräsident. Die Region habe sich im regionalen Richtplan den Auftrag gegeben, die Zahl der Abstellplätze bei den bestehenden «Bike and Ride»-Anlagen festzustellen und Vorschläge für die weitere Förderung solcher Anlagen zu machen.

«Mit dem Konzept unterstützen wir die Gemeinden in fachlicher Hinsicht und geben ihnen einen Input», so Müller. An der Erarbeitung des Konzepts hätten die Gemeinden auch selber mitgearbeitet.

Ob und in welcher Form die Gemeinden die Empfehlungen der ZPL umsetzen werden, ist noch offen. Für Dietikon sagt Otto Müller als Stadtpräsident: «In einem ersten Schritt werden die Vorschläge von der Stadt geprüft und dann allenfalls in die Finanzplanung aufgenommen.»In Schlieren decken sich die von der ZPL vorgeschlagenen Varianten in etwa mit der städtischen Plänen, wie Markus Bärtschiger, Ressortvorsteher Bau und Planung, sagt.

«Geplant ist eine Kombination mehrerer neuer Abstellplätze.» So wolle die Stadt zusätzliche Plätze bei der westlichen und der östlichen Unterführung schaffen, weitere kämen mit dem Bau der neuen SBB-Überbauung hinzu. «Es macht wenig Sinn, alle Velos an einem Ort zu zentrieren. Der Platz dafür ist am Bahnhof nicht vorhanden», sagt Bärtschiger.

Für wie viele Velos in den nächsten Jahren neue Abstellplätze geschaffen werden, kann er nicht sagen. «Wir werden etappenweise und im Zusammenhang mit baulichen Massnahmen vorgehen.» So werde wohl auch im Rahmen der Bahnhofplatz-Umgestaltung die Schaffung neuer Plätze diskutiert.

Bund soll mitfinanzieren

Die Finanzierung neuer Veloanlagen an den Bahnhöfen ist grundsätzlich Sache der Gemeinden. Wie ZPL-Präsident Müller sagt, wird das Konzeptpapier aber beim Agglomerationsprogramm des Kantons Zürich eingegeben. «Damit könnte sich der Bund an der Finanzierung beteiligen», sagt Müller. In Einzelfällen sei es auch möglich, dass sich die SBB an den Kosten beteiligen. «Das ist dann aber Verhandlungssache zwischen Gemeinde und den SBB.»