Wahlen
Am Podium von SP und FDP zeigt sich Einigkeit, aber wenig Profil

Auf dem Wahlpodium im Stürmeierhuus zeigten sich die Ständeratskandidaten Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (SP) versöhnlich.

David Hunziker
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Daniel Jositsch und Ruedi Noser.jpg

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Keystone

Als die Fragerunde eröffnet wurde, sprach die Schriftstellerin und Liedermacherin Erica Brühlmann-Jecklin aus, was bis zu diesem Zeitpunkt wohl bereits durch einige Köpfe gegeistert war: «Man könnte meinen, Sie alle seien von derselben Partei.» Unter den vier Vertretern von SP und FDP sehe sie vor allem Einigkeit, aber wenig Profil, meinte die Gattin des Schlieremer Stadtpräsidenten Toni Brühlmann-Jecklin, der neben ihr in der ersten Reihe Platz genommen hatte. In der Tat traten die Ständeratskandidaten Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP) auf dem Wahlpodium vom Dienstagabend im Stürmeierhuus eher als Partner in gemeinsamer Sache denn als erbitterte Gegner auf.

Mit Jositsch und Noser diskutierten der Dietiker Gemeinderat und Nationalratskandidat Olivier Barthe (FDP) sowie die Kantonsrätin Priska Seiler Graf (SP), die am kommenden 18. Oktober ihrerseits in den Nationalrat gewählt werden will.

Warten auf die Liste
Eine Uneinigkeit machte Jositsch beim Thema Bürokratie aus. Der Abbau unnötiger Gesetze und Beamtenposten schien Barthes Lieblingsthema zu sein. «Man hat manchmal das Gefühl, Beamte seien die wichtigste Berufsgruppe in diesem Land», fand er. Dieses Begehren höre er immer wieder, entgegnete Jositsch; er frage die entsprechenden Personen dann jeweils nach einer Liste mit konkreten Beispielen von Beamten und Normen, die man abschaffen könne. «Auf diese Liste warte ich bis heute.» Auch Barthe konnte ihm an diesem Abend nicht weiterhelfen, selbst nach zweimaligem Nachfragen aus dem Publikum nicht.

Moderator Andreas Schürer, Zürich-Redaktor der «NZZ», lenkte die Diskussion zuerst auf die Themen Raumplanung und Verkehr. Noser und Jositsch, die beide einst im Limmattal gewohnt haben, brachten Verständnis für die Verdichtungssorgen der Agglomeration auf. Noser und Seiler Graf hoben Schlieren als ein vorbildliches Beispiel hervor, wie sich trotz einer hohen Verkehrslast zahlreiche schöne Plätzchen erhalten lassen könnten. In Bezug auf Dietikon fügte Barthe an: «Wo in der Schweiz können Sie in einem Hochhaus wohnen und von dort auf einen Goldplatz hinunterschauen?»
Dass die Limmattalbahn die Lebensqualität in der Region noch steigern werde, da waren sich die anwesenden Politiker einig. Seiler Graf, die aus Kloten stammt, betonte die positiven Auswirkungen der Glattalbahn. Entlang der Gleise verzeichne man bedeutend mehr private Investitionen. «Wir müssen den Leuten auch die Angst vor der Verdichtung nehmen», fügte sie an. Noser nannte die Stadt Zürich als gutes Beispiel: «Damals haben 50 000 Personen mehr in der Stadt gelebt – und dennoch hat niemand von Dichtestress gesprochen.»

Weiter waren die Masseneinwanderungsinitiative und eine mögliche zweite Volksabstimmung Thema. «Ich sehe noch immer keinen Weg, wie wir aus dieser Sackgasse wieder rauskommen», sagte Seiler Graf. Jositsch verwies auf die Bedeutung der Zuwanderung: Im Kanton Zürich müssten mittlerweile bereits 40 Prozent der neuen Hausärzte im Ausland gesucht werden. Noser verwies auf die Scheinheiligkeit in Bezug auf die Zuwanderung: «Wir können nicht immer mehr bestellen und dann niemanden hereinlassen, der die entsprechende Arbeit verrichtet», so der FDP-Nationalrat.