«Wow! Hast du gesehen, wie der geflogen ist?», sagt ein Junge zu einem anderen. Die beiden stehen in ihrer Eishockeyausrüstung an der Bande der Kunsteisbahn Weihermatt in Urdorf. Sie warten auf ihren Einsatz und beobachten währenddessen die Partie zwischen dem Team Schwarz des EHC Urdorf und Lustenau, als einer der Spieler des Gastteams in einen Urdorfer fährt und nach einem spektakulären Salto aufs Eis knallt. Staunende Blicke der jungen Zuschauer an der Bande.

Solche spektakulären Stürze wie derjenige des jungen Lustenauers bleiben an diesem Sonntagmorgen beim Turnier der sogenannten Piccolos die Ausnahme. Denn die neun- bis zehnjährigen Kinder, die hier um den Puck kämpfen, spielen nicht so körperbetont wie die Älteren. Das heisst: Checks gegen den Gegenspieler, die bei den Erwachsenen oft für sehenswerte Flugeinlagen sorgen, gibt es nicht. «Das lernen sie erst später», sagt Markus Ronner, Gesamtverantwortlicher für die Abschlussturniere. «In diesem Alter sollen sie in erster Linie Spass haben.»

Unfreiwillig komische Einlagen

Spass haben auch die Zuschauer, die an diesem Sonntag ein paar Slapstickeinlagen zu sehen bekommen. Da fällt zum Beispiel ein Spieler auf dem Weg von der Bande zur Spielfeldmitte mehrmals um. Oder zwei Spieler desselben Teams legen sich im Kampf um den Puck gegenseitig aufs Kreuz. Selbst die Schiedsrichter sind nicht gefeit vor unfreiwillig komischen Einlagen.

So bleibt einer von ihnen an der Schaumstoffabschrankung hängen, welche die einzelnen Spielfelder voneinander abgrenzt, und fällt hin – zur schelmischen Freude jener Teams, die an der Bande für ihren Einsatz bereitstehen. Es sind Szenen, die man in einem normalen Eishockeyspiel nicht zu sehen bekommt.

Und auch die Regeln sind anders als sonst. Das Spielfeld wird gedrittelt, in jedem Drittel treten jeweils zwei Teams gegeneinander an. Beide Teams spielen mit je vier Feldspielern. Jede Partie dauert 21 Minuten, nach 90 Sekunden wird die Uhr jeweils gestoppt, damit die Mannschaften wechseln können. Strafen gibt es keine. «Wenn ein Spieler ein böses Foul begeht, liegt es am Trainer, ihn zu bestrafen», erklärt Ronner.

Seit fünf Jahren organisiert er die fünf Nachwuchs-Abschlussturniere, die gleichbedeutend sind mit dem Ende der Eissaison auf der Weihermatt. Insgesamt 46 Teams oder rund 650 Kinder nehmen dieses Jahr an den Turnieren teil.

Bei denen Piccolos gibt es an diesem Sonntag sogar einen Rekord: Zwölf Teams sind dabei – eine logistische Herausforderung für den Veranstalter. «Wir haben nicht mal so viele Garderoben», sagt Ronner und lacht. «Daher mussten wir uns um die Garderoben in der angrenzenden Curlinghalle bemühen.»

Dort sind an diesem Sonntag die Urdorfer einquartiert, die gleich mit zwei Teams antreten. Einige Mannschaften reisen von weither an, um auf der Weihermatt zu spielen. So Palaoro Lustenau, das erste ausländische Team, das am Piccolo-Turnier in Urdorf teilnimmt. Oder der HC Davos, der allerdings eine besondere Bedingung für die Teilnahme stellte, wie Ronner verrät: «Sie wollten die erste Partie nicht vor 9 Uhr spielen.»

Eishockey immer beliebter

Dass so viele Mannschaften am Piccolo-Turnier mitspielen, ist kein Zufall. Eishockey wird laut Ronner bei den Kindern immer beliebter. «Vor fünf Jahren, als mein Sohn mit dem Hockey anfing, hatten wir gerade mal vier Kinder in der Hockeyschule, wo die Jüngsten ihre ersten Schritte auf dem Eis machen», erinnert sich Ronner. «Jetzt sind es über 30.»

Und die Nachwuchsarbeit der Urdorfer ist vielversprechend, wie sich an diesem Sonntag zeigt. Das Team Schwarz des EHC Urdorf belegt am Ende den dritten Rang hinter dem HC Davos und dem Sieger EHC Basel. Das Team Orange, bei dem die Jüngeren mitspielten, muss dagegen mit Rang 10 vorliebnehmen. Aber es geht ja vor allem um den Spass.