Gummiboote treiben die Limmat hinunter, Schwimmer steigen aus dem Wasser und am Ufer wehren sich auch die letzten schneeweissen Arme nicht mehr gegen die Sonne.

33 Grad fürs Limmattal zeigt das Handy von Werner Wenk an, der beim alten Fährhaus neben dem Kloster Fahr steht. Gefühlt ist es noch etwas mehr. Schweiss trieft hier auch ohne Bewegung hinunter.


Reto Canziani und Toni Holdener tun so, als ob sie das nicht stören würde. Die beiden Musiker sitzen mit Handorgel und Bass im blauen Sennenhemd auf der Maurizius-Fähre und spielen Ländler.

Eigentlich sei diese Musik nicht so ihr Ding, sagt Canziani. Doch als der Wasserfahrverein Schlieren anfragte, konnten sie nicht Nein sagen. Nun verbringen sie ihren Nachmittag spielend auf der Fähre, die festlich geschmückt Passagiere von Ufer zu Ufer bringt.


Tapfere Durchhalteübung


Rote Ballone mit weissem Kreuz zieren die beiden Stege. Am Heck der Fähre prangt stolz die Schweizer Flagge, kleine Fähnchen zieren die Flanken. «Trittst im Morgenrot daher», hätten sie nicht geübt, sagen die beiden Musiker.

Trotz der Hitze schlagen sie sich tapfer und spielen ein Stück nach dem anderen. «Hallo, schöne Musik», sagt ein Schwimmer, der sich vorbeitreiben lässt.


Während die Fähre am Seil hinübergleitet, sind irgendwo hinter den Bäumen die Gebäude der Frauen sichtbar, die nach bedediktinischer Regel «das Leben lieben und den Glauben leben». Schon 1243 zeigte das Propsteisiegel ein Schifflein mit zwei eingelegten Rudern.

Erst seit den 1980er Jahren betreibt der Wasserfahrverein Schlieren die Fähre vom Frühling bis in den Herbst hinein jedes zweite Wochenende abwechselnd mit der Zürcher Seepfadi.


Idee des Wasserfahrvereins


Brennend heiss sind die Holzbänke, auf die sich das Ehepaar Schönenberger setzt. Ganz in der Nähe wohnen die beiden, sie wollen nur kurz ins Kloster rüber. Werner Wenk, Präsident des Wasserfahrvereins Schlieren, legt den Hebel um, löst das Seil am Steg und schon fährt die Fähre vom Kloster Fahr weg zum anderen Ufer.

Hinten im Heck betätigt sein Bruder Ernst Wenk das Steuerruder, es ist der gemütlichste Platz auf dem Boot, ist Wenk doch unter dem Sonnenschirm.


An Land warten nun bereits Eugen und Rosemarie Schönbucher aus St. Gallen. Sie wollen einfach kurz hin und her fahren. «Doch, doch, für den 1. August ist Ländler schon gut», sagt sie und applaudiert vor dem Aussteigen noch kurz für die Musiker.

Die beiden Männer und das festlich dekorierte Boot sind einigen Gästen ein Foto wert. Aus Holland kommt das Ehepaar van Oesch, das die Fähre mit dem Kinderwagen betritt. Grosskind Tuana ist erst sechs Monate alt und lässt sich unter dem rosaroten Sonnenschutz von der Musik nicht beeindrucken.


Sogar Lob aus Basel


Gut eine Minute benötigt die grüne Fähre mit dem Kontrollschild ZH 6030 von Ufer zu Ufer. Tapfer sind die Velofahrer, die auf der Fähre kurz verschnaufen. Auch über 30 Grad sind für sei kein Grund, sich nicht in enge schwarze Sportkleider zu zwängen.


Sogar aus Basel, der Stadt, wo «Fährimaa» ein Beruf ist, gibt es Lob für die Zürcher - dem 1. August sei Dank. «Eine super Fähre», lobt die Baslerin Brigitte Bühler, sagt «Danggscheen für die Unterhaltung» und steigt aus.