Jedes Jahr stellen sich in den Limmattaler Gemeinden Redner auf Podeste und richten ein paar Worte zur Schweiz an die versammelte Feiergemeinschaft am 1. August. Diese Ansprachen haben eine lange Tradition und gehören genauso zum Nationalfeiertag wie der Bauernbrunch und die Feuerwerke. Auffallend ist, wie oft sie von Politikern aus den eigenen Reihen gehalten werden. Heuer wird das in Urdorf, Unterengstringen, Weiningen, Oetwil und Aesch der Fall sein: Alle Redner sind in der lokalen Politik tätig.

Generell scheinen die Ansprachen zum 1. August eine politische Angelegenheit zu sein. Denn auch in Uitikon, Geroldswil, Schlieren und Birmensdorf haben die Redner Ämter als Ständerat, Statthalter oder Kantonsrat inne. Einzig Dietikon sticht heraus. Dort werden ein Bewohner und eine Bewohnerin des Limmatfelds zu Wort kommen.

Traumkandidat Roger Federer

Bei so vielen politischen Rednern drängt sich die Frage auf, ob dies von den Gemeinden so gewollt oder eher eine Notlösung ist. In Birmensdorf wird die Rede zwar nicht von einem lokalen Politiker gehalten, trotzdem ist Peter Föhn aus dem Muotathal als SVP-Ständerat ebenfalls einer aus den politischen Reihen.

Für die Rede kämen jeweils kantonale oder eidgenössische Parlamentarier sowie Offiziere des Waffenplatzes Birmensdorf infrage, sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin Melanie Eicher. Für ihren Traumkandidaten Roger Federer würde sie da aber durchaus eine Ausnahme machen, sagt sie. Die Entscheidung, wer die Rede jeweils halte, liege aber beim Gemeindepräsidenten. Es sei schwierig, jemanden für diese Aufgabe begeistern zu können, so Eicher. Dass oft ein Politiker aus den eigenen Reihen gewählt werde, sei durchaus eine Notlösung.

Abwechslung in Geroldswil

Eine Gemeinde, die in den letzten Jahren auch andere engagierte Limmattaler hat auftreten lassen, ist Geroldswil. Hier stand schon die Lebensmittelaktivistin Hélène Vuille auf der Bühne und 2016 dann die Curling-Weltmeisterin Irene Schori. «Wir konnten immer wieder Persönlichkeiten aus dem Limmattal für uns gewinnen», sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin Alexandra Brandenberger. Der Traumkandidat für nächstes Jahr komme aber dann auch wieder aus der Politik. Der Zürcher Ständerat und Geroldswiler Bürger Daniel Jositsch (SP) sei bereits im Gespräch.

Offen für Augustredner aus allen Sparten wäre auch die Gemeinde Aesch. «Grundsätzlich kommt jeder in Frage», sagt Gemeinderätin Janine Vannaz. Es sei aber keine Notlösung, einen Redner aus den eigenen Reihen zu stellen. «Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe liegt», sagt sie. Dieses Jahr sei sie selbst zuständig gewesen für die Organisation des Kandidaten. «Für mich war es klar, dass wenn wir einen Kantonsrat in der Gemeinde haben, ich diesen berücksichtige», so Vannaz.

Bewusst politisch in Schlieren

In Schlieren ist die Kulturkommission zuständig für die Suche nach dem Redner oder der Rednerin. Grundsätzlich komme die Ehre, eine 1.-August-Rede zu halten, dem amtierenden Gemeinderatspräsidenten zu, sagt Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP). «Die Besucher der Feier erwarten eine Rede und ich denke, es ist eine schöne Gelegenheit, wichtige politische Anliegen aus regionaler bis weltpolitischer Perspektive anzusprechen», so Brühlmann.