Das Theater Dietikon hat kürzlich das Wort «Keller» aus seinem Namen entfernt. Dieser Wechsel hat einen spezifischen Grund:

Der Stadtkeller würde zwar noch für Veranstaltungen genutzt, sagt Irene Brioschi, Präsidentin des Vereins Theater Dietikon, man wolle aber nicht mehr ausschliesslich damit verbunden werden.

Stattdessen soll der Verein «an der Oberfläche» aktiver werden. Hauptsächlich sind damit Veranstaltungen gemeint, die in den Räumen an der Bremgartnerstrasse 23, gegenüber dem Stadthaus, stattfinden.

Dazu gehört auch der Stammtisch für Kulturschaffende, der jeweils am achten Tag des Monats um acht Uhr abends stattfindet. Am vergangenen Montag fand er zum zweiten Mal statt.

Björge Hehner, ein weiteres Mitglied des Vereinsvorstands, und Irene Brioschi haben bereits einen langen Tisch und einige Stühle bereitgestellt.

Die Wein- und Bierflaschen auf dem Tisch sollten bald Gesellschaft erhalten - der Stammtisch ist nämlich auch als «Mitbringbar» gedacht: Alle sollen ihr Lieblingsgetränk mitbringen und mit den anderen teilen.

Kefirwasser und Pepita

Die Auswahl erweitert sich also auf Kefirwasser, Pepito sowie eine grüne Flüssigkeit, die ihre Farbe von pflanzlichem Chlorophyll erhält; und mit den Getränken setzen sich einer nach dem anderen verschiedene Kulturschaffende um den Tisch.

Die Lyrikerin Andrea Hodel ist die erste. Bald stösst auch die Tänzerin Linda Trolese hinzu, die von José Oliveira begleitet wird, der Programme für interaktive Performancekunst am Computer schreibt.

Da niemand genau weiss, was darunter zu verstehen ist, packt er seinen Laptop aus und zeigt es vor: Das Video zeigt eine Frau, die sich neben einer Leinwand bewegt.

Auf der Leinwand folgt eine Figur jeder ihrer Bewegungen und fällt immer wieder mit faszinierendem Formspiel in sich zusammen.
Der Maler Jean-Pierre Domenge stösst zur Gruppe.

Könnte er sich vorstellen, ein paar Wochen in diesen Räumen zu arbeiten, wie es der Künstler Samuel Bächtold, der für seine Drachen-Figuren aus gebranntem Ton bekannt ist, erst kürzlich gemacht hat? Domenge verneint, er mache derzeit lieber Musik.

«Das wäre die Idee», sagt Björge Hehner. «Ich und Irene stellen diese zwei Räume hier zur freien Verfügung. Bewirtschaftet werden sie dann von den Kulturschaffenden.»

Gut vorstellen kann sich das Dana Antoniol. Sie ist Improvisations-Schauspielerin und interessiert sich schon länger fürs jetzige Theater Dietikon und eine mögliche Mitarbeit.

Ihre Ideen wären hier wohl auch eine Bereicherung. Das neuste Konzept ihrer Theatergruppe heisst «Traumschiff»: Wer an einen Theaterabend kommt, erhält einen Umschlag mit der Beschreibung seiner Rolle auf dem Schiff. Die spielt er dann. Zuschauer gibt es keine.

Ganz ohne Zuschauer wäre man in diesem Raum jedoch nie. Ab und zu bleiben Fussgänger stehen, schauen sich das Treiben am Tisch an und dann auf den kleinen Drachen, der im Schaufenster steht. Ein Geschenk von Samuel Bächtold.