Simon Neff führte die Teilnehmenden an bekannte und versteckte Orte und verriet einen Geheimtipp.

Da war doch mal diese Plastik vor der Kirche, dieser Kubus im Marmoriweiher. Erinnerungen werden wach an die Ausstellung «Eisen 89». Auf dem Weg zum Atelier des 2006 verstorbenen Bildhauers, Kunstmalers und Dietiker Kulturpreisträgers Josef Staub führt der Kulturspaziergang zu einigen Zeugen dieser Ausstellung. Er beginnt vor der Stadtbibliothek, wo das «Tor» von René Moser bereits zu ersten Diskussionen über Kunst und Künstler Anlass gibt. Vorbei an Bahnhof und Bezirksgefängnis, dann ein Halt bei der Skulptur von Silvio Mattioli, auch sie ein Zeuge der «Eisen 89».

Unscheinbares und Geheimtipp

Die erste Staubplastik dann vor dem Haus der Firma Koenig. Im Limmatfeld geht's entlang der Gleise, wo Kräne ihre Hälse in den Himmel strecken und ein ganz neues Dietikon heranwächst. Unvermittelt ein beschauliches altes Haus, das so gar nicht passen will in dieses urbane Dietikon. «Anna's Gartengrill ist ein Bijoux und ein absoluter Geheimtipp», schwärmt Simon Neff. Im Niederfeld verrät sie ein weiteres Geheimnis: Hier ganz in der Nähe befinde sich auch ein Atelier des Künstlerduos Fischli/Weiss. Auf der Strasse dann unvermittelt ein unförmiger, rostiger Eisenbrocken. Ob das wohl auch ein Kunstwerk ist?

Fredi Staub empfängt die Gäste inmitten der Kunst seines Vaters. Wohin man schaut Chromstahlskulpturen, Aquarelle, Bilder, Metallreliefs, kleine, filigrane Kartonmodelle, Collagen. Anschaulich weiss Fredi Staub zu erzählen, wie sein Vater gearbeitet hat. Viele würden nur seine Chromstahlplastiken kennen. Sein Vater habe aber auch Aquarelle gemalt, immer und überall, im Honeretwald genauso wie in Amerika, wo er sich oft aufgehalten habe. Als Beispiel für die Betonplastiken des Künstlers zeigt Fredi Staub das Bild eines Abluftkamins in Spreitenbach. «Der ist heute völlig von Efeu überwachsen», schmunzelt er.

Erst der zweite Kulturspaziergang

Es ist der zweite Kulturspaziergang des Vereins Kellertheater. Vorstandsmitglied Björge Hehner möchte solche kleinen Feierlichkeiten, wie er sagt, ritualisieren und Traditionen entstehen lassen. Nicht zuletzt wolle man auch die Kulturpreisträger der Stadt in Erinnerung rufen.
Die Idee findet Anklang bei den Teilnehmenden. Für Rosmarie Holl werden im Atelier Erinnerungen wach. Sie hat im gleichen Haus gewohnt wie Josef Staub. «Hinter dem Haus stand ein grosser Birnbaum. Den hat Josef Staub oft aquarelliert.»

Max Jordi freut sich über die Idee der Kulturspaziergänge: «Wieder einmal genau hinschauen, wo man sonst nur mit dem Auto vorbeiflitzt, das ist eine gute Idee», lobt er. Beim Apéro dann ein reger Austausch über Kultur, Kunst und ihren Preis. «Schade! Das übersteigt mein Budget bei Weitem», meint ein Besucher bedauernd und tröstet sich mit dem Fahrer Klosterwein.