Musikschule Dietikon
Am Klavier zeigt diese Klavierklasse Gefühl

Die Klavierklasse von Meng Xu zeigt ihr Können im Stadthaus am Schülerkonzert der Musikschule Dietikon.

Ly Vuong
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Sophie Montesinos Ocampo, 10, Dietikon «Das Klavier ist sehr vielseitig, damit kann man traurige oder fröhliche, leise oder laute, tiefe oder hohe Töne spielen. In den Klavierstücken entdecke ich Gefühlswelten, die ich zuvor nicht kannte. Heute werde ich ‹Oh, When the Saints› und ‹Die Waldlichtung› spielen. Die zwei Lieder wählte ich aus, weil das eine glücklich und das andere ruhig ist. Es ist das, was ich fühle. An Frau Xu mag ich, dass sie nett, geduldig und verständnisvoll ist.»
Luana Varrese, 10, Dietikon «Ich übe täglich 40 Minuten Klavier und das seit zwei Jahren. Am Konzert werde ich ein Präludium von Bach und ‹Die Affen rasen› vortragen. Wenn man zuhört, hat man das Gefühl, es sei einfach. Doch beim Spielen zeigen sich die Schwierigkeiten. Lehrerin Xu hat aber immer eine gute Lösung, wenn man etwas noch nicht kann. Wenn ich aber ein Stück beherrsche, dann kann ich meinen Emotionen freien Lauf lassen. Neben Klavier würde ich auch noch gerne Gitarre lernen.»
Belina Ibishi, 14, Dietikon «Weil meine ältere Schwester Klavier spielte, wollte ich es auch. Nun lerne ich schon seit sechs Jahren Klavier und übe wenn möglich fünf Mal die Woche eine Stunde. Am Konzert trage ich ‹Kiss the Rain› von Yiruma vor. Das Lied ist schön traurig. Sonst höre ich vor allem albanischen Pop. Seit einem Jahr arbeite ich mit Frau Xu zusammen. Sie kann gut erklären und fragt auch nach, was man mag, sodass man ein Lied nach eigenem Gutdünken interpretieren kann.»
Daria Theiler, 11, Dietikon «Klavier spielte ich schon im Alter von vier Jahren. Seit zwei Jahren arbeite ich mit Frau Xu zusammen. Sie hat immer lustige Ideen. Wie etwa sich vorzustellen, ein Iglu in der Hand zu halten für die richtige Handhaltung, wenn man spielt. ‹Up in the Sky› von 77 Bombay Street brachte ich mir selbst bei, um mich beim Singen zu begleiten. Zudem habe ich zwei kleine Lieder komponiert, die zugleich glücklich und traurig sind. Musik ist mir wichtig. Seit vier Jahren übe ich auch Trompete.»
Meng Xu, 30, Zürich «Ich bin sehr zufrieden mit meiner Klavierklasse. Die Eltern arbeiten mit und die Schule ist gut organisiert. Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist zentral fürs Lernen. Ich sehe die Kinder jede Woche und kenne sie beinahe so gut wie Familienmitglieder. Sie sind aufmerksam und offen. Sie erzählen mir auch Persönliches, das sie gerade bedrückt. In China wäre es anders, die Schülerinnen und Schüler sind dort verschlossener und reden kaum über Gefühle.» Links im Bild: Musikschulleiterin Daniela Jordi

Ly Vuong

Die Musikschule Dietikon, die heuer ihren 40. Geburtstag feiert, führt jährlich rund
20 Schülerkonzerte durch. Alle Klassen können einmal im Jahr auftreten. Am Dienstag zeigten sechs Schülerinnen und Schüler aus der Klavierklasse der Lehrerin Meng Xu ihr Können im Gemeinderatssaal. Xu wird von ihren Schützlingen als einfühlsam, verständnisvoll und kreativ geschätzt.

Die 30-jährige Klavierlehrerin aus Schanghai hat in San Francisco Piano Performance und in Luzern Musikpädagogik studiert. «In China setzen die Lehrer mehr auf Leitung und Autorität, während man im Westen auf Begleitung und Einfühlungsvermögen fokussiert. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile», sagte Xu, die schon im Alter von drei Jahren das Klavierspiel lernte und erst kürzlich von ihrem Mutterschaftsurlaub zurückkehrte.

Individuelle Begleitung

Ihre Schülerinnen und Schüler spielten am Konzert auswendig auf unterschiedlichsten Niveaus und mit einer grossen Bandbreite an Emotionen: Ob gefühlvoll mit südkoreanischem Pop wie «Kiss the Rain» von Yiruma, klassisch mit einem Präludium in C-Dur von Bach oder beschwingt mit dem deutschen Kinderlied «Hänsel und Gretel» – die individuelle Begleitung und die Unterstützung der Lehrerin tragen Früchte. Das sei übrigens einer der Vorteile der Musikschule gegenüber der Volksschule: «Sie hat keinen Lehrplan und kann deshalb flexibel auf jedes Kind eingehen», erklärte Musikschulleiterin Daniela Jordi.