«Quis cantat bis orat»: Wer singt, betet doppelt. Dies soll schon der Kirchenvater Augustinus gesagt haben. Pfarrerin Willemien Lammers eröffnet mit diesem Zitat die Geburtstagsfeier des hauseigenen Chores in der reformierten Kirche in Dietikon. Einen Geburtstag feiert man selten allein, sondern zusammen mit Freunden und Bekannten. Deshalb lud der reformierte Kirchenchor befreundete Chöre ein, um zusammen zu singen und zu feiern. Vier Chöre – namentlich die Singers of Joy, der Kirchenchor Bergdietikon, der Kirchenchor Agios und der Kirchenchor Weinigen – wünschten dem Dietiker Chor mit ihrem Gesang alles Gute.

Gemeinschaft wird geschätzt

Im Laufe des Abends betonten verschiedene Rednerinnen und Redner immer wieder, dass der Chor unter einem Mitgliederschwund leide. Doch einige können diesem Schicksal auch Positives abgewinnen. Durch die geringe Anzahl an Mitgliedern habe man persönlichere und engere Beziehungen zueinander, hiess es etwa. Man singe nicht nur zusammen, sondern gehe auch gerne mal «bräteln» und unternehme Ausflüge.

Für viele Sängerinnen und Sänger ist der Kirchenchor Dietikon denn auch ein Ausgleich zum stressigen Alltag. Für Richard Meier und Marcel Kobler ist vor allem die Freude am Gesang ausschlaggebend. Sie schätzen die Lieder, die schönen Texte und auch die anspruchsvollen Arrangements, die sie unter dem geschätzten Chorleiter André Lichtler einstudieren.

Doch auch die Religion spielt mit: Man möchte gerne seinen eigenen, kulturellen Beitrag zur Kirchgemeinde leisten. Es überrascht daher nicht, dass die Mitglieder teils seit Jahrzehnten dem Kirchenchor treu blieben. Das älteste Mitglied, Heinz Zeller, ist seit 50 Jahren dabei. Eigens für das Jubiläum seines Chores erstellte er eine Festschrift. Der Kirchenchor ist ein aktiver Verein, der sich gerne in der Kirchgemeinde engagiert und grossen Wert auf Geselligkeit und Gemeinschaft legt.

Gesungen wurden an der Geburtstagsfeier des reformierten Kirchenchors traditionelle Kirchenlieder wie «Ave Verum» oder «We Shall Overcome», aber auch Gospelklassiker wie «I Will Follow Him», dem Hit aus dem Film «Sister Act». Nicht nur Chöre überbrachten denn ihre Glückwünsche. Auch Stadtpräsident Otto Müller gratulierte und betonte, dass Singen nicht nur Ausgleich schafft, sondern glücklich macht.

Kaum Platz für alle Sänger

Am Ende der Feier vereinten sich alle fünf Chöre und stimmten gemeinsam die letzten Lieder an. André Lichtler, Leiter des reformierten Kirchenchors, initiierte dieses gemeinsame Musizieren. Die Vorbereitungen dazu seien gar nicht kompliziert gewesen, denn die Chöre übten die ausgewählten Lieder eigenständig ein. Erst am grossen Chortreffen wurden die Stücke gemeinsam geprobt und noch am selben Abend vorgetragen. Mehrstimmig erfüllten die fünf Chöre schliesslich die Kirche mit ihren Gesängen.