Beinahe hätte die Moderatorin Evelyne Peter auf der Bühne ihre Ansage zum Jahreskonzert der Harmonie Birmensdorf im Gemeindesaal Nassenmatt in Aesch verschlafen. Doch der kurze Schlummer war nur inszeniert. «Da bei uns immer das Gleiche zu sehen ist, nämlich Kühe – ob mit oder ohne Hörnern –, begeben wir uns heute auf eine musikalische Weltreise», leitete sie den Auftritt vom Samstagabend ein.

Zum Auftakt brachte die Harmonie Birmensdorf das Stück «Alpenwelt». Das zweite Stück liess das Publikum dann in tosenden Applaus ausbrechen. Die Melodie von Mani Matters «Dr Sidi ab del Assar vo el Hama» entführte die Zuhörer in den Orient. Die Rhythmen klangen wie aufziehende Wirbelstürme.

«Stevie Wonder wurde bereits mit der Muttermilch mit dem Musikvirus infiziert», kündigte Moderatorin Peter dessen Hit «Sir Duke» an. Die Harmonie Birmensdorf, mit viel Herzblut von Cäcilia Gebhardt dirigiert, zeigte daraufhin, dass die Schweizer nicht nur das Schwingen beherrschen, sondern auch den Swing und spielten eine noch jazzigere Version.

Akustischer Feinschmaus und Augenschmaus

Als Peter das Publikum aufforderte, die Ohrstöpsel einzusetzen, betraten die Tambouren der Kreismusik Limmattal die Bühne. Unter der Leitung von Raffael Hotz trommelten sie lateinamerikanische und andere Rhythmen. Die von ihnen erzeugten Vibrationen waren am eigenen Leib zu spüren.

Dem Publikum servierten sie aber nicht nur einen akustischen Festschmaus, sondern auch einen Augenschmaus. Im Saal wurde es dunkel. Die Schlägel und der Dirigentenstab, von Neonfarben beleuchtet, glichen durch die Bewegungen der Musiker kleinen Sternschnuppen.
Die Musiker der Harmonie Birmensdorf erschienen danach mit Piratenhüten und spielten «Piraten der Karibik».

Gebhardt kaute Kaugummi und grinste verschmitzt. Die wiegende Melodie erinnerte an das Dahinplätschern eines Schiffs – vorzüglich durch ein Tenorsaxofon akzentuiert. Dann wurden das Tempo und der Rhythmus tosender und unberechenbar – wie die See eben.

Gleich zwei Höhepunkte

Weitere Stücke des Abends waren ein zum Tanzen einladender «Böhmischer Traum» sowie das russische Volkslied «Kalinka». Manch einer dürfte sich dabei mit ein bisschen Wehmut an den 2008 verstorbenen Ivan Rebroff erinnert haben. Einige klatschten im Takt mit, was sich als ansteckend erwies und sich auf den gesamten Saal übertrug.

Als die Tambouren erneut die Bühne betraten, taten sie dies mit schaurigen Masken. Die Luft vibrierte vor Energie, als sie die Trommeln schlugen. Weitere musikalische Kost folgte durch die Harmonie Birmensdorf mit «Samba de Janeiro» und «Auf einem persischen Markt». Mit «Kung Fu Fighting» holten sie sowohl den Flair Asiens als auch jenen der 1970er Jahre in den Saal.

Der Abend hatte gleich zwei Höhepunkte zu bieten. Die Harmonie Birmensdorf meisterte die «Rikudim», jüdische Volkstänze, mit äusserst anspruchsvollen Rhythmen und Melodien. Den Musikern gelang es, der Erhabenheit, Melancholie und Lebensfreude des Arrangements akustische Gestalt zu verleihen.

Der Lehrer sang «Highway to Hell

Der zweite Höhepunkt war eine Überraschung. Klaus Kreienbühl, der selbst in der Harmonie mitspielt, erschien im Rocker-Outfit. Der Lehrer aus Birmensdorf sang «Highway to Hell». Sein Entertainment löste unter den Zuschauern Jubelrufe aus.

Die meisten Besucher liessen den Abend nach dem Konzert beim gemütlichen Zusammensein ausklingen. Und natürlich war auch das eben Gesehene ein Thema. «Highway to Hell von AC/DC war phänomenal», sagte Jürg Fehr aus Birmensdorf.

Für seine Ehefrau war hingegen das Mani-Matter-Stück der Höhepunkt des Abends. «Wir haben dieses Lied in der Schule gesungen. Es erinnert mich an meine Kindheit », sagte Anita Fehr. Beide kommen jedes Jahr zum Konzert. «Hier treffen wir Leute, die wir kennen», sagte Jürg Fehr. Und seine Frau fügte hinzu: «Ausserdem freuen wir uns darauf, unseren Sohn zu hören. Er spielt in der Harmonie Birmensdorf mit.»