Urdorf
Am Food-Waste-Projekt gab es diesmal sogar Pralinés

Das Food-Waste-Projekt «Aufgetischt statt weggeworfen» wird definitiv weitergeführt.

Alex Rudolf
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Von der Migros Spitzacker gab es am Mittwoch gar eine Ladung Pralinés
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Mehrer Kisten mit Migros-Produkten werden von Rosenberger und Gehrig geholt
Überraschung - rund 180 zu kleine Eier gibt es diesmal für die Bedürftigen
Auf dem Hof von Thomas Grob gibt es zwei Säcke unförmige Kartoffeln zu holen
Denise Rosenberger vom Leo Club Limmattal und Initiantin Sonja Gehrig (GLP)
Mitglieder des Leo Club Limmattal bauen derweil die Tische auf
Der Verteiltisch ist mit 170 Kilo Nahrungsmitteln prall gefüllt
Aufgetischt statt weggeworfen kann beginnen
Urdorf Food Waste Projekt

Von der Migros Spitzacker gab es am Mittwoch gar eine Ladung Pralinés

Alex Rudolf

Im schummrigen Licht vor dem Gemeinschaftsraum der neuen reformierten Kirche Urdorf sind die Lebensmittel fein säuberlich nach Kategorien aufdrapiert. Erst die Brote, dann Fleischwaren und Gemüse, Milchprodukte zum Schluss. Sozialhilfebezüger sitzen bereits 15 Minuten vor Beginn der neu zweimal wöchentlich – jeweils montags und mittwochs – stattfindenden Verteilaktion «Aufgetischt statt weggeworfen» auf dem Mäuerchen und warten darauf, dass es losgeht.

Das von Kantonsrätin Sonja Gehrig (GLP) initiierte Projekt hat die Pilotphase überstanden und wird nun definitiv weitergeführt. Seit April wurden durchschnittlich 130 Kilogramm Lebensmittel pro Woche eingesammelt und an Bedürftige verteilt. «Gesamthaft konnten wir also rund drei Tonnen retten», so Gehrig. Die Aktion ist in Urdorf breit abgestützt: «Wir haben einerseits genug Helfer und andererseits genug Betriebe, die uns Lebensmittel zur Verfügung stellen.» Würden sich noch mehr Freiwillige melden, könnte Gehrig gar einen dritten Verteiltag pro Woche ins Auge fassen. Eine der freiwilligen Helferinnen ist die 22-jährige Denise Rosenberger aus Schlieren. Als Vorstandsmitglied des Leo Clubs Limmattal mobilisierte sie Personal für monatlich zwei Einsätze.

Verformte Knollen gespendet

«Was die Menschen am Thema Nahrungsmittel fasziniert, kann ich nicht genau sagen. Auch bei mir hat dieses Thema an Stellenwert gewonnen», sagt Rosenberger. Sie steuert das Auto ihrer Mutter durch Urdorf, es ist vollbepackt mit noch leeren Kisten. «Jedenfalls war ich berührt, als Sonja Gehrig uns ihr Projekt an einem Infoabend vorgestellt hat und wollte einen Beitrag dazu leisten», fährt sie fort. Nach einem Stopp bei der Bäckerei Ghilardi, zwei Palette gefüllt mit Broten liegen bereit, fährt sie bei Bauer Thomas Grob vor.

«Wir haben viele Eier, die unter 54 Gramm wiegen. Von unserem Grosskäufer erhalten wir dafür nur ein kleines Entgelt», so Grob. Daher spendet er rund 240 Stück. Auch warten bereits zwei Kartoffelsäcke: «Teilweise sind die Knollen leicht verformt. Für die Gastronomie wäre eine Verwertung zu aufwendig und im Detailhandel sind solche Stücke nicht gern gesehen.» Rosenberger wagt sich daran, einen rund 40 Kilo wiegenden Sack ins Auto zu hieven. Vergeblich, der Sack ist zu schwer und Grobs Hilfe mehr als erwünscht. Wenige Minuten später wartet auf der Rampe des Migros Spitzacker bereits eine nächste Überraschung. Neben vielen Fleischprodukten, Brotwaren und Convenience-Food spendet der Grossverteiler 20 Packungen Pralinés. Auch die nebenan gelegene Coop-Filiale gibt Gehrig und Rosenberger mehrere Körbe mit nicht mehr verkäuflichen, doch konsumierbaren Produkten ab.

In der Zwischenzeit treffen vier weitere Mitglieder des Leo Clubs Limmattal bei der neuen reformierten Kirche ein und stellen die Tische auf dem überdeckten Vorplatz auf. Nachdem Gehrig und Rosenberger die Ware liefern, geht es ans Wägen, Protokollieren und Bereitstellen. Leise arbeiten die Helfer in der Abenddämmerung.

Ruhig geht es um 20.15 Uhr beim Start der Verteilung zu und her. Rund 170 Kilo Früchte, Gemüse, Fleisch, Brot und Süssigkeiten sind zusammengekommen, die 30 Bezugsberechtigten machen sich bescheiden, fast schon schüchtern an die Auswahl. Normalerweise würde der zu Beginn der Verteilung kontrollierte Ausweis – ausgestellt von der Urdorfer Sozialbehörde – zeigen, wie viele Leute in einem Haushalt leben. Sprich wie viel Nahrung bezogen werden darf. Doch heute spielt dies keine Rolle und jeder darf nehmen, wonach ihm beliebt. Der Grund: «Wir haben sehr viele Lebensmittel sammeln können und werden am Ende ohnehin Reste haben», sagt Gehrig und signiert eine Bezügerkarte.

Weiter zur Notunterkunft

Mit Genugtuung blickt die Kantonsrätin auf die helfenden Hände in blauen Plastikhandschuhen. «Weder bei der Gemeinde noch bei den Grossverteilern bin ich bei den Vorbereitungen auf Widerstände gestossen. Alle arbeiteten bereitwillig mit.» Dies habe sie sicherlich der Vorarbeit von Food-Waste-Vorkämpferin Hélène Vuille zu verdanken, die in mehreren Gemeinden die Verteilung von Tagesfrischprodukten organisiert. Doch sieht sie auch Unterschiede zwischen «Aufgetischt statt weggeworfen», der «Schweizer Tafel» oder den Projekten von Vuille: «Mit dem lokalen Ansatz, dem Einbezug von verschiedenen Gebergruppen und der Verteilung am gleichen Abend können wir die ganze Palette an nicht verkaufbaren Lebensmitteln unter die Leute bringen. So kommen auch Salate, Fleischwaren, Kartoffeln und Brote auf den Tisch», so Gehrig.

Um kurz vor halb neun hat es nicht viele Reste: einige Eier, wenig Gemüse und ein paar Würste. Diese werden zur Notunterkunft in Urdorf gebracht. «Derzeit leben dort 70 Menschen, denen Nahrungsmittel sehr gelegen kommen.»

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