Die Beziehung zwischen der Bevölkerung und ihrem Fluss mag Jahrhunderte lang schwierig gewesen sein. Eins war die Limmat aber stets – eine Lebensader. Eine Lebensader, die freilich immer wieder ihre zerstörerische Kraft offenbarte. Überschwemmungen setzten den Menschen zu, zerstörten weite Landstriche. Erst mit dem Jahrhundertwerk Limmatkorrektion, das in den Jahren 1876 bis 1912 verwirklicht wurde, änderte sich das.

Heute wird die Limmat als Oase wahrgenommen. Eine, die es zu pflegen gilt, aber auch neu zu entdecken. Möglich machen sollen dies die kürzlich aufgestellten Informationstafeln entlang des aufgewerteten Limmatuferwegs zwischen Zürich und Baden. Sie sind das erste sichtbare Zeichen des Aggloparks Limmattal und sollen den Spaziergängern die Eigenheiten und die Geschichte der Region näherbringen. Eine Geschichte, die untrennbar mit dem Fluss verbunden ist. Doch die Limmat ist weit mehr als ein fliessendes Geschichtsbuch, wie ein Spaziergang entlang des neuen Uferwegs zeigt.

Die Limmat ist auch ein Feriendomizil für Wasservögel. Gut beobachten lassen sich diese beispielsweise rund um die Werdinsel an der Stadtgrenze zu Zürich. Besonders im Winter. Dann sind die Tiere zurück aus ihren Brutgebieten. Kormorane, Tafelenten oder Gänsesäger bevölkern den Fluss. Ebenfalls an der Werdinsel liegt das EWZ-Kraftwerk Höngg. Es zeugt von einer weiteren Funktion des Flusses. Hier ist er nicht Lebensraum für Tiere, sondern Kraftquelle für Menschen. Seit über hundert Jahren wird dort Strom produziert. An Führungen können sich Interessierte ein Bild davon machen, wie dieser Prozess funktioniert.

Von der Werdinsel ist es nicht weit, bis einer der Höhepunkte des Auenparks Werdhölzli erreicht ist. Auf der linken Flussseite führt ein Holzsteg durch den Auenwald und bringt Spaziergängern die Vielfalt dieses zuvor kaum zugänglichen Lebensraums näher. Unter anderem finden dort Fledermäuse, die artenreichste Säugetiergruppe der Schweiz, ein Winterquartier vor.

Wenige Hundert Meter weiter flussabwärts endet der Auenpark. Die Autobahnbrücke bei Oberengstringen markiert sowohl das Ende des renaturierten Flussabschnittes als auch der Beginn eines neuen Landschaftsbildes. Die Limmat fliesst nun wieder in ihrem Korsett, aus dem sie im Auenpark befreit worden ist. Die Autobahn reicht hier direkt an den Uferweg, auf der linken Flussseite zeugt das Areal des ehemaligen Gaswerks von der Industrialisierung des Limmattals. Dem «Gasi» und seiner Geschichte ist denn auch eine Informationstafel gewidmet. Das Areal erinnert aber nicht nur an einen der einst wichtigsten Arbeitgeber im Tal. Es ist auch Zeuge dafür, dass die Limmatkorrektion den Menschen neben Schutz auch erst die Möglichkeit brachte, Fabriken zu bauen. Denn mit der Begradigung des Flusses war nun mehr Platz in der Ebene vorhanden. Die Landwirtschaft gewann so sicheres Land, und immer mehr Industriebetriebe siedelten sich entlang der Limmat an.

Ein ganz anderer Zeuge offenbart sich den Spaziergängern wenige Gehminuten weiter flussabwärts. Auch ihm ist eine Informationstafel gewidmet. Das Kloster Fahr versetzt den Besucher zurück in die Zeit Ende des Hochmittelalters. Gemeinsam mit dem Kloster Wettingen prägte es damals das Limmattal. Sein Ursprung geht auf eine Schenkung des Freiherrn Lütold II. von Regensberg zurück. Dieser vermachte 1130 dem Kloster Einsiedeln ein Stück Land «in Vare», mit der Auflage, darauf ein Frauenkloster zu gründen.

Der Name deutet darauf hin, dass sich dort bereits vor dem Bau des Klosters eine Fährstelle befunden hatte. Noch heute kann man sich an schönen Sonntagen im Sommer von der «Maurizius» über die Limmat schiffen lassen. Zu entdecken gibt es rund um die Klosteranlage noch viel mehr. Sie ist auch ein wichtiges Schweizer Kulturdenkmal, das mit bedeutenden Aussenfresken an der Kirchennordwand und einer prachtvollen Innenausstattung aufwarten kann.

Nie ganz fertig gebaut wurde hingegen das Städtchen Glanzenberg, das sich gegenüber dem Bahnhof gleichen Namens befand. Reste der Burg und der Stadt sind noch sichtbar. Ihre Geschichte ist auf einer weiteren Tafel erläutert. Die Gegend um den heutigen Golfplatz war im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Schauplatz militärischer Ereignisse. 1799, anlässlich der zweiten Schlacht von Zürich, überquerten die Franzosen unter General Massena dort die Limmat, um die bei Unterengstringen stationierten Russen zu bekämpfen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Dietikon zur Festung ausgebaut. Der heutige Bezirkshauptort war damals das Herzstück der sogenannten Limmatstellung.

Wesentlich friedlicher geht es weiter flussabwärts zu und her. In den Geroldswiler Auen und rund um den Oetwiler Binzerliweiher lassen sich wieder, mitunter seltene, Tiere beobachten. Dann ist die Kantonsgrenze erreicht. Hier endet dieses Mal der Spaziergang, jedoch nicht die mit der Limmat verbundene Geschichte. Der Fluss könnte noch viel mehr erzählen. Beispielsweise, dass er das Tal in früherer Zeit noch stärker trennte als heute. Während Jahrhunderten überquerten lediglich zwei Brücken den Fluss. Eine befand sich beim Zürcher Hardturm, die andere in Baden. Wann sich das änderte, wird beim nächsten Spaziergang geklärt.