Dietikon

«Am einfallsreichsten sind die Portugiesen»: Ein Interview mit dem Organisator des Public Viewings auf dem Kirchplatz

Roger Zeindler ist seit über 30 Jahren DJ.

Roger Zeindler veranstaltet schon zum vierten Mal das Fussball-Public-Viewing auf dem Kirchplatz in Dietikon. Er will den Fans heute Abend mit einem DJ einheizen.

Seit dem Start der Fussball-WM haben bereits über 10 000 Leute das Public Viewing besucht. Herr Zeindler, was war bisher der schönste Moment auf dem Kirchplatz?

Roger Zeindler: Das war eindeutig am letzten Freitag, als die Schweiz das 2:1-Tor gegen Serbien geschossen hatte. Das Zelt war mit 2000 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Stimmung war unglaublich.

Rechnen Sie heute Abend, wenn die Schweiz gegen Costa Rica antritt, wieder mit einem solchen Fanaufgebot?

Es könnte durchaus sein. Die Hälfte aller Tische sind reserviert. Das ist das Maximum. Die restlichen Tische bleiben frei. Spontane Zuschauer sollen auch die Möglichkeit haben, einen Platz zu ergattern. Wir haben sehr gute Chancen zu gewinnen und ins Achtelfinale einzuziehen, daher erwarte ich schon viele Besucher.

Und auf diese wartet heute Abend etwas Spezielles.

Genau. Ich habe einen DJ engagiert, der bereits vor dem Spiel für Stimmung sorgt. Er legt an vielen Hockey-Spielen auf und weiss, was das Publikum hören will. Je nach Spielausgang wird er sein Set verlängern.

Sie sind seit fast 30 Jahren DJ. Warum legen Sie nicht selber auf?

Das liegt leider nicht drin. Ich habe organisatorisch so viel zu tun, dass ich das nicht auch noch machen kann.

Während der WM sind Sie teilweise 16 bis 18 Stunden täglich am Arbeiten. Woher nehmen Sie die Energie?

Es ist in der Tat ein strenger Job, aber das Public Viewing liegt mir am Herzen. Was gibt es Schöneres, als mit ein paar hundert Menschen zusammen seine Mannschaft anzufeuern? Die Emotionen potenzieren sich. Bei Public Viewings wird eine unglaubliche Energie frei. Mir ist wichtig, dass die Dietiker einen Ort haben, an dem sie das erleben können.

2006 veranstalteten Sie das erste Public Viewing . Wie kam es dazu?

Es war ein glücklicher Zufall. 2006 war ich im Vorstand des Vereins Zentrum Dietikon und verantwortlich für die Belebung des Kirchplatzes. Es wurde mir nahegelegt, ein Public Viewing zu organisieren. Da ich genug Zeit hatte, willigte ich ein und stellte das Projekt innert eines Monats auf die Beine. Natürlich fand es damals in einem viel kleineren Rahmen statt. Das Spiel wurde via Beamer auf die Wand projiziert. Heute haben wir mit der grossen LED-Wand ein gestochen scharfes Bild.

Davor gab es kein solches Angebot in Dietikon?

Nein. Das kam erst mit der WM in Deutschland 2006 auf, denke ich. In diesem Jahr war der Startschuss für die Public Viewings in der Schweiz und vielleicht sogar weltweit.

Was braucht es denn für ein gutes Public Viewing?

Einen super Bildschirm, einen guten Ton und viel Bier. Zudem braucht es einen zentralen Platz, den wir in Dietikon mit dem Kirchplatz haben. Wichtig finde ich auch, dass der Eintritt gratis ist. Nur die Reservation eines fixen Tisches kostet 350 Franken. 300 Franken davon bekommt man in Form von Getränke- und Essensgutscheinen zurück.

Allein die Kosten für die Infrastruktur und die Sicherheit auf dem Kirchplatz betragen fast 60 000 Franken. Lohnt sich der Aufwand überhaupt?

Eine goldene Nase kann ich mir damit nicht verdienen. Das ist aber auch nicht das Ziel. Derzeit liege ich gut im Budget. Und dies obwohl ich mit weniger Einnahmen gerechnet habe, da die Italiener nicht dabei sind und ich dieses Jahr wenige Sponsoren habe. Das gute Resultat ist dem schönen Wetter zu verdanken.

Bisher verlief aber nicht alles reibungslos. Sie mussten Ende letzter Woche den Kirchplatz eingittern, damit nicht zu viele Besucher ihre eigenen Getränke im Zelt konsumieren.

Genau. Das war etwas unschön. Ich bin aber froh, dass ich mich dazu entschieden habe. Das Gitter zeigt Wirkung. Es gibt weniger Personen, die ihre Ware mitbringen. Zudem sind einige Leute zu mir gekommen und haben gesagt, dass sie meine Aktion unterstützen.

Apropos Unterstützung. Welche Fans feuern ihre Mannschaft an dieser WM am lautesten an?

Das sind ganz klar die Schweizer, die Portugiesen und die Kroaten. Am einfallsreichsten sind die Portugiesen. Einige Fans sind schon mit Trommeln aufgekreuzt. Beim Spiel Portugal-Iran am Montag hat ein Portugiese sogar ein Megafon mitgenommen und viele Lieder angestimmt. Es hat sich angefühlt, als wäre man in einem Stadion.

Auch an der EM 2020 organisieren Sie ein Public Viewing. Vermutlich aber nicht wie gewohnt auf dem Kirchplatz.

Das ist so. 2020 wird der Bau der Limmattalbahnstrecke in Dietikon in vollem Gange sein — angenommen, die Volksinitiative gegen die Bahn wird abgelehnt. Das heisst, dass es auf dem Kirchplatz eine Baustelle haben wird. Ich werde voraussichtlich auf den Rapidplatz ausweichen, der eigentlich sowieso besser für ein Public Viewing geeignet ist. Er bietet mehr Platz und mehr Möglichkeiten. Da der Standort aber nicht so zentral ist, müsste ich bei der Sponsoren-Suche mehr Gas geben, damit ich im Notfall die fehlenden Besucher ausgleichen könnte.

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