Die SBB kündigen es auf roten Plakaten an: In drei Wochen steht auf der zu über 80 Prozent ausgelasteten Park-and-Rail-Anlage beim Dietiker Bahnhof eine Teilsperrung an. 70 der 156 Abstellplätze werden dann wegfallen.

Eine Alternative können die SBB ihren Kundinnen und Kunden nicht anbieten. «Wegen der Platzverhältnisse in Dietikon ist kein Ersatz vor Ort möglich», teilt die Medienstelle auf Anfrage mit. Und auch an den nächstgelegenen Bahnhöfen sei die Auslastung heute bereits derart hoch, dass die Kunden nicht einfach dorthin ausweichen könnten. Für die Inhaber von Jahreskarten sollten aber genügend Abstellplätze zur Verfügung stehen. Der Verkauf von Monatsabos wird ab August hingegen vorerst einmal ausgesetzt.

Die Stadt Dietikon rechnet nicht damit, dass diese Teilsperrung, die mitten in den Sommerferien beginnt, grosse Auswirkungen zeigen wird. Es werde kein Parksuchverkehr in den Quartieren erwartet, sagt Jürg Bösch, Leiter des Stadtplanungsamtes. Denn die betroffenen Personen seien von den SBB informiert worden, dass die Abstellplätze wegfallen würden. Zudem gebe es in den Tiefgaragen im Zentrum in der Regel genügend freie Parkplätze für Personen, die nicht auf das Auto verzichten könnten oder wollten.

Baumaterial lagern statt Autos parkieren

Die 70 Pendlerparkplätze weichen einem sogenannten Installationsplatz, der für den Bau der Limmattalbahn notwendig ist. Der Platz direkt beim Bahnhof wird unter anderem dazu genutzt, um mit der Bahn angeliefertes Baumaterial entgegenzunehmen und zwischenzulagern, wie Limmattalbahn-Geschäftsführer Daniel Issler erklärt.

Zudem wird gemäss heutiger Planung ein Teil dieses bald abgesperrten Bereichs für den Gleisoberbau genutzt, und die SBB werden ebenfalls einen Teil beanspruchen. Es handelt sich um einen von mehreren Installationsplätzen, die für das Infrastrukturprojekt notwendig sind.

In Dietikon sind weitere unter anderem auf der Nötzliwiese – insbesondere für den Ausbau der SBB-Personenunterführung – sowie an der Schöneggstrasse und bei der Bunkerkreuzung – für den Bau der Limmattalbahn und die Anpassungen am Strassennetz – geplant.

Das «reduzierte Parkplatzangebot» soll von beschränkter Dauer sein – und zwar voraussichtlich bis Sommer 2021, wie es auf dem roten SBB-Informations-Plakat heisst. Mittelfristig dürfte aber die ganze Park-and-Rail-Anlage verschwinden. Denn die Zürcher Planungsgruppe Limmattal hat gemeinsam mit der Stadt Dietikon beschlossen, sie aus dem regionalen Richtplan zu streichen.

Die Stadt ist von der Anlage nämlich nicht restlos begeistert: Eine Analyse hatte gezeigt, dass sie hauptsächlich von Personen von umliegenden Gemeinden genutzt wird. «Dietikon weist bereits heute in den Stosszeiten ein sehr hohes Verkehrsaufkommen auf», sagt Jürg Bösch. Dies führe im Stadtzentrum regelmässig zu Überlastungen und Staus. «Dieser Verkehr behindert unter anderem auch die Busse, welche von diesen Gemeinden die Anschlüsse an die S-Bahnen garantieren sollen.»

Die Stadt Dietikon befindet sich gemäss Bösch auf dem Weg von einer durchschnittlichen Agglomerationsgemeinde zu einem urbanen Zentrum, das über ein entsprechend gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz verfügt. Der nächste Meilenstein – der Bau der zweiten Etappe der Limmattalbahn von Schlieren über Urdorf und Dietikon und Spreitenbach nach Killwangen – steht bevor.

Bus und Bahn statt Auto

«Die Erfahrungen zeigen, dass in Gemeinden mit einem guten öV-Angebot weniger Fahrten mit dem Auto zurückgelegt werden und zudem weniger Haushalte über ein Auto verfügen», hält Bösch fest. Er verweist auf die entsprechende Statistik Mikrozensus Verkehr (siehe Limmattaler Zeitung von gestern).

Der Zubringerverkehr an den Bahnhof Dietikon soll entsprechend statt mit dem privaten Auto in erster Linie mit dem öffentlichen Verkehr abgewickelt werden. Die mittelfristige Aufhebung der Park-and-Rail-Anlage am Dietiker Bahnhof sei eine logische Folge dieser Entwicklung.

Was mit der Park-and-Rail-Anlage dereinst passiert, ist noch unklar. Die Stadt Dietikon führt derzeit gemeinsam mit den SBB ein Studienverfahren durch. Dieses soll nicht nur Aufschluss darüber geben, wie sich die Fläche des grossen Parkplatzareals nutzen liesse. Es soll vielmehr die mögliche Nutzung des gesamten Bahnhofsareals – inklusive Bahnhofplatz, Busbahnhof und Bahnhofsgebäude – aufzeigen. In diesem Verfahren «werden zukunftsweisende Lösungen für den gesamten Bereich gesucht», sagt Bösch. Sobald die Ergebnisse dieses Studienverfahrens vorliegen, wollen Stadt und SBB darüber informieren.