Das Bezirksgericht Dietikon hat Hassan K. zu sechs Monaten unbedingt verurteilt. Er hatte die Aufseherin Angela M. dazu angestiftet, ihm zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal zu verhelfen. Das Urteil kommt unerwartet. Hat doch das gleiche Gericht noch im Herbst das Verfahren eingestellt, wurde dann aber vom Obergericht zurückgepfiffen.

Blickt man ganz unbedarft ins Strafgesetzbuch, leuchtet das Urteil aber sofort ein: Wer jemanden dem Strafvollzug entzieht, wird bestraft, heisst es dort. Und wer jemanden vorsätzlich zu dem von diesem verübten Vergehen bestimmt hat, wird auch bestraft. Beides trifft im vorliegenden Fall zu: Angela M. hat ihn dem Strafvollzug entzogen. Und es war Hassan K., der sie zu diesem Vergehen brachte, das ihn begünstigte.

Nun hat das Bundesgericht aber früher festgehalten, dass die Anstiftung zur Selbstbegünstigung straffrei sei. Darauf beruft sich die Verteidigung. Darauf hatte sich das Bezirksgericht berufen, als es den Fall zunächst einstellte. Doch lässt sich so der ganze Fall beiseite wischen und gut ist? Oder gibt es nicht auch andere Bundesgerichtsurteile, die eine andere Sprache sprechen? Das Bezirksgericht hat seine Antwort gefunden.

Wenn die Verteidigung diesen einzigartigen Fall nun weiterzieht, wäre es das dritte Mal in Folge, dass Hassan K. wegen einer Verurteilung an die nächsthöhere Instanz gelangt. Zweimal ist er schon gescheitert. Beim dritten Mal wird das Obergericht vom gleichen Punkt ausgehen wie die Vorinstanz: Am Anfang dieses Falls stand das Wort von Hassan K., seine mehrmalige Bitte. Das ist der unbestrittene Punkt.