Limmattal
Am Abend seiner Gründung kritisieren Wachstumsskeptiker Verein

Weil sie der Gründung der «Regionalen Projektschau» nicht beiwohnen durften, gehen Kritiker in die Offensive

Florian Niedermann
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Luftbild von Schlieren

Luftbild von Schlieren

Limmattaler Zeitung

Noch am Abend seiner Gründung wurde der Verein «Regionale Projektschau Limmattal» bereits von Wachstumsskeptikern kritisiert. Vier ehemalige Mitglieder des Abstimmungskomitees «Masslose Limmattalbahn - Nein!» bezeichnen es in einer Medienmitteilung vom Montag als «beispiellosen Affront», dass die beiden Kantone Aargau und Zürich sowie 13 Limmattaler Gemeinden mit diesem Verein «ohne Einbezug der betroffenen Bevölkerungsmehrheit» Projekte initiieren würden.

Die «Projektschau» hat es sich zum Ziel gesetzt, mit grenzübergreifenden Projekten im Bereich der Siedlungsentwicklung, der Infrastruktur, der Wirtschaft, der Naherholung und der Kultur dem erwarteten Bevölkerungswachstum im Lebensraum Limmattal zu begegnen. Genannt wird in der Mitteilung zur Vereinsgründung ein möglicher Zuwachs um 100 000 auf 300 000 Personen in der gesamten Region (siehe Ausgabe von gestern).

Vor den Kopf gestossen fühlten sich die Kritiker laut Martin Müller, dem Dietiker Gemeinderat (DP) und Mitautor der Medienmitteilung, als sie an der Gründungsversammlung vom Montag im Restaurant «Zu den zwei Raben» beim Kloster Fahr nicht eingelassen wurden. «Auf Facebook publizierte der Kanton Aargau eine Einladung, in der der Anlass klar als öffentlich deklariert war», sagt er auf Anfrage. Vor Ort sei ihnen aber mitgeteilt worden, dass der Zutritt nur Behördenmitgliedern gestattet sei. «Dabei wollten wir lediglich aus erster Hand erfahren, was dieser Verein genau will. Wir haben unter uns abgesprochen, dass wir uns nicht zu Wort melden würden», so Müller.

Eintrag war falsch formuliert

Daniel Kolb, Kantonsplaner des Kantons Aargau, erklärt auf Anfrage, dass der Facebook-Eintrag falsch formuliert gewesen sei: «Zur Gründungsversammlung waren nur Behördenvertreter aus der Region und den beiden Kantonen eingeladen», erklärt er. Dem Verein beitreten könnten ohnehin nur Gemeinden und Städte sowie die Kantone Aargau und Zürich. Wie die falsche Formulierung auf Facebook zustande kam, kann sich Kolb auch nicht erklären. Auf der Website des Kantons Aargau war die Versammlung klar als Medienanlass gekennzeichnet.

Alt Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner, die an der Gründungsversammlung zur Präsidentin des Vereins «Regionale Projektschau Limmattal» gewählt wurde, betont auf Anfrage, dass ihr Verein keineswegs über die Köpfe der Bevölkerung hinweg agieren wolle: «Die Projektschau soll den Gesamtraum Limmattal und seine Interessen repräsentieren. Das bedeutet, dass sich auch die Bewohner der Region werden einbringen können.» In welcher Form dies geschehen soll, werde der Verein bei der Projekterarbeitung im Laufe des kommenden Jahres klären, so Johner.

Limmattalbahn als Warnsignal

Die Autoren der Medienmitteilung üben allerdings nicht nur Kritik an der Gründungsversammlung. Sie verweisen auf die Abstimmung zur Limmattalbahn vom 22. November, bei der die Region die Zürcher Staatsbeiträge für das Gesamtverkehrsprojekt im Gegensatz zum Rest des Kantons mit 54,1 Prozent abgelehnt hat. Angesichts dieses Resultats sei es angezeigt, die kantonale Richtplanung «gründlich zu überdenken», statt «von oben herab weiter Projekte zu initiieren». Müller erklärt dazu: «Die Bevölkerungsmehrheit in den Talgemeinden hat bei der Abstimmung gezeigt, dass das Wachstum in der Region eine kritische Grenze erreicht hat.» Er schätzt, dass «rund die Hälfte» der Gegner der Limmattalbahn ihm gegenüber dieses Argument als Grund für ihre Ablehnung anführte. Es reiche nicht, dieser Skepsis zu begegnen, indem «eine neue Propagandamaschine geschaffen» werde, um dem Wachstum «einen schönen Anstrich» zu verschaffen, so Müller.

Die Forderung, die Richtplanung müsse überdacht werden , ist laut Johner bei ihrem Verein falsch platziert. «Wir haben keinen gesetzlichen Auftrag. Wer das Bevölkerungswachstum im Kanton anders verteilen will, muss dies mithilfe der politischen Partizipationsrechte versuchen», sagt sie. Die Kritik Müllers und seiner Mitstreiter zeige, dass die Limmattalerinnen und Limmattaler in die Entwicklung ihrer Region eingebunden werden wollen, so Johner: «Ich würde mich freuen, wenn sich möglichst viele in den entsprechenden Gefässen aktiv und konstruktiv in die Projektschau einbringen.»