Bereits Mitte November begannen die Klosterfrauen «zu lebküchlen». Wenige Tage später, am 24. November, trafen «zwei Fräulein von Weiningen» im Kloster Fahr ein, um den Schwestern das «Zuckerbiscuitbaken» zu lehren. So notierte es Pater Joseph Dietrich in seinem Tagebuch. Man schrieb das Jahr 1701. Wenige Monate zuvor, im Juni, hatte der Pater im Kloster Fahr sein Amt als Beichtiger, wie der Beichtvater damals genannt wurde, angetreten. Es sollte die letzte Station im Leben des unermüdlichen Chronisten sein.

Zwischen 1670 und 1704 hatte der Einsiedler Pater im Auftrag seines Abts ein Klostertagebuch geführt, das insgesamt 18 Bände mit über 12 000 handschriftlichen Seiten umfasst. 13 dieser Bände entstanden in Einsiedeln, vier als Statthalter auf Schloss Freudenfels im Kanton Thurgau und einen führte er im Kloster Fahr, wo er am 5. April 1704 verstarb.

Berühmt sind diese Tagebücher vor allem wegen der detaillierten Beschreibungen des Wetters vor mehr als 300 Jahren. Sie gehören zu den wichtigsten mitteleuropäischen Quellen für die Erforschung des sogenannten Late Maunder Minimums (1645–1715), einem der Tiefpunkte der Kleinen Eiszeit (ca. 1300-1850). Die fast täglichen Aufzeichnungen setzen sich aber auch mit religiöse Fragen, der damalige Land- und Forstwirtschaft oder dem klösterlichen Tagesablauf auseinander – und damit lässt sich nachvollziehen, wie in jenen Jahren im Fahr die Weihnachtszeit begangen wurde.

Lange Weihnachtsfeier

Neben dem «Lebküchlen» gehörte auch das Backen von Marzipan zur Vorbereitung aufs Fest. 1701 taten dies die Klosterfrauen gemäss Tagebucheintrag erstmals am 15. Dezember. Vier Tage später kam schliesslich auch «Schreiner Wolf, um hiesige Weihnacht aufzurichten», und am 23. Dezember «metzgeten unsere Klosterfrauen ein Küelin», wie Pater Joseph Dietrich notierte.

Während über den Heiligabend ein Eintrag fehlt, ist der Weihnachtstag detailliert beschrieben. Er begann 15 Minuten nach Mitternacht mit der «Mette». Dem Chronisten kamen dabei verschiedene Aufgaben zuteil. «Unter der Mette hörte P. Beichtiger ettliche Fremde Beicht; beim Te Deum verfügte er sich gewohnter Chorkleidung ad presbyterium und sang das Evangelium etc., nachher das hohe Amt, nachher las er noch eine Messe, weil es so Brauch war, und P. Probst hörte eine Stunde Beicht, was nachher auch P. Beichtiger tat bis gegen 3 Uhr.

Die Klosterfrauen aber beteten die Laudes, nach denen ettliche, nicht alle, wieder zur Ruhe gingen.» Auch Pater Joseph Dietrich legte sich hin, bis zum «Angelusläuten um 5 Uhr». Danach ging er in den Beichtstuhl. Von 6 Uhr bis 6.30 Uhr «hatten die Klosterfrauen Meditation, dann las P. Probst Messe und kommunizierte dieselben und das Volk». Es folgen weitere Beichten und Messen, bis schliesslich um «1 Uhr wie an Feiertagen Rosenkranz und Vesper» war.

Auch am nächsten Tag waren wiederum viele Beichtende gekommen. Derweil sangen «vor den Konventstuben 2–3 Scharen Meitlin ein Weihnachtslied und wünschten der Priorin ein gutes Neujahr an nach alter Gewohnheit». Auch das Kloster selber entrichte die besten Wünsche für das neue Jahr. «Am 3. Januar schickte die Priorin das Neujahr nach Zürich, jedem Herr Bürgermeister einen grossen Lebkuchen, dem Vogtsherr einen Käs, und einige Klosterfrauen schickten auch einigen Partikularpersonen das Neujahr», notierte der Beichtvater. Die Priorin wiederum erhielt vom Prälat von Rheinau «schönes Hirschfleisch».

Auch der Propst und der Beichtvater gingen nicht leer aus. Letzterem wurden etwa «die Kissen des Beichtstuhles gewärmt in der Kirche bei so kalter Winterszeit». Zudem schickte die Priorin «durch die Frau Kellnerin dem P. Probst und dem P. Beichtiger das gewohnte Neujahr». Dazu gehörten unter anderem ein leinenes Hemd, zwei Nastücher, ein Reichstaler, ein Glas oder zwei gestickte pergamentene Bilder. «Viel Zeug», wie Pater Joseph Dietrich konstatierte. «Das liebste aber war der Wille. Gott vergelts ihnen tausend mal.»

Quelle: Magnus Helbling Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz, Band 19 (1908).