Dietikon

Am 21. September entscheidet sich, ob die Kirche den «Bären» verkauft

Das kleine Hochhaus am Bahnhof Dietikon: Eine Sanierung des «Bären» kann die Kirche nicht stemmen.

Das kleine Hochhaus am Bahnhof Dietikon: Eine Sanierung des «Bären» kann die Kirche nicht stemmen.

Die katholische Kirchenpflege von Dietikon will die Bären-Liegenschaft für 1,7 Millionen Franken an die Stadt abgeben. Ihr fehlen die finanziellen Mittel, um das Gebäude zu sanieren. Über den Verkauf entscheiden die Stimmberechtigten an der Kirchgemeindeversammlung.

Die Katholische Kirchgemeinde Dietikon kann sich den «Bären» am Bahnhof nicht mehr leisten: Die fünf Mietwohnungen, die in den fünf Etagen über dem Restaurant liegen, befinden sich in einem schlechten Zustand und müssen saniert werden. Wie Abklärungen ergeben haben, kämen die Arbeiten auf bis zu 2,4 Millionen Franken zu stehen. «Dies», schreibt die Kirchenpflege, «könnte die Kirchgemeinde in finanzielle Schwierigkeiten bringen.» Denn es stehen in den kommenden Jahren noch andere Sanierungsvorhaben an.

Die Kirchenpflege beantragt deshalb der Kirchgemeindeversammlung vom 21. September, dass das Grundstück und die Liegenschaft für 1,7 Millionen Franken an die Stadt Dietikon abgegeben werden sollen. Einen entsprechenden Kaufvertrag haben die Kirchgemeinde und die Stadt inzwischen ausgearbeitet.

Der Verkauf des Gebäudes direkt am Bahnhof und neben dem Pfarreizentrum ist nicht unumstritten. Die «Limmattaler Gewerbezeitung» wirft in ihrem «Schämdi-Eggli» der Kirchenpflege gar vor, nicht viel von Immobilien zu verstehen und liederlich mit Steuergeldern umzugehen. Denn die Liegenschaft werde, ohne dass Angebote von Dritten eingeholt wurden, weit unter dem Marktpreis verkauft.

Wegen Sanierung: Stadt hält Preis für angemessen

Dass sie die zentral gelegene Liegenschaft theoretisch zu einem höheren Preis verkaufen könnte, ist sich die Kirchenpflege durchaus bewusst. Sie sieht den «Bären» aber nicht als blosses Renditeobjekt, mit dem sie möglichst viel Geld lösen will. Sondern sie will auch die Gewähr haben, dass die 1912 erstellte Liegenschaft weiterhin sinnvoll genutzt wird: Von einer «der katholischen Kirchgemeinde wohlgesinnten Nutzung» war im vergangenen Dezember die Rede, als die Kirchenpflege erstmals über ihre Pläne informierte.

Bei den Diskussionen über die Höhe des Preises sei auch zu berücksichtigen, dass nach dem Verkauf noch Geld in die Liegenschaft gesteckt werden müsse, sagt Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP). Die Stadt werde nicht nur den Kaufpreis von 1,7 Millionen Franken in die Hand nehmen, sondern danach auch noch weitere Investitionen tätigen müssen. Stadtintern seien intensive Berechnungen vorgenommen worden, in die sowohl die möglichen Erträge als auch die noch ausstehenden Sanierungen eingeflossen seien. Diese zeigten offenbar, dass der «Bären» für die Stadt tragbar ist – andernfalls hätte sie sich von den Verhandlungen zurückgezogen und keinen Kaufvertrag ausgearbeitet.

Noch hat die Stadt keine konkreten Pläne, was sie mit der Liegenschaft machen wird, wie Bachmann sagt. Der «Bären» sei für die Stadt aus strategischer Sicht wichtig. «Wir sprechen aktuell mit den SBB über die Entwicklung und Neugestaltung des gesamten SBB-Bahnhofareals und der ‹Bären› befindet sich in direkter Nachbarschaft zu diesem Perimeter.» Zudem befinde sich das Gebäude an repräsentativer Lage. Da gelte es, zu verhindern, dass es zu einem Rendite- und Spekulationsobjekt verkomme, wie es sie in der Stadt andernorts schon gebe.

Es hat ein Totalausfall der Wasserversorgung gedroht

Die Katholische Kirchgemeinde Dietikon hatte die markante Liegenschaft im Jahr 1955 für 310000 Franken gekauft. In den 1970er-Jahren wurden das Restaurant und die Mietwohnungen saniert. Seit 2015 sorgen insbesondere die Wasserleitungen für Ärger; schliesslich befürchtete die Kirchgemeinde gar, dass die Wasserversorgung in den Wohnungen ganz ausfallen könnte. Sie kündigte deshalb per 31. März 2019 die bestehenden Mietverhältnisse, um eine Gesamtsanierung der Mietwohnungen an die Hand nehmen zu können.

Für knapp 170000 Franken liess die Kirchenpflege ein Vorprojekt und eine Kostenschätzung für eine Gesamtsanierung der Liegenschaft erstellen sowie statische und weitere Abklärungen durchführen. Angesichts der unerwartet hohen Kosten von 2,4 Millionen Franken – anfänglich hatten nur rund 1,4 Millionen Franken im Raum gestanden – entschied sich die Kirchenpflege, statt einer Sanierung einen Verkauf ins Auge zu fassen. Die Stadt Dietikon, die den «Bären» für 1,7 Millionen Franken erwerben will, übernimmt auch das ausgearbeitete Vorprojekt und entschädigt die Kirchgemeinde dafür mit 50000 Franken, wie dem Kaufvertrag zu entnehmen ist.

Im Vertrag vereinbaren beide Seiten zudem Vorkaufsrechte. So könnte die Stadt das neben dem «Bären» befindliche Pfarreizentrum kaufen, sollte es die Kirche in den nächsten 25 Jahren veräussern wollen. Der Kirchgemeinde wird im Gegenzug ein Vorkaufsrecht eingeräumt, wenn die Stadt die Liegenschaft Bären weiterverkaufen will.

Die Kirchgemeindeversammlung findet am 21. September um 19.30 Uhr im Pfarreizentrum St.Agatha statt.

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