1979 war von 500 000 Franken die Rede. 2006 sprach man von einer Million. 2011 waren es 17 Millionen. Heute, rund 35 Jahre, nachdem die Stadt Dietikon das Schellerareal gekauft hat, belaufen sich die Gesamtkosten für die Entsorgung der Altlasten in dessen Untergrund auf 19 Millionen Franken. Davon übernimmt die Stadt 7,4 Millionen, also mehr als ein Drittel, wie der Stadtrat gestern in einem Communiqué mitteilte. Dafür muss sie aber nicht in die Haushaltskasse greifen, wie aus der Mitteilung hervorgeht: 5,4 Millionen Franken hat Dietikon aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung mit der Swiss Life AG nämlich bereits an die umfangreiche Sanierung gezahlt, die ab 2006 in zwei Etappen vollzogen worden war.

Die restlichen zwei Millionen werden als sogenannter Forderungsverzicht getilgt: Als die Swiss Life AG 2006 der Stadt das Areal für zehn Millionen abkaufte, wurden zwei davon im Hinblick auf Altlasten zurückbehalten. Sie sollten erst nach Abschluss der Sanierungsarbeiten an die Stadt ausbezahlt werden. Nun werden sie mit dem städtischen Anteil an den Sanierungskosten verrechnet. Allerdings erhält die Stadt dieses Geld vom Kanton zurückerstattet: «Der Forderungsverzicht wurde im Rahmen des kantonalen Übergangsausgleichs angerechnet», schreibt der Stadtrat.

Einigung nicht selbstverständlich

Neben einem Teil der Sanierungskosten übernimmt Dietikon auch jene der künftigen Überwachung des Untergrunds. Diese sind bislang mit einmalig 50 000 Franken veranschlagt. Stellt man die Gesamtkosten (rund 11 Millionen für den Kauf und den Anteil an der Sanierung) dem Verkaufserlös und der Unterstützung durch den Kanton (10 Millionen) gegenüber, zeigt sich: Der wohl einst als gewinnversprechend eingestufte Kauf des Schellerareals ist für die Stadt letztlich zum Verlustgeschäft geworden — wenn auch, dank kantonaler Hilfe, zu keinem besonders teuren.

Dass sich die beim Schellerareal involvierten Parteien bei der Aufteilung der Sanierungskosten nun einigen konnten, ist nicht selbstverständlich: Als 2007, kurz nach dem Start der Überbauungsarbeiten, zu bereits bekannten weitere Altlasten im Boden gefunden wurden, verfügte der Kanton einen Baustopp und stufte das Grundstück als sanierungsbedürftig ein — was für Swiss Life und Stadt einer Sanierungspflicht gleichkam. Gegen die Verfügungen der kantonalen Baudirektion ergriff Dietikon Rekurs — die Stadt zweifelte die Notwendigkeit einer weiteren Sanierung an und verlangte beim Regierungsrat eine objektive Beurteilung zum Umfang der notwendigen Altlastensanierung. Um die Bauarbeiten auf dem Grundstück nicht zu verzögern, einigte sich die Stadt trotz eingereichtem Rekurs mit der Investorin Swiss Life darauf, den Standort trotzdem zu sanieren.

Des Weiteren vereinbarten sämtliche involvierten Parteien — Kanton, Stadt, Swiss Life sowie die Univar AG als Rechtsnachfolgerin der Scheller AG —, die Gesamtkosten der Sanierung erst nach deren endgültigem Abschluss untereinander aufzuteilen. Diese Aufteilung nahm dann allerdings einige Zeit in Anspruch. Die «langwierigen Verhandlungen in den Jahren 2013 und 2014» führten schliesslich im Spätherbst des letzten Jahres zu einer «einvernehmlichen Regelung», wie der Stadtrat in der gestrigen Mitteilung schreibt.

Alternative wäre teurer gewesen

Bei der Beurteilung des Geschäfts Schellerareal spricht Stadtpräsident Otto Müller (FDP) von einem «Nullsummenspiel» für die Stadt. Er verweist auf die zusätzlichen Steuereinnahmen, welche die Überbauung des Areals generiert habe. Die nun getroffene Vereinbarung «ist für die Stadt eine sehr gute Lösung», wie Müller sagt. Die Alternative dazu sei gewesen, gegen die Altlastensanierung zu prozessieren. «Wäre die Notwendigkeit der Sanierung gerichtlich bestätigt worden, hätte Dietikon wesentlich mehr zahlen müssen», so Müller. Auf 13 Millionen Franken habe man die Kosten für die Stadt bei diesem Szenario eingeschätzt. Der Stadtpräsident beurteilt den Abschluss der Sanierungsarbeiten auch aus ökologischer Sicht positiv. «Wir haben dort nun ein sauberes Grundstück.»

Lösungsmittel und Asbest

Das 1200 Quadratmeter grosse Stück Land an bester Lage kaufte die Stadt Ende der 1970er-Jahre für 5,5 Millionen Franken von der Scheller + Cie AG. Schon damals war klar, dass eine Altlastensanierung notwendig sein würde. Erst mit den Jahren zeigte sich aber das wahre Ausmass der Bodenverschmutzung, die durch die dortige Produktionsstätte des Öl- und Chemiehändlers entstanden war. Neben Öl und Lösungsmitteln lagerte im Untergrund des Schellerareals auch Asbest und Schienen, ausserdem tauchten die Grundmauern eines alten Schulhauses auf. Die Firma Scheller wurde verpflichtet, einen Teil der Kosten für die Beseitigung der Altlasten zu übernehmen. Eine erste Sanierung des Grundstücks erfolgte 2006, eine zweite wurde ab 2007 für mehrere Jahre durchgeführt, als weitere Schadstoffe wie Kohlenwasserstoffe und Kerosole entdeckt worden waren.