Mein Verein
Altersturnen Pro Senectute: Sport im Alter macht kreativ

Der gesamte menschliche Körper ist auf Bewegung ausgerichtet. Muskeln, Sehnen und Gelenke wollen regelmässig bewegt werden, um lange reibungslos funktionieren zu können. Dies gilt auch für die Zeit nach der Pensionierung.

Anja Mosbeck
Drucken
Teilen
Waltraud Hofstetter ist kreativ: Sie ersetzt Hanteln mit Chriesisteinsäckchen.

Waltraud Hofstetter ist kreativ: Sie ersetzt Hanteln mit Chriesisteinsäckchen.

Anja Mosbeck

Es knistert. Zeitungspapier wird am Boden von links nach rechts geschoben. «Der Limmattaler ist nicht nur zum Lesen, sondern auch für Sport geeignet», sagt Altersturnleiterin Waltraud Hofstetter lachend. Sie sitzt auf einem Stuhl. Ihre Füsse platziert sie am Boden auf zwei Zeitungen.

«So ist es einfacher Bewegungen nach links und dann nach rechts auszuführen», sagt sie. Im Alter müsse man eben praktisch denken und die Bewegungen mit geeigneten Hilfsmitteln vereinfachen. Denn die eigene Muskelkraft sei nicht mehr die gleiche wie vor 40 Jahren.

Damals hat sie begonnen, das Altersturnen zu unterrichten. «Ich war schon immer sehr aktiv, denn Sport ist einfach gut für mein Gemüt», sagt sie. Früher, als ihr Mann noch lebte, standen Velotouren, Langlauf und Skifahren auf dem Programm. Während zehn Jahren leitete sie die Velofahrgruppe der Pro Senectute im Limmattal.

Auch jetzt noch mit ihren 76 Jahren treibt Hofstetter neben dem Altersturnen viel Sport. Sie geht jede Woche zwei- bis dreimal ins Krafttraining im Spital Limmattal. Einmal im Jahr steigt sie aufs Fahrrad. «Meine Leidenschaft fürs Velofahren lasse ich mir auch im Alter nicht nehmen», sagt sie.

«Wiederholen macht wach»

Während Hofstetter die Übungen in der Gruppe vorzeigt strahlt sie und lacht. Ihre lebensfrohe Art steckt die Seniorengruppe an. «Mir ist wichtig, dass die Trainingsstunden Spass machen», sagt sie. Die sportliche Aktivität stehe zwar im Mittelpunkt, jeder soll aber auf seinen Rhythmus hören und sich nicht überfordert fühlen.

Sich zu einer Übung zu zwingen, obwohl sie schmerzt, sei keinesfalls das Richtige. Jeder soll mit einer gesunden Müdigkeit nach Hause gehen und sich auf das nächste Training freuen können – dies ohne sich unter Druck zu fühlen.

Hofstetter unterrichtet Frauen und Männer. Die älteste Seniorin ist 91 Jahre alt. Wer sich im Alter regelmässig sportlich betätige, tue sich auch im Alltag leichter mit Bewegungen. Deswegen bringt Hofstetter gewisse Bewegungsabläufe immer wieder in unterschiedliche Übungen ein.

Manchmal gelinge eine Bewegung nicht auf Anhieb. Durch mehrmaliges Wiederholen reagiert das Hirn immer besser und schneller. «Es wird wacher», so Hofstetter. Auch auf das Fingerstrecken schwört sie, denn es fördert die Durchblutung. Das Abrollen des Fusses wird zudem regelmässig trainiert.

«Ich verwende dafür ein Telefonbuch, um den Fuss auf das Buch und wieder herunter zu rollen», erklärt sie. Gewichte ersetzt Hofstetter mit Chriesisäckchen. Normale Gewicht wären zu schwer für die Senioren. «Man muss eben manchmal kreativ sein, um auf anderem Weg ans Ziel zu kommen», sagt sie.

Das Altersturnen dient neben dem Sport auch dem sozialen Kontakt. Die Frauen lernen sich im Training kennen und treffen sich ausserhalb der Gruppe auf einen Kaffee.

Neue Gesichter seien jederzeit herzlich willkommen. Wer neugierig ist, könne ungehemmt vorbeischauen. «Ich freue mich immer wieder, wenn Senioren den Schritt zur Bewegung wagen», sagt sie.

«Bauchtanz hätte mich gereizt»

Neben sportlichen Aktivitäten verbringt Hofstetter ihre Freizeit gerne mit ihren Kindern und Enkelkindern. «Ich habe eine Enkelin, die mit Bauchtanz angefangen hat. Wäre ich 40 Jahre jünger, wäre das auch etwas, das mich reizen würde», sagt sie lachend. Die Begeisterung für Bewegung scheint in der Familie zu liegen.

Aktuelle Nachrichten