Für den ersten Lacher am 15. Limmattaler Wirtschaftspodium sorgte Moderator Reto Brennwald gleich selbst. Er verriet den knapp 800 Anwesenden, dass Podiumsteilnehmerin und alt FDP-Nationalrätin Elisabeth Kopp in seinem Auto zum Anlass in der Dietiker Stadthalle mitgefahren sei, weil sie beide in derselben Gegend leben. Eigentlich wohnt auch Michael E. Dreher, alt SVP-Nationalrat und am Anlass ebenfalls auf dem Podium, in der Nähe der beiden. Dennoch wollte Kopp lieber mit dem Moderator fahren. «Mit Herrn Dreher kann ich während der Diskussion lange genug ‹chifle›», habe sie ihm erklärt, sagte Brennwald. Und Kopp sollte recht behalten.

Auf dem Podium sassen neben den beiden Fast-Nachbarn mit alt Nationalrätin Vreni Müller-Hemmi und alt Nationalrat Andreas Herczog (SP) zwei weitere politische Schwergewichte der Vergangenheit. Moderator Brennwald stellte ihnen zu Beginn der Diskussion die Frage, was sie während ihrer Politkarriere in Sachen Nachhaltigkeit für die Zukunft erreicht hätten. Die vier kreuzten in der Folge in einer engagiert geführten Debatte die Klingen, bei der sie aktuelle Themen der Umwelt- und Migrationspolitik vor dem Hintergrund ihrer eigenen politischen Erfahrungen beleuchteten.

Dreher sah sich vor allem im ersten Teil zur Umweltpolitik in der Defensive. Als Mitgründer der Autopartei hatte er nicht nur die beiden SP-Politiker Müller und Herczog, sondern auch Kopp gegen sich, die sich in den Achtzigerjahren unter anderem stark für die Einführung der Katalysatorenpflicht für Neuwagen engagiert hatte. Diesen Vorstoss habe er damals sogar unterstützt, sagte Dreher. Dafür sei er in die Opposition gegangen, als es um das Waldsterben ging. «Ich glaube nicht an den Klimawandel.»

Energiestrategie gab zu reden

Brennwald lenkte darauf die Diskussion auf die Energiestrategie des Bundesrats, die einen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2050 vorsieht. Kopp äusserte Zweifel daran, dass der Bedarf der Schweiz bei einer Abschaltung der Atomkraftwerke nur über Wind- und Wasserkraft gedeckt werden kann. «Es kann nicht sein, dass wir dann einfach Atomstrom importieren», sagte sie.

Dem pflichtete Herczog bei. Er sähe eine Lösung aber in der Geothermie. Auf Brennwalds Frage, ob Bundesrätin Doris Leuthards Gesinnungswandel von der Atomlobbyistin zur Atomgegnerin in die Sparte Populismus gehöre, antwortete der Alt-SP-Nationalrat: «Ich glaube, dass sie ihren Kampf aus politischer Überzeugung führt.» Ausserdem sei Populismus nicht immer schlecht, solange man ihn richtig einsetze. Herczog erachtet eine 2000-Watt-Gesellschaft als unrealistisch: Man müsse daher nicht über das Waldsterben reden, wie vor 30 Jahren, sondern über Energietechnologie, sagte er.

Müller-Hemmi erklärte darauf, an diesem Beispiel zeige sich, dass die Umweltpolitik nicht wirtschaftsfeindlich sei, wie oft behauptet werde, sondern wirtschaftsfreundlich. Schweizer Betriebe und die ETH seien wichtige Entwickler von Technologien, die es für einen Energiewandel brauche. Klimawandel-Skeptiker Dreher sagte darauf, dass er im Garten Erdsonden installiert habe – vor allem auch, weil es wirtschaftlich sei.

Dreher will Zäune an der Grenze

Schliesslich kam die Runde auf die bevorstehende Ecopop-Abstimmung zu sprechen. Dreher lancierte das Streitgespräch mit der Äusserung, er sei dafür, dass man die Grenzen wie im französischen Calais mit Zäunen schützt. Müller-Hemmi erklärte darauf, dass es sie störe, wie derzeit auf dem Rücken von Flüchtlingen polemisiert werde. «Man muss solche Probleme im internationalen Kontext zusammen mit der Europäischen Gemeinschaft lösen», sagte sie.

Die Zusammenfassung der Debatte übernahm der Satiriker Andreas Thiel, der das Publikum zu Beginn auch humoristisch auf den Abend eingestimmt hatte: «Herr Dreher ist der Einzige, der in die Zukunft blickt. Er vergräbt Erdwärmesonden in seinem Garten. Herr Herczog ist für Populismus, solange er richtig verwendet wird, Frau Hemmi will alles im internationalen Kontext lösen und Frau Kopp wird von Reto Brennwald nach Hause gefahren.»