Oberengstringen

Als würden Legenden ins Heute getragen

The Saints Jazz Band gibt es seit sage und schreibe 63 Jahren.

The Saints Jazz Band gibt es seit sage und schreibe 63 Jahren.

The Saints Jazz Band liess swingenden Jazz und Dixietunes im Jazzclub Allmend aufleben.

Grosse Konzerte in intimem Ambiente und mit eigener Küche, so beschreibt sich der Jazzclub Allmend selbst – und das ist bei weitem nicht zu viel versprochen, wenn man das Konzert von letztem Samstag als Beispiel nimmt. The Saints Jazz Band gab Stücke zum Besten, an die sich nur wenige wagen würden und die noch weniger so leger und umwerfend interpretieren könnten wie diese sechs aussergewöhnlichen Schweizer Jazz-Musiker.

Kurz vor Konzertbeginn füllt sich der Raum, die Besucheranzahl ist überdurchschnittlich hoch, viele sind zum ersten Mal hier, extra gekommen, um sich The Saints Jazz Band anzuhören, denen sie schon viele Jahre an ihre Konzerte in der Region folgen. Martin von Aesch begrüsst die Besucher mit herzlichen Wünschen zum Jahresbeginn und kündigt dann The Saints Jazz Band an: eine Schweizer Jazz-Band, die es seit sage und schreibe 63 Jahren gibt.

Alte Hasen, könnte man sagen, und das im besten Sinne meinen, denn die jahrelange Erfahrung, das enorme Können und die grosse Begeisterung, die jeder von ihnen mitbringt, äussern sich in einer Darbietung, die einen in die Vergangenheit mitnimmt und gleichzeitig in der Gegenwart in ein zeitloses Gefühl von Lebensfreude und verwegener Schönheit hüllt. Es ist, als würden an diesem Samstagabend Legenden und Mythen aus vergangenen Zeiten ins Heute getragen, um alle Anwesenden aufs Neue zu verzaubern.

Die Band, bestehend aus Otto Andræ (Trompete), Ernst Bigler (Posaune), Paul Tantanini (Klarinette), Romeo Borbach (Piano), Rolf Winiger (Kontrabass) und Eugen Weber (Schlagzeug), spielt Lieder aus der Zeit der goldenen Zwanziger- bis in die Vierzigerjahre; ein vielseitiges Repertoire aus swingendem Jazz und Dixietunes bis hin zu Themen aus der Mainstream-Epoche – zum Teil bekanntere Stücke, zum Teil versteckte Juwelen.

Beeindruckend ist auch die Ausgewogenheit von wohlklingenden Ensembles und grossartigen Solo-Einlagen. Nicht nur die Boogie Woogies der Rhythmusgruppe mit dem Pianisten und Bandleader Romeo Borbach, dem Kontrabassisten Rolf Winiger und dem Schlagzeuger Eugen Weber sind legendär; jeder Musiker spielt voller Hingabe, manchmal mit Schalk und Humor Solos, bei denen man seinen Ohren kaum traut, die Füsse fangen unweigerlich an mitzuwippen, und es breitet sich ein wohliges Lächeln auf dem Gesicht aus.

«When the Saints Go Home» ist das Abschlusslied, doch das Publikum lässt die Band nicht ohne Zugabe gehen. Sie lassen sich erweichen und spielen zum Abschluss den Titel «As Long As I Live», den jemand aus dem Publikum mit dem Kommentar quittiert: «Nicht mehr allzu lange!» Ein schönes Schlusswort wohl, so unpassend und so passend zu diesem Abend wie nur möglich, denn vor allem solch schöne Momente im Leben lassen doch die Ambivalenz zwischen Vergänglichkeit und Unsterblichkeit besonders deutlich präsent sein.

The Saints treten regelmässig in der Region auf, siehe www.thesaints.ch. Und im Jazzclub Allmend finden wöchentlich Konzerte statt: www.jazzclub-allmend.ch

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